Film

Die Brücke zwischen der Schweiz und Deutschland kennt man sonst aus Zweit-Weltkriegs-Filmen. Bild: contrastfilm

Sie sind jung und haben genug: 10 Regisseure lassen die Schweiz untergehen. Das sieht verdammt gut aus

«Heimatland», der Schweizer Beitrag im Internationalen Wettbewerb von Locarno, begeistert.

11.08.15, 12:04 02.11.15, 17:38

So. Die Schweiz hat also einen neuen Film, der mal wieder richtig gute Chancen auf viel Publikum hat. Weil er Spannung, Unterhaltung, Action und eine grosse Erzählung vereinigt. Weil er die Schweiz in ein Szenarium versetzt, das sonst nur Hollywood wagt: In die Apokalypse. Das jüngste Gericht. Das schliesslich richtet über diejenigen, die sich in der Schweiz ganz selbstgerecht am wohlsten fühlen. Mit der grössten Berechtigung zuhause.

Also. Gefährliche Dämpfe kriechen eines Tages aus den Felsspalten imposanter Innerschweizer Berge. Das Paranormale oder auch einfach das Klimakatastrophale bricht aus. Eine riesige Strudelwolke rottet sich am Himmel zusammen. 1537 Quadratmeter gross ist sie am Morgen, neun Mal grösser am Nachmittag. Vögel fallen tot vom Himmel, der Strom fällt aus, das Wasser versiegt, ein kleines Ballettmädchen wird unheimlich, eine Polizistin sieht einen Toten, ein Hund rennt über die Zürcher Hardbrücke. Alle Zeichen zeigen in Richtung Untergang. Schweiz-Untergang.

Die SVP wird «Heimatland» hassen. Was natürlich ein guter PR-Turbo ist ... Bild: contrastfilm

Trailer zu «Heimatland»

Vimeo/CONTRAST FILM

Der Chef einer Versicherungsgesellschaft dreht durch, weil er weiss, wenn sich diese Wolke austobt, geht seine Firma ohne staatliche Unterstützung bankrott. Young-Boys-Fans spinnen noch mehr als sonst. Ein Volk muss in die Luftschutzkeller, der Bund öffnet alle alten Reduits, und auf den Strassen sieht es bald aus wie in Danny Boyles Zombie-Film «28 Days Later». Nur ein paar utopistische Party-People mit Guy-Fawkes-Masken feiern weiter. Eine Frau träumt von Sex, während sich die Wolke entladet. Aus der Innerschweiz wird scharf geschossen, die EU macht die Grenzen dicht. Das volle Boot Schweiz kann sich nicht leeren, bloss hilflos kentern.

Zwei Regisseurinnen und acht Regisseure haben den Film «Heimatland» gemeinsam gedreht, ihr Durchschnittsalter ist 33, sie haben genug. «Wir wollen die Schweiz herausfordern mit diesem Film. Wir wollen nicht einfach abends beim Bier sitzen und darüber reden, was schief gelaufen ist. Wir sind Teil des Problems», sagt Jan Gassmann, einer der zehn. Liefern, nicht über das Leiden an der Heimat lafern.

«Es gibt keine Einzelhelden, die alles retten, es gibt nur ein Kollektiv an Helden. So muss man heute arbeiten.»

Carmen Jaquier, Regisseurin

Als sie vor vier Jahren mit der Arbeit begannen, konnten sie viele kommende Ereignisse noch gar nicht vorhersehen. Damals war gerade die Minarett-Initiative aktuell, sowas wie das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative vom 9. Februar 2014 war für sie noch gar nicht denkbar. Schon damals fühlten sie, dass sich die Schweiz in eine selbstgewählte Isolationshaft begibt. Ihr Rezept dagegen? Das Gegenteil der Isolation. Die Gemeinschaft. Auch wenn die sehr oft sehr unbequem wird.

Und das sind die zehn: Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Mike Scheiwiller, Tobias Noelle, Carmen Jaquier, Benny Jaberg (hinten, von links nach rechts) und Lisa Blatter, Gregor Frei, Lionel Rupp, Jonas Meier (vorne, von links nach rechts). Bild: EPA/KEYSTONE

«Die Amerikaner», sagt Co-Regisseurin Carmen Jaquier, «sind sehr stark darin, nur einen einzigen Helden zu zeigen, der alle rettet. Aber das ist nicht die gesellschaftliche Realität: Es gibt keine Einzelhelden, es gibt nur ein Kollektiv an Helden. So muss man heute arbeiten.» So arbeiten auch die zehn. Inhaltlich und formal. 

Dass es sich dabei nicht um zehn zusammengeschnittene Kurzfilme handelt, verdankt sich ebenfalls dem Kollektiv, das auch gemeinsam beschloss, sich nicht nur einer Geschichte, sondern auch einer Ästhetik unterzuordnen. Drei Kameramänner haben alles gefilmt, ein Schnittmeister hat schliesslich alles in Form gebracht, viele kleine Darlings seien ihm dabei zum Opfer gefallen, sagen die Regisseure. Und zehn Egos. Es hat sich gelohnt.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kronrod 11.08.2015 15:09
    Highlight "Es gibt keine Einzelhelden, es gibt nur ein Kollektiv an Helden. So muss man heute arbeiten." Das klingt eher nach einen Rezept für langweilig.
    8 8 Melden
    • Simone M. 11.08.2015 15:27
      Highlight kein bisschen. ich schwöre.
      12 2 Melden
  • kEINKOmmEnTAR 11.08.2015 14:18
    Highlight Es gibt bis heute nur ein Schweizer Film der danach aussieht, als wenn er Erfolg haben könnte. International. Und zwar ist das Aurora.

    Anbei der Trailer.
    12 0 Melden
    • Simone M. 11.08.2015 16:28
      Highlight Interesting! Und der Regisseur ist echt erst 22?
      4 2 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 12.08.2015 13:42
      Highlight Sieht so aus ja.
      1 0 Melden
  • Luzz 11.08.2015 13:57
    Highlight Der Film klingt sehr vielversprechend und ich werde ihn mir wohl auch anschauen, aber der Trailer ist wieder mal überhaupt nicht ansprechend geraten..
    21 0 Melden
    • Simone M. 11.08.2015 14:09
      Highlight Es ist ja auch erst der allererste Trailer, Geduld! Ich fand ihn eigentlich gar nicht schlecht - bis ich den Film gesehen hatte. They can do better.
      7 1 Melden
    • Manu Gerber 12.08.2015 00:29
      Highlight Hier der aktuelle Trailer:

      https://vimeo.com/135497579
      4 0 Melden
  • Willide 11.08.2015 13:24
    Highlight «Die Amerikaner», sagt Co-Regisseurin Carmen Jaquier, «sind sehr stark darin, nur einen einzigen Helden zu zeigen, der alle rettet.
    Stimmt nicht, auch wenn das aus scheinbar berufenen Munde kommt. Wenn man sich Actionfilme aus Hollywood anschaut, sind es schon seit einiger Zeit Teams, welche die Welt retten. Aber wie so oft, sind uns die Ami's halt einen Schritt voraus und liefern uns die Vorlage. Wir können's dann neu erfinden...!!!
    11 13 Melden
    • Simone M. 11.08.2015 13:36
      Highlight Welche Filme meinst du? Vorurteile werden immer gerne revidiert!
      11 1 Melden
    • Willide 11.08.2015 13:55
      Highlight The Avengers, The Expendables, X-Men, um nur gerade die aktuellen Filme zu nennen!
      8 7 Melden
    • Bruno Bucher 11.08.2015 15:17
      Highlight Fantastic 4, Mission Impossible 1-5, The Maze usw.
      8 1 Melden
    • sven 11.08.2015 15:40
      Highlight und allerallerwichtigstens:
      team america: world police
      12 2 Melden
    • Willide 11.08.2015 16:22
      Highlight ...und was meint Simone M. dazu?
      4 1 Melden
    • Simone M. 11.08.2015 16:30
      Highlight hmmm... ich hab lieber emmerich. alte x-men, okay. aber mit diesen fantastically expendable avenger-teams kann ich echt nicht soviel anfangen. nicht böse sein.
      3 4 Melden
    • Simone M. 11.08.2015 16:33
      Highlight aber dings fand ich super – auch in sachen team: pacific rim! ganz gross!
      6 1 Melden
    • dummi h 12.08.2015 11:30
      Highlight und nicht zu vergessen fast&furios
      0 2 Melden

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Er fotografiert Cara Delevingne oder Clown Pennywise aus «It». Er jettet um die Welt und jobbt für Dior und die «Vogue». Mit 71. Zeit für eine kleine Liebeserklärung. Und einen Dokfilm!

Walti, was ist dein Trick? «Wenn die Leute schön sind, dann gibt’s auch schöne Fotos.» – «Das ist alles?» – «Ja.» Zu den schönen Leuten, mit denen Walter Pfeiffer an einem ganz normalen Tag arbeitet, gehören zum Beispiel Cara Delevingne oder Bill Skarsgard, der Mann unter der Maske von Pennywise in der neuen «It»-Verfilmung. Den hat er grad in London für «Dazed» geshootet. Mit vielen bunten Ballonen. Denn Walters Welt ist bunt, schön und leicht. Entspannte Bilder von happy people.

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