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Neuer Fall für die Kommissare Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller). Bild: ard

ARD-Sonntagskrimi

Der neue Stuttgart-«Tatort» im Schnellcheck

Die Stille nach dem finalen Rettungsschuss: Lannert muss sich nach einer blutig beendeten Geiselnahme einer Anhörung stellen – und auch der Mutter des Mannes, den er erschossen hat. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte zum neuen «Tatort».

23.11.14, 18:55

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Was ist das Thema?

Der finale Rettungsschuss. Kommissar Lannert (Richy Müller) hat bei einer Geiselnahme im Supermarkt den Geiselnehmer erschossen, jetzt muss er sich einer offiziellen Anhörung stellen, die klären soll, ob der tödliche Schuss angemessen war. Kommissar Bootz (Felix Klare) sagt für den Kollegen aus und verstrickt sich dabei in Widersprüche.

Wie blutig ist die neue Folge?

Nicht so blutig. Die Geiselnahme am Anfang ist heftig, die Wortgefechte während der Anhörung sind zermürbend. Brutal sind hier vor allem die Dialoge und die Stille.

Holm Bielfeldt (Daniel Christensen, l.) hat einen Supermarkt überfallen und den Securitymann (Ralf Beckord) in seine Gewalt gebracht. Bild: ard

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Ja. Über weite Strecken ist dieser «Tatort» eine Reflexion über die spannende Frage, wo die Grenze zwischen angemessener Gewaltanwendung und Willkür verläuft.

Der schönste Auftritt?

Wieder mal Felix Klare als Sebastian Bootz: Die abrupte Trennung von seiner Frau hat der Figur, das mag sadistisch klingen, gutgetan. Wie er hier zwischen leeren Weinflaschen und aufgelösten Idealen nach Haltung ringt, hat was Anrührendes.

Die stärkste Szene?

Lannert wird bei der Frau vorstellig, deren Sohn er erschossen hat. Da steht er und will was sagen, weiss aber nicht was. Da nützt ihm auch nicht die Gewissheit, dass er in der Extremsituation im Supermarkt das einzig Richtige getan hat. Kluges, leises, schmerzhaftes Cop-Kino.

Wer sind die Macher?

Die Drehbuchautoren Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser arbeiten zusammen in der Skript-Schmiede Plotpower, wo sie unter anderem den aufsehenerregenden Afrika-«Tatort» «Blutdiamanten» geschrieben haben. Viele ihrer Krimis besitzen eine journalistische Schärfe. Poser entwickelte für das ZDF auch die Reihe «Stralsund» und die bahnbrechenden «Solo für Schwarz»-Krimis mit Barbara Rudnik. Regisseur Till Endemann arbeitet sich ebenfalls präzise an der Wirklichkeit ab. Zuletzt lief in der ARD sein Gerichtsdrama «Harry Wörz», das von dem vier Jahre zu Unrecht in Haft sitzenden Installateur erzählt.

Und: Können wir das alles glauben?

Ja, einigermassen. Die Zerrissenheit der Polizisten, die laut Kommissar Lannert immer «mit einem Bein im Gefängnis und mit dem anderen auf dem Friedhof stehen», wird plausibel dargestellt.

Lohnt das Einschalten?

Yep. Starker Justizthriller – trotz etwas zu gefälligem Ende.

Und wenn ich mehr über diesen «Tatort» wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!

«Tatort: Eine Frage des Gewissen», Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zoidberg 24.11.2014 02:22
    Highlight seit (sehr) langem wieder mal Tatort gesehen und muss schon sagen das es packend und super gespielt war!

    Aber leider hatte das ganze 2 grosse Logikfehler:

    1. Seit wann können Kriminalbeamte in einem Fall ermitteln indem sie selber vorkommen oder Verdächtige sind... unrealistisch, oder?

    2. Konnten die Beamten nie genau sagen wieso den "Befreiungsschuss" abgeben mussten... obwohl der Geiselnehmer die versuchte Exekution als Countdown untergezählt hatte und das wiederholt in den 1 1/2h auch immer wieder erzählt wurde... naja bin da evt ein bisschen zu genau ;)
    0 0 Melden

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