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Politiker und das böse Internet

«Wir müssen denen einen Strich durch die Rechnung machen.» Blöd, wenn ein solches E-Mail aus Versehen bei «denen» landet

Eine deutsche SPD-Politikerin sorgt aktuell für Schlagzeilen, weil sie ein gehässiges E-Mail versehentlich an die falsche Adresse verschickte. Unsere Liste zeigt: Die Bundestagsabgeordnete ist in guter Gesellschaft.

24.04.14, 22:05 25.04.14, 11:56

1. SPD-Politikerin Birgit Kömpel verwechselt die Empfänger

Die Fuldaer Zeitung bietet seit einigen Jahren heimischen Abgeordneten verschiedener Parlamente die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Kolumne zu aktuellen – aber vorher mit der Zeitung abgesprochenen – Themen zu äussern. Die Bundestagsabgeordnete Birgit Kömpel von der SPD wollte dieses Angebot nutzen, hielt sich aber nicht an die Spielregeln.

Statt eines Textes zu einem der vorgeschlagenen Themen verfasste sie aus Sicht der Zeitung eine Lobeshymne auf die Arbeit ihrer Partei. Das Medium lehnte den Beitrag ab. Dann geschah Folgendes: Kömpel schrieb eine E-Mail, welche sie einem ihrer Mitarbeiter zukommen lassen wollte. Doch statt dies zu tun, verschickte sie die gehässigen Zeilen direkt an die Zeitung:

Betreff: «Re: Kolumne für morgen»

«Wahrscheinlich finden die sich jetzt richtig toll ... Das ist schon frech, was die sich so leisten. Wir müssen mal wirklich eine Strategie ausarbeiten, wie wir denen einen Strich durch die Rechnung machen können. Ich treffe mich Morgen zum Frühstück mit Hettler von Fuldainfo und wir schauen mal, ob wir Ideen haben.»

Die Politikerin selbst hat zu dem Fall bisher keine Stellung genommen. Doch die folgenden Fälle zeigen, dass Kömpel durchaus in guter Gesellschaft ist.

2. SVP-Politiker Peter Kobel klickt bevor er denkt

Gerade kürzlich erst wurde ein Schweizer Politiker Opfer der Tücken des Internets. Doch im Fall von Peter Kobel handelt es sich wohl eher um einen Fehler, den er ziemlich bewusst gemacht hat, und weniger um ein einfaches Versehen. Wie 20 Minuten berichtete, verschickte der SVP-Politiker ein Video an mehrere St. Galler Stadtparlamentarier, das ihn später sein Amt kostete. 

Der Film zeigt, wie ein Mann in Syrien von maskierten Männern enthauptet wird. Bei den Tätern soll es sich um Islamisten handeln – bei dem Opfer um einen Christen. Das Video verschickte er, als er Bezug zu einer Debatte über ein Grabfeld für Muslime auf dem St. Galler Friedhof Feldli nehmen wollte. Der Film sollte «als kleine Hilfe für die Entscheidungsfindung» dienen.

Die Einsicht kam zu spät

Angesichts solcher Bilder müsse man sich den Entscheid zweimal überlegen, schrieb Kobel seinen Ratskollegen. Und weiter: «Die Gläubigen im Video berufen sich auf ihren Gott, genauso die Mitbürger gleichen Glaubens hier.» Seine Kollegen waren darüber alles andere als erfreut.

Am Folgetag war Kobel offenbar bewusst geworden, dass die Idee mit dem Video nicht gerade die allerbeste war. «Ich muss jetzt, selbst erschüttert und konsterniert, einsehen, dass man solche Links nicht versenden darf», schrieb er in einem zweiten E-Mail und trat anschliessend aus dem Parlament zurück.

3. FDP-Politikerin Doris Fiala spricht mit der falschen Combox

Die FDP Nationalraetin Doris Fiala posiert am Montag, 2. Dezember 2013 im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Doris Fiala. Bild: KEYSTONE

Zwar nicht per E-Mail, aber ebenfalls mit einem falschen Empfänger einer Nachricht hatte es vor einigen Jahren die damalige FDP-Kantonalratspräsidentin Doris Fiala zu tun. Eigentlich wollte sie laut 20 Minuten ihren Parteikollegen Filippo Leutenegger anrufen. 

Doch statt auf seine Combox zu sprechen, hatte sie es mit dem automatischen Anrufbeantworter von Ex-Regierungsrätin Dorothée Fierz zu tun. «Du Filippo, wir müssen knallhart sein, Fierz muss sofort zurücktreten», so soll gemäss der «NZZ am Sontag» der Wortlaut der Sprachnachricht gewesen sein. Eine Woche später trat Fierz zurück, zu dem kleinen Fauxpas wollte sich Fiala nie äussern.

4. SPD-Abgeordneter Rolf Mützenich landet in der Verteiler-Falle

Der deutsche SPD-Abgeordnete Rolf Mützenich war laut Spiegel Online im vergangenen Jahr nicht ganz zufrieden mit der Anzahl seiner Facebook-Fans. Damals waren es gerade mal rund 500 Stück. Dies nahm er zum Anlass, ein wenig die Werbetrommel zu rühren – und da man mit dem richtigen E-Mail-Verteiler gleich eine ganze Menge von Menschen gleichzeitig erreichen kann, bietet sich diese Methode durchaus an.

«Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wir würden uns über ein ‹Gefällt mir› auf unserer Facebook-Seite freuen. Vielen Dank! Mit besten Grüssen Rolf Mützenich», schrieb der Politiker in einem Sammel-Mail und fügte den Link zu seiner Facebook-Seite hinzu. Dummerweise wählte Mützenich aber nicht – wie ursprünglich von ihm angedacht – den Verteiler aus, der alle SPD-Mitarbeiter im Bundestag auflistet, sondern jenen mit sämtlichen Mitarbeitern des Bundestags. 

So erreichte er zwar 4000 Adressaten, ein Grossteil gehörte jedoch der politischen Konkurrenz an. Diese empfand die Aktion als ziemlich amüsant, wodurch eine Welle des Spotts ins Rollen kam, die ebenfalls an den gesamten Verteiler verschickt wurde. «Dislike. BOOOOOM», schrieb ein FDP-Mitarbeiter.« Hahaha, da wollen sie sich es aber leicht machen. Von mir leider kein like :-)», schrieb ein anderer Mitarbeiter des Bundestags. Heute, ein Dreivierteljahr später, hat Mützenich übrigens knapp 1000 Facebook-Fans.

5. Auch Twitter bietet Pannen-Potenzial

epa02782102 Democratic congressman Anthony Weiner of New York announces his resignation in Brooklyn, New York, USA, 16 June 2011. Wiener recently admitted to sending lewd pictures of himself over the internet to various women.  EPA/JUSTIN LANE

US-Demokrat Anthony Weiner. Bild: EPA

Dass man auch via Twitter Inhalte an die falschen Personen versenden kann, musste US-Demokrat Anthony Weiner im Jahr 2011 schmerzlichst erfahren. Wie der Stern berichtete, sendete Weiner einen Link an eine weibliche Online-Bekanntschaft, der zu einem Bild seines erigierten Gemächts führte. 

Doch leider war der Link für die gesamte Twitter-Gemeinde zugänglich und landete so auch bald in der Presse. Doch daraus scheint der Politiker nicht wirklich eine Lehre gezogen zu haben. Während seines Wahlkampfes für das Bürgermeisteramt in New York im Jahr 2013 gelangten weitere schlüpfrige Aufnahmen an die Öffentlichkeit.



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