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This image released by Paramount Pictures shows Dwayne Johnson as Hercules in a scene from

Dwayne Johnson als Herkules. Bild: AP Paramount Pictures

Humorloser, goldgeiler Klotz

Die Comic-Verfilmung «Hercules» leidet leider unter unendlicher Mittelmässigkeit 

Und noch mal «Hercules»: Brett Ratners 3D-Spektakel ist schon der zweite grosse Hollywood-Film in diesem Jahr über den mythischen Griechen. Mit einem Halbgott als abgetakeltem Söldner. Es ist computergenerierte Mittelmässigkeit.

04.09.14, 21:11

Daniel Sander / spiegel online

Ein Artikel von

Von den beiden neuen grossen Hollywood-Filmen über den griechischen Halbgott Hercules ist dieser eindeutig der bessere. Aber wer zu den Unglücklichen gehört, die den ersten gesehen haben – Renny Harlins «The Legend of Hercules» – weiss, dass das nicht viel heisst. Denn der hatte den Unterhaltungswert von computergeneriertem Haferschleim und sah auch nicht viel anders aus. Brett Ratners «Hercules» mit Dwayne «The Rock» Johnson sieht dagegen teilweise ganz passabel aus und hat durchaus unterhaltsame Momente, vor allem in den ersten fünf Minuten.

Ändert aber nichts daran, dass auch diesen Film kein Mensch braucht. Um aus der schlecht vermarktbaren Bildungsecke herauszukommen, basiert «Hercules» weniger auf den berühmten griechischen Sagen als auf einer Comic-Buchserie des 2014 verstorbenen Autors Steve Moore.

Was noch nicht problematisch wäre – die grossen Filmstudios weigern sich seit einiger Zeit ohnehin fast vollständig, etwas anderes herauszubringen als Comic-Verfilmungen, und irgendwie muss man dem mutmasslich männlich-pubertären Zielgruppengeschmack gerecht werden. Kann auch Gutes dabei herauskommen, wie gerade erst Marvels spassiger Blockbuster «Guardians of the Galaxy» bewiesen hat. «Hercules» aber ist so kalkuliert, so seelenlos und so frei von Ehrgeiz, dass da für so etwas wie echten Spass überhaupt keinen Platz ist. Hier gibt es die üblichen müden Witze vor und nach jeder im Computer fabrizierten Schlacht. Und sonst nur Ödnis. Beklemmende, graue Ödnis. In 3D.

Gute PR statt echter Heldentaten

Dabei ist die Grundidee der Moore-Comics ziemlich originell, denn sie macht aus dem Halbgott Hercules einen eher abgehalfterten Söldner, dessen ganzer Ruhm auf ausgefuchster Legendenbildung fusst und nicht unbedingt auf tatsächlichen übermenschlichen Fähigkeiten. So werden die berühmten zwölf Aufgaben – wie die Bezwingung des unverwundbaren nemëischen Löwen oder die Tötung der vielköpfigen Hydra – auch im Film nur in Form von Rückblenden erzählt, und zwar aus der Sicht von Hercules' Neffen Iolaus (Reece Ritchie). Der ist in Hercules' Söldner-Truppe für die PR zuständig und versucht bei jeder Gelegenheit, den Mythos um seinen Gebieter mit reichlich Ausschmückungen und Übertreibungen aufzupimpen, um neue Aufträge an Land zu ziehen. 

Hercules wird vom nemëischen Löwen angegriffen.  Bild: screenshot youtube/visotrailers

Hercules ist kein mythischer Superheld, sondern ein humorloser, von vagen Geistern der Vergangenheit geplagter Klotz, dem es nur noch um Gold geht, nicht um Ehre.

Wie geschicktes Marketing schon in der Antike dafür gesorgt hat, dass der Rubel rollt. Spannend. So ungefähr fünf Minuten lang. Dann hat Iolaus die aufregenden Geschichten um Löwen und Schlangenbiester auch schon erzählt, und der echte Hercules taucht auf. Und der ist wirklich kein mythischer Superheld, sondern ein humorloser, von vagen Geistern der Vergangenheit geplagter Klotz, dem es nur noch um Gold geht, nicht um Ehre. So lässt er sich von dem nicht hundertprozentig vertrauenserweckenden Lord Cotys (John Hurt) engagieren, um einen mutmasslich mörderischen Stamm von Wilden auszumerzen, der offenbar das Königreich bedroht. Wobei niemand weiss, wie gnadenlos deren Chef Rhesus (Tobias Santelmann) wirklich ist. Und inwiefern Hercules' Erzfeind König Eurystheus (Joseph Fiennes) in der Sache drinsteckt. Und, ach, egal. 

Wie aus dem Baukasten für Comic-Verfilmungen und Superheldenfilme zum Selbermachen stapelt sich der Film routiniert aus den bewährten Genre-Versatzstücken zusammen: Da gibt es eine unangepasste Helden-Gang wie bei «Guardians of the Galaxy», hyperästhetisierte Schlachtszenen wie aus «300» oder «Krieg der Götter», einen Superhelden ohne echte Superkräfte wie «Batman» oder «Iron Man» (nur ohne deren Persönlichkeit). Eine sexy Kampfamazone (Ingrid Bolsø Berdal), die mit den großen Jungs kämpfen darf wie Scarlett Johanssons Black Widow bei den «Avengers», und der die Kamera im passenden Moment lechzend unter den kurzen Lederrock blicken kann. Für die typischen angestrengt lustigen Sprüche zwischendurch ist der Seher Amphiaraus (Ian McShane) zuständig, der ständig sein eigenes Ableben falsch voraussagt, was einmal wirklich lustig ist, und dann auch wieder nicht mehr.

Das ist alles nicht richtig schlimm. Nicht einmal grauenhaft langweilig. Nur so unendlich mittelmässig, dass es wehtut.



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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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