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«Ekelhaft, verantwortungslos und gefährlich» – harsche Kritik an Kevin Spacey

US-Schauspieler Kevin Spacey postet eine Entschuldigung für den mutmasslichen Missbrauch eines 14-Jährigen, outet sich zeitgleich als schwul – und muss dafür herbe Kritik einstecken.



Ein Artikel von

Spiegel Online

US-Schauspieler Kevin Spacey hat mit seiner Reaktion auf Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren jede Menge Ärger auf sich gezogen. Etliche Prominente, darunter vor allem Kollegen aus dem Filmgeschäft, verurteilten aufs Schärfste, wie Spacey mit den Vorwürfen umgeht – und vor allem wie er sie mit einem Bekenntnis zu Homosexualität verknüpft hat.

Kevin Spacey impersonates Johnny Carson at the 71st annual Tony Awards on Sunday, June 11, 2017, in New York. (Photo by Michael Zorn/Invision/AP)

D'oh!  Bild: Michael Zorn/Invision/AP/Invision

«Dieses Statement von Kevin Spacey. Nein. Absolut nicht. Nein», schrieb Schauspieler Billy Eichner und reagierte damit auf einen Twitter-Post des 58-Jährigen. Das Statement sei «ekelhaft, verantwortungslos und gefährlich».

Spacey hatte darin auf eine Anschuldigung des Schauspielers Anthony Rapp in einem Interview geantwortet. Demnach hatte Spacey ihn 1986 bei einer Party auf ein Bett gezogen, sich auf ihn gelegt und ihn sexuell bedrängt. Rapp war damals 14 Jahre alt.

Spacey twitterte kurz darauf, er könne sich an den Vorfall «ehrlich nicht erinnern», entschuldige sich aber dafür, sollte er sich wie beschrieben zugetragen haben. Es sei «absolut unangemessenes, betrunkenes Verhalten» gewesen. Gleichzeitig nahm der Schauspieler den Vorfall zum Anlass, sich als «schwul» zu outen: Er habe in seinem Leben Beziehungen zu Männern und Frauen gehabt und nun entschieden, als schwuler Mann zu leben.

Bisher hatte Spacey sein Privat- und Sexleben immer streng abgeschirmt und jedwede Gerüchte darüber unkommentiert gelassen. Dass er sich gerade jetzt outete, finden Kritiker absolut unangemessen. «Kevin Spacey hat gerade etwas erfunden, das es noch nie gegeben hat: einen schlechten Zeitpunkt für ein Coming-out», twitterte Eichner.

US-Schauspieler und Comedian Guy Branum schrieb ironisch: «Der eleganteste Weg, um sich zur Homosexualität zu bekennen, ist ein PR-Nebel, um Menschen davon abzulenken, dass du versucht hast, ein Kind zu missbrauchen.»

Auch US-Schauspielerin Aimee Carrero verurteilte Spaceys Statement: «Kevin Spaceys sexueller Angriff auf einen Minderjährigen hat nichts mit Homosexualität zu tun. Irgendjemand sollte Kevin Spacey das erklären», schrieb sie bei Twitter.

Mehrere Prominente fürchteten, Spaceys Twitter-Post könnte nun Homosexuelle allgemein in Misskredit bringen und in den Köpfen der Menschen für eine verheerende Verknüpfung von Homosexualität und Kindesmissbrauch sorgen. US-Autor Dan Savage, unter anderem bekannt für eine Sex-Kolumne, machte klar: Betrunken oder homosexuell zu sein, biete keinerlei Entschuldigung oder Erklärung dafür, warum jemand einen 14-Jährigen angreife.

Schauspielerin Rose McGowan, die den Skandal um Hollywoodproduzent Harvey Weinstein massgeblich mit ins Rollen gebracht hatte, mahnte: Man solle das Augenmerk auf Anthony Rapp richten. «Seid Stimme der Opfer», schrieb sie.

Nach den ersten Vorwürfen gegen Weinstein wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs hatten sich zahlreiche Frauen mit ähnlichen Beschuldigungen gegen den Produzenten öffentlich zu Wort gemeldet. Seitdem trauen sich auch viele andere Opfer von sexueller Belästigung, an die Öffentlichkeit zu gehen. In der Folge wurden mehrere Männer aus der Filmbranche beschuldigt – und darüber hinaus.

Auch Rapp, der jetzt die Vorwürfe gegen Spacey erhob, fühlte sich im Zuge der Weinstein-Enthüllungen verpflichtet, nun über den Vorfall zu sprechen. Der 46-Jährige sagte in dem Interview, er habe den Vorfall bisher über die Jahrzehnte mit zunehmend ungutem Gefühl mit sich herumgeschleppt und nie wieder mit Spacey darüber gesprochen. (spiegel online / fok)

Die Vorwürfe gegen Kevin Spacey

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Buff Rogene 30.10.2017 20:09
    Highlight Highlight Ich kann's nicht mehr hören...ich stell ab sofort jeden öffentlich an den Pranger, der mir im Leben Schaden zugefügt hat. Mich zum Kutteln essen zwang, mich mit Langeweile traumatisierte, mich ignorierte, mich angetanzt hat - auf Twitter! Weil, das fäget! Was für ein Kindergarten.
  • Zerpheros 30.10.2017 18:01
    Highlight Highlight Man weiss ja nicht, was man von diesem #metoo-Furor halten soll. Wenn man belästigt wird, dokumentiert man das und geht ins Spital oder zur Polizei, aber nicht 30 Jahre später an die Presse und unkt rum. Oder man konfrontiert das Schwein, aber dann gleich, bittschön. Letztlich unterstützt diese schweigende, feige Masse die Täter/-innen, die dann wieder andere zum Opfer machen können. Ich bitte um analogen #Aufschrei.
  • T@Bern 30.10.2017 17:11
    Highlight Highlight "... fühlte sich im Zuge der Weinstein-Enthüllungen verpflichtet..." klingt irgendwie nach "jetzt passt es grad".
    Was war in den ganzen 30 Jahre? Zudem, 30 Jahre später das ganze für beiden Seiten korrekt aufzuarbeiten wird wohl nicht einfach. Den Weg via Öffentlichkeit statt über die Behörden hilft dann auch eher der Opferrolle.
    Sexuelle Belästigung geht gar nicht, auch meine Meinung, aber dieser Fall klingt doch auch ein Bisschen nach Trittbrettfahrer.
  • Hierundjetzt 30.10.2017 16:05
    Highlight Highlight Das sich ein Eichner (wer auch immer das sein mag) so in den Vordergrund drängelt, ist nur noch zum fremdschämen peinlich. Kevin Spacey ging an die Öffentlichkeit, steht zum Fehler und fertig. Dazu brauchts weder ein peinliches Geschrei der B und C-Liga, die jetzt dann auch noch etwas sagen will, imfal.

    Wo war den dieser super Eichner als es um Polansik ging? Oder den Kindsmissbrauch durch De Niro? Eben. Nirgends. Geschwiegen hat er. Also. Klappe zu Eichner!
  • Dr. B. Servisser 30.10.2017 15:32
    Highlight Highlight Der Trick von Spacey scheint zu funktionieren. Anstatt ihn wegen des Vorfalls vor 30 Jahren zu kritisieren, schiessen die Dauerempörten Twitterer auf sein ungeschicktes Outing. Und die Medien ziehen brav mit.
  • Walti Rüdisüli 30.10.2017 15:12
    Highlight Highlight Shitstorm nach shitstorm
  • .:|Caballito de Mantequilla|:. 30.10.2017 15:08
    Highlight Highlight Jetzt heisst es wohl:
    Kevin allein zu Haus!
  • Blutgrätscher 30.10.2017 15:04
    Highlight Highlight Nervt sich sonst noch jemand daran, dass etliche Medienhäuser heutzutage ca. 30 % ihrer Artikel mit solch belanglosen "Was hat ein Random-Twitter-User über eine Random-Nachricht gesagt"-Stories füllen?

    Kann mir jemand erklären wo der journalistische Wert darin liegt, wenn irgendein Praktikant 7 tweets zu einer angeblichen Begebenheit auf einer Party von vor 30 Jahren in einen Artikel kopiert?
    Kann man das nicht einfach selber auf twitter anschauen, wenns einen interessiert?

    Und ja, ich weiss dass ich es einfach nicht lesen kann, wundern tuts mich trotzdem.
    • Pana 30.10.2017 16:44
      Highlight Highlight Finde ich eine berechtigte Kritik. Tweets von relevanten Leuten, oder die irgendwie viral gingen, kann man in einen Artikel integrieren. Aber sich einen Inhalt zusammenzubasteln, indem man einfach random tweets einfügt, ist schwach. Vielleicht nicht der Fall im aktuellen Artikel. Aber hier wurden sogar schon mehrfach Tweets von unbekannten Leuten (ohne likes und retweets) nicht nur inhaltlich sondern auch für Titel benutzt.
    • Hierundjetzt 30.10.2017 16:52
      Highlight Highlight Das ist sicher weiter nicht böse gemeint. In der Schweiz nutzen Twitter mehrheitlich Medienschaffende. Abseits von Europa ist es nur noch der Nahe Osten und eben die USA die "das SMS für alle" nutzen. Auch SRF und der Tagi kommen manchmal mit komplett Unbekannten als Referenz. Ich mein z. B. eine "Meinung" in der SRF-Arena von Menschen die gerade mal 2 Retweets erhalten haben, da habe ich ja auf meinen Katzenbildern mehr likes...

      Und manchmal, das geht uns allen auch so, findet man etwas extrem wichtig, will es allen mitteilen, obwohl es bei näheren Betrachtung komplett unwichtig ist.
  • Mr. Spock 30.10.2017 14:57
    Highlight Highlight Kontext sicher suboptimal für Herrn Spacey. Jedoch finde ich in Zeiten von Fakenews und allgemeiner Lüge seine Offen- und Ehrlichkeit sehr erfrischend und sollte eher geschätzt als von "Kollegen" verunglimpft werden!
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    • palito 30.10.2017 19:02
      Highlight Highlight schliesse mich an. während die 08/15 antwort ein dementi ist, entschuldigt sich kevin spacey und ist bereit, die verantwortung zu übernehmen.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 30.10.2017 14:38
    Highlight Highlight Man stelle sich eine Welt, in der:
    a) Twitter nicht die gefühlt häufigste Quelle für journalistische Arbeit ist. Twitter ist der Inbegriff einer Blase
    b) Opfer von Verbrechen es möglich wäre, direkt zur Polizei zu gehen und nicht 30 Jahre später nicht verifizierbare Anschuldigungen zu machen
    c) Es offensichtlich für jeden ist, dass Homosexuelle oder generel Minderheiten weder Heilige noch kranke Monster sind.
    d) Das Thema sexuelle Gewalt nicht immer nur beim nächsten Twittersturm in den Medien ist und auch mal über gangbare Lösungswege berichtet wird, wie zB Isch d Luisa da?
    • Pinguino24 30.10.2017 17:38
      Highlight Highlight ich gebe dir in vielen punkten recht, aber man darf den zeithorizont des mutmasslichen übergriffs nicht auser acht lassen. Vor 30 jahren waren b und c schlicht noch alles andere als selbstverständlich (leider!). deswegen wohl das späte outing und evtl. auch die erst heute erfolgte anschuldigung von rapp.

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