Film

Selten schenkt jemand der lästigen Presse Applaus. Diane Keaton tut es. Danke, Diane! Bild: KEYSTONE

Eine Lady beehrt das ZFF

Diane Keaton küsst heute lieber denn je. Wie es mit Michael Douglas war, verrät sie Ihnen im Video 

01.10.14, 20:54 22.10.14, 10:17
Simone Meier, Gelöschter Benutzer

Ihre Kusspartner-Liste, sagt Diane Keaton am frühen Abend, Stunden nach der lustigen Pressekonferenz vom Mittag (siehe Video), sähe so aus: Michael Douglas in «And so It Goes» sei «eine A» und Morgan Freeman in «Ruth and Alex» ebenfalls. Robert de Niro («The Big Wedding») und ihr guter Freund Jack Nicholson («Something's Gotta Give») gehören offenbar nicht in die A-Liga der Küsser. Und ja, sagt sie, je seltener sie in ihrem echten Leben küsse, desto lieber tue sie es im Film. Vielleicht hat sie sich ja deshalb auf das Genre der romantischen Pensionärs-Komödie spezialisiert in den letzten Jahren.

Diane Keaton, 68, empfängt im Baur au Lac, draussen geht gerade Günter Netzer vorbei, was macht der denn in Zürich? Im Garten reifen kleine Dekor-Oliven an malerisch zurechtgetrimmten Bäumen, der Lac ist auch sichtbar, drinnen drängt sich die Presse, schon seit vielen Stunden, denn Diane Keaton ist Lady, Legende und lebende Modeikone, und am späten Abend wird ihr das ZFF einen Golden Icon Award überreichen.

Diane Keaton – in ihren eigenen Worten

video: Youtube/ watson

Sie trägt einen weissen Anzug mit schwarzen Streifen, Krawatte, silbernes Haar und auf den Fingernägeln Aufkleber mit schwarz-weissem Pied-de-coq-Muster. Und graue Schuhe mit weissen Tupfen. Und ein weisses Einstecktuch mit schwarzen Tupfen. Ein Wahnsinn. Auch Cate Blanchett war nicht besser gestylt. Und falls ihr jemand helfen mag: Sie hat am Donnerstag noch etwas Zeit und ist via Twitter auf der Suche nach Zürichs bestem Vintage-Store. Sie will unbedingt mehr Follower auf ihrer Pinterest-Seite. Und sie verehrt gerade Rihanna und John Legend über alles.

Diane Keaton hat in «The Godfather», Teil eins bis drei, mitgespielt. Und mit Woody Allen Klassiker wie «Annie Hall» gedreht. Und sie hat Regie geführt in der Kultserie schlechthin, «Twin Peaks». Sieht sie sich heute als die Godmother des ganzen Serienhypes? «Ach nein, kein bisschen. Ich ging damals ans Set, ich hatte vorher noch nie Regie geführt, und David Lynch sagte: ‹Mach einfach irgendwas! Es kommt überhaupt nicht darauf an.› Und genau das habe ich gemacht. Irgendwas. Ich dachte dabei: Es ist ja auf Kosten von David Lynch.»

Zwei Hollywood-Hasen haben Spass miteinander: Michael Douglas und Diane Keaton. Bild: Impulse Pictures

Trailer zu «And so It Goes»

video: Youtube/ Movieclipstrailers

In «And so It Goes» von Rob Reiner begegenen sich ein schrullig vebitterter Witwer (Douglas) und eine hippieske Witwe (Keaton), deren grösster Traum es ist, als Nachtclubsängerin Karriere zu machen. Ein süsses Kind weicht die Fronten auf, eine Schwangere erfordert Heldentaten, es ist ein Patchwork-Familien-Film ohne grosse Nachhaltigkeit, aber natürlich ist es schön, zuzusehen, wie Michael Douglas und Diane Keaton miteinander Spass haben. 

Emma Watsons Rede

Vielleicht muss man das auch einfach verstehen, dass Michael Douglas jetzt auf solche Filme Lust hat. Vor seiner Krebserkrankung spielte er noch einmal Gordon Gekko in «Wall Street – Money Never Sleeps». Danach spielte er Liberace in «Behind the Candelabra», und alle rühmten die Entdeckung seines komischen Talents. Und genauso macht er jetzt eben weiter. Vielleicht braucht er das jetzt gerade, diese Unbeschwertheit.

Diane Keaton hat allerdings noch ganz andere Träume, was Regisseure betrifft. Sie fühlt sich jetzt zum Beispiel reif für David Fincher, dessen «Gone Girl» gerade weltweit anläuft. «Auch wenn er verlangt, dass man eine Szene fünfundsiebzig Mal filmen muss, ich mach das.» Sich selbst als «Schauspielerin» zu bezeichnen, fällt ihr schwer. «Wenn ich an Schauspielerinnen denke, dann meine ich richtige Schauspielerinnen, nicht mich. Ich kann das nicht, mich ganz aufgeben und in einer andern Person aufgehen. Ich bin eher jemand, der in Filmen auftritt.»

Ein anderer wundervoller Anzug, hier bei den Golden Globes im Januar.  Bild: AP NBC

Jack Nicholson gehört nicht zu ihren Lieblingsküssern! Bild: EPA DPA

Was hält Diane Keaton als Feministin von Emma Watsons Rede vor den Vereinigten Nationen neulich? Als Emma Watson die Männer freundlich dazu einlud, am Feminismus teilzuhaben? «Oh wooow! Ich habe entfernt davon gehört! Leider kann ich jetzt nicht so viel dazu sagen. Wie alt ist sie? 24? But that's amazing! Ich glaube, Emma Watson ist brillant in allem, was sie tut.» Okay, das ist jetzt eine Verlegenheitsantwort. 

Die Hoffnung der Olive

Dass sie eine anerkannte Fachfrau für Fotografie ist, Nachlässe von Fotografen verwaltet und Fotobücher macht, das spielt Diane Keaton gekonnt herunter. Das Interesse am Visuellen sei ganz einfach vererbt: «Meine Mutter ist eine Künstlerin und macht Collagen, mein Bruder ist ein Künstler und macht Collagen, wir machten früher alle Collagen. Dann hab ich mal ein Buch über Clowns gemacht. Wichtige Dinge halt.»

Was tut sie als nächstes? «Ich mache ein Projekt in England, aber ich darf noch gar nicht darüber reden.» Ein Gastauftritt in «Downton Abbey»? «Hahah, guter Versuch, nein!» Und das war's. Draussen, an einem der dekorativen Olivenbäume, hängt doch tatsächlich eine einzige reife Olive. Wahrscheinlich hat sie sich im Lauf des Tages ganz einfach die grosse Diane Keaton zum Vorbild genommen. Und hofft jetzt darauf, von einem A-Liga-Mann wie Michael Douglas geküsst zu werden. Oder wenigstens gegessen.

Diane Keaton im Kamera-Visier von Filmstudenten der Zürcher Hochschule der Künste. video: youtube/zurich film festival

«And so It Goes»: 5.10., 15 Uhr, Corso 1.  
Der Film läuft ab 6. November im Kino.

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