Ferner Osten
Fighters of the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) stand guard at a checkpoint in the northern Iraq city of Mosul, June 11, 2014. Since Tuesday, black clad ISIL fighters have seized Iraq's second biggest city Mosul and Tikrit, home town of former dictator Saddam Hussein, as well as other towns and cities north of Baghdad. They continued their lightning advance on Thursday, moving into towns just an hour's drive from the capital. Picture taken June 11, 2014. REUTERS/Stringer (IRAQ - Tags: CIVIL UNREST POLITICS CONFLICT)

Soldaten der ISIS vor der Stadt Mosul Bild: STRINGER/IRAQ/REUTERS

Aufstand im Irak

Dschihadisten rücken in das Umland von Bagdad vor - USA überlegen, einzugreifen

12.06.14, 18:22 12.06.14, 20:09

Die irakische Regierung verliert die Kontrolle über immer grössere Teile des Landes. Die Dschihadisten der Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) eroberten weitere Orte im Norden und rückten am Donnerstag bis in das Umland der Hauptstadt Bagdad vor.

Nach übereinstimmenden Berichten beider Seiten nahmen die schwarzgekleideten Kämpfer mehrere Orte nördlich der Hauptstadt ein und eroberten erste Bezirke von Udhaim, 90 Kilometer von Bagdad entfernt. Die meisten Soldaten in der Kleinstadt verliessen ihre Stellungen und zogen sich zurück.

«Wir warten auf Verstärkung»

«Wir warten auf Verstärkung», sagte ein Polizist, der in Udhaim ausharrte. Die Islamisten könnten die Hauptstrasse nach Norden blockieren. «Wir sind entschlossen, ihnen nicht die Kontrolle zu überlassen.»

Am Mittwoch hatten die ISIS-Kämpfer die nördliche Millionenmetropole Mossul eingenommen, die zweitgrösste Stadt des Landes. Dort waren innert weniger Stunden rund 500'000 Menschen vor den Extremisten geflohen. Nach Medien-Informationen erbeutete die Gruppe ausserdem 500 Milliarden irakische Dinar (382 Millionen Franken) in der Zentralbank. Auch schweres Kriegsgerät und Helikopter soll in die Hände der ISIS gefallen sein.

Kontrollverlust Richtung Süden

Seither stösst die Gruppe immer weiter nach Süden vor. Unterwegs wurde auch Tikrit eingenommen, die Heimatstadt des von den USA gestürzten sunnitischen Machthabers Saddam Hussein. Dort und in anderen Orten setzten die Islamisten Militärräte ein.

«Sie sind nicht wegen Blut oder Rache kommen. Sie wollen Reformen umsetzen und Gerechtigkeit walten lassen», sagte ein Stammesvertreter über die Islamisten. Der Anführer der Gruppe habe immer wieder erklärt, das eigentliche Ziel der Offensive sei Bagdad: «Dort kommt es zur Entscheidungsschlacht.»

In einer auf YouTube verbreiteten Videobotschaft rief ISIS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani seine Kämpfer auf, weiter bis nach Bagdad vorzudringen, wo «es eine Rechnung zu begleichen» gebe. Auch die schiitischen Städte Nadschaf und Kerbela werde ISIS attackieren, drohte Al-Adnani und rief zum Durchhalten auf.

«Unser Team für die nationale Sicherheit prüft alle Optionen»

Barack Obama

Jetzt meldet sich auch US-Präsident Barack Obama zu Wort. Er sicherte der irakischen Regierung die Unterstützung im Kampf gegen die vorrückenden islamistischen Extremisten zu. "Unser Team für die nationale Sicherheit prüft alle Optionen", sagte Obama am Donnerstag in Washington. "Ich schließe nichts aus."

Der Irak benötige "mehr Hilfe von uns und von der internationalen Gemeinschaft", fügte der Staatschef hinzu. "Wir müssen sicherstellen, dass diese Dschihadisten nicht permanent im Irak oder in Syrien Fuß fassen." Das Weiße Haus teilte mit, dass diese Optionen keine Bodentruppen umfassen werden.

Wie Regierungskreise in Washington berichten, befassen sich die USA derzeit zudem mit einer Bitte Iraks, die islamistischen Kämpfer mit Drohnenangriffen zu bekämpfen. In der Vergangenheit wurden ähnliche Anfragen aus Bagdad negativ beschieden.

Schweizer Aussendepartement beunruhigt

Russland bezeichnete die Offensive der Dschihadisten als «zutiefst beunruhigend». «Die Ereignisse im Irak verdeutlichen den vollkommenen Misserfolg des Abenteuers, an dem sich die USA und Grossbritannien beteiligt haben», sagte Aussenminister Sergej Lawrow am Donnerstag der Nachrichtenagentur Iter-Tass. 

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sagte der "Bild"-Zeitung, die Lage sei «alarmierend», weil die Kämpfe «die durch den Syrienkrieg aus der Balance geratene Region noch weiter in Gewalt und Chaos zu stürzen drohen». Auch das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und das Internationale Komittee vom Roten Kreuz (IKRK) zeigten sich beunruhigt und verurteilten die Gewalttaten im Irak. (pma/sda/Spiegel Online)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 12.06.2014 20:39
    Highlight Heute möchte ich ein Idealist sein: Die USA, Russland und Europa ziehen am gleichen Strang und schützen die Bevölkerung vor einer brutalen Unterdrückung und verhindern eine massive Flüchtlingswelle. Es ist nicht die Lösung des Konflikts, doch ein starkes Zeichen, dass die Grossmächte gewillt sind zusammen zu spannen. Das könnte andere West-Ost-Spannungen etwas entkrampfen. heute wird die Weltmeisterschaft im Fussball angepfiffen, doch eine faire WM der Politik wäre nötiger, denn die USA wieder alleine, dass bringts nicht. Wer hilft und wer schaut weg?
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    • sewi 12.06.2014 21:32
      Highlight Zu wünschen wäre es. Aber, dann bekämpft man die Islamisten im Irak und in Syrien unterstützt man sie? Ich glaube dass westliche Soldaten zu weit weg sind von der regionalen Mentalität. Türkische Armeeteile sollten bis Bagdad vorstossen und gleichzeitig iranische Verbände die Islamisten in Syrien in die Zange nehmen.
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    • Gelöschter Benutzer 12.06.2014 23:13
      Highlight Es ist purer Terror. Auf youtube gibts die abscheulichsten Videos. Mit Islam oder Glauben hat das rein gar nichts zu tun. Es sind schlicht und einfach hemmungslose Mörder. Und dann die Fragen: Wo werden diese Leute rekrutiert, wer rüstet sie aus, wer macht die ganze Koordination und Logistik, wer finanziert das alles...?
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    • sivi10 13.06.2014 01:02
      Highlight @sewi

      bscheyno, deine Strategie hört sich eigentlich gut an...
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    • Zeit_Genosse 13.06.2014 07:40
      Highlight @sewi
      Sehr gute Überlegung, die Mentalität zu berücksichtigen und die besorgte Türkei einzubeziehen. Wenns denn so kommt ....
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