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Den Oscars droht eine Skandalrede: Macht's Lady Gaga wie Michael Moore und Susanne Sarandon?

Die Oscar-Verleihung ist eine heile Scheinwelt. Doch diesmal drängt sich ein hartes Thema auf: Lady Gaga widmet ihren Song allen Opfern sexueller Gewalt - und der Sängerin Kesha, die um ihre Ehre kämpft.

Marc Pitzke, hollywood



Musician Lady Gaga 
arrives at the 86th Academy Awards in Hollywood, California March 2, 2014.      REUTERS/Adrees Latif (UNITED STATES TAGS: ENTERTAINMENT) (OSCARS-ARRIVALS)

Holt Gaga den Oscar?
Bild: ADREES LATIF/REUTERS

Ein Artikel von

Spiegel Online

Am Hollywood Boulevard ist alles so weit. Der Asphalt ist unter einem 152 Meter langen roten Nylonteppich verschwunden. Dutzende Reporter, die Ladys in Abendgarderobe üben ihre Ansagen, während die Handwerker noch an den riesigen Oscar-Goldstatuen herumpinseln.

Auch drinnen laufen die letzten Proben für Hollywoods grösste Show. Die Bühne des Dolby Theatres hat sich in einen Birkenwald verwandelt. Violinisten sitzen zwischen den Bäumen und geigen, davor steht Lady Gaga: «Til it happens to you», singt sie, «you don't know how it feels.»

Bis es dir passiert, weisst du nicht, wie es sich anfühlt: Der Oscar-nominierte Song «Til It Happens To You», den Lady Gaga gemeinsam mit der Hitkomponistin Diane Warren geschrieben hat, bringt eine ungewohnt harsche Realität in die Glamour-Illusion der Academy Awards. Er stammt aus dem kontroversen Dokumentarfilm «The Hunting Ground» über die «Vergewaltigungsepidemie» an US-Unis.

Dieses Politikum steht im Drehbuch

Das zu thematisieren, im Chiffonkleid vor einem Live-Publikum aus Hollywoodgrössen und Hunderten Millionen Zuschauern, ist gewagt. Die Oscars erleben zwar immer wieder mal hochpolitische Momente, doch meist ungeplant. Dieser Moment dagegen steht im Drehbuch: Vizepräsident Joe Biden will Lady Gaga ansagen und für «It's On Us»* werben, die Kampagne der US-Regierung gegen sexuelle Belästigung.

Trotzdem droht der Auftritt noch dramatischer zu werden: Lady Gaga, so munkeln sie hier, könnte das zurzeit wohl bekannteste angebliche Vergewaltigungsopfer der Entertainment-Branche mit auf die gigantische Oscar-Bühne bringen - Popsängerin und Rapperin Kesha.

Kesha beschuldigt ihren Produzenten Lukasz Gottwald («Dr. Luke»), sie vergewaltigt zu haben, und kämpft seit 2014 dafür, ihren Vertrag mit seinem Sony-Label aufzulösen. Gottwald streitet die Vorwürfe ab. Bis der Fall geklärt ist, darf Kesha keine Songs veröffentlichen.

Zwei Dutzend Prominente haben sich hinter sie gestellt. Zuletzt solidarisierte sich auch Lady Gaga mit Kesha: Auf ihrem Twitter-Profil postete sie ein Foto, das die zwei lächelnd und händchenhaltend zeigt.

Und nun widmet sie Kesha - und allen Opfern sexueller Gewalt - ihren Oscar-Song. Aus eigener Erfahrung: «Es war etwas in meinem Leben, das mich bisher definiert hat.» Komponistin Diane Warren brachte «Til It Happens To You» direkt mit Kesha in Verbindung. «Sie ist so mutig», sagte sie dem Hollywood-Blog «The Wrap» während der Oscar-Proben.

Skandale stören die Scheinwelt der Oscars

Die Ironie daran: Keshas kreatives Gefängnis erinnert an die geradezu erpresserische Macht, die die alten Hollywoodstudios einst über ihre Stars ausübten. Die waren per Knebelverträge an bestimmte Studios und Filme gebunden. Spielten sie nicht mit, wurden sie kaltgestellt.

Sollte Kesha tatsächlich mit auf der Bühne erscheinen, wäre das nicht der erste Skandal, der die Oscar-Illusion durcheinanderwirbelt. Als Hattie McDaniel 1940 als erste Schwarze einen Oscar gewann für «Vom Winde verweht», musste sie von ihrem Katzentisch ganz hinten kommen. Bis heute hängt das Rassenproblem über Hollywood.

Andere Kontroversen, die die heile Scheinwelt der Oscars störten:

Moores legendäre Rede

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YouTube/Oscars

Sarandon und Robbins 1993

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YouTube/Oscars

Diesmal dürfte die Sympathie bei den Opfern liegen. Doch die Oscar-Konkurrenz für Lady Gaga ist hart: Unter anderem sind auch Sam Smiths «Writing's on the Wall» («Spectre») und The Weeknds «Earned It» («Fifty Shades of Grey») nominiert, beide werden sie auch selbst bei der Oscar-Show vortragen. Die transsexuelle Sängerin Anohni hingegen wurde mit ihrem Song «Manta Ray» nicht eingeladen - sie sei zu unbekannt.

Mit Material von AP

Lady Gaga: Mal crazy, mal crazy und mal crazy

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 28.02.2016 21:34
    Highlight Highlight Die sollen doch einfach gut drauf sein und ihre Zeremonie feiern anstatt mit solchen Themen die Stimmung zu versauen. Das mit den Schwarzen hat im Vorfeld schon genug genervt.
  • jazzmessenger 28.02.2016 17:38
    Highlight Highlight dass Anohni fka Antony nicht für ein Performance eingeladen wurde, ist eigentlich kaum zu glauben.

    Gerade im Zusammenhang mit der #OscarsSoWhite-Debatte/der mangelnden Vielfalt, die in diesem Jahr so heiss diskutiert wurde.
  • Kibar Feyzo 28.02.2016 17:35
    Highlight Highlight Ich bin vor allem gespannt auf DiCaprio’s Rede!
    • Mia_san_mia 28.02.2016 21:56
      Highlight Highlight Hoffentlich gibts eine
  • Emperor 28.02.2016 15:52
    Highlight Highlight War das Opfer von Polanski zu wenig berühmt, als dass man sich mit ihm solidarisieren wollte in Hollywood oder woher kommst, dass ein bewiesener Vergewaltiger unterstützt wird, während in einem nicht bewiesenen Fall, das mutmasliche Opfer unterstützt wird... sind wohl doch nicht alle Menschen gleich...

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