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Als Kritik am Filmstopp

Bild: JUSTIN LANE/EPA/KEYSTONE

Autor Paulo Coelho will 100'000 Dollar bezahlen, um «The Interview» gratis auszustrahlen

19.12.14, 04:12 19.12.14, 10:18

Nach dem Stopp der Nordkorea-Satire «The Interview» hat der brasilianische Autor Paulo Coelho dem Konzern Sony 100'000 Dollar für die Rechte an dem Film angeboten. Coelho kritisiert mit seiner Aktion, dass mit Terrordrohungen der Stopp eines Films erreicht wird.

«Ich möchte ihn kostenlos in meinem Blog veröffentlichen.»

Paulo Coelho auf Twitter

Er bat in seinem Twitter-Eintrag am Donnerstag die brasilianische Vertretung der Filmproduktionsfirma darum, mit ihm in Kontakt zu treten und stellte für sein Angebot eine Frist bis Freitagmittag (Ortszeit). 

Der Stopp des Films sei ein «furchtbarer Präzedenzfall», sagte Coelho der Zeitung «O Globo». Die Entscheidung von Sony bedeute, «dass die Terroristen gewonnen haben».

Paulo Coelho. Bild: EPA/DPA

Gezwitscher aus Genf

Der Bestseller-Autor Paulo Coelho (zu deutsch: Paul Hase) ist nicht nur auf Papier produktiv. Auch im Kurznachrichtendienst Twitter schreibt er seit 2007 emsig. 28'400 Tweets verfasste der 67-Jährige bislang, 9,68 Millionen Follower hat der Account aus Genf. Im Vergleich zu seinem literarischen Schaffen lesen sich diese Zahlen indes eher bescheiden: Coelhos Bücher wurden in über 80 Sprachen übersetzt und verkauften sich bislang über 150 Millionen Mal. Zum Vergleich: Twitter-Königin Katy Perry hat laut Angaben des Guinness-Buchs der Rekorde vom September rund 60 Millionen Follower. (kad)

Sony hatte die für kommende Woche in den USA geplante Veröffentlichung von «The Interview» nach mysteriösen Terrordrohungen von Hackern abgesagt. Der Konzern reagierte damit auf die Entscheidung mehrerer Kino-Ketten, den Film wegen der Drohungen nicht zu zeigen.

Umfrage

Real existierende Personen im fiktiven Film ermorden lassen – darf man das?

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95 Votes zu: Real existierende Personen im fiktiven Film ermorden lassen – darf man das?

  • 59%Ja, wenn es sich dabei um einen totalitären Herrscher handelt, ist das legitim.
  • 29%Jein, höchstens wenn die Person ausreichend fiktionalisiert ist.
  • 8%Nein, wer sind wir, über Leben und Tod zu richten?
  • 1%Jawohl, Meinungsfreiheit geht über alles.

Fiktives Mordkomplott

Die Hackergruppe Guardians of Peace (GOP) hatte am Dienstag eine ominöse Warnung ausgesprochen und an die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA erinnert. Sony reagierte zunächst nicht öffentlich auf Coelhos Angebot. Zahlreiche Hollywood-Grössen hatten sich bereits enttäuscht über Sonys Entscheid gezeigt.

«Ein trauriger Tag für die Kreativität.» 

Steve Carell

Talkmaster Jimmy Kimmel sprach von einem «unamerikanischen Akt der Feigheit, der terroristische Handlungen bestätigt und einen ungeheuerlichen Präzedenzfall schafft».

«Es ist wirklich schwer zu glauben, dass das die Antwort auf eine Bedrohung der freien Meinungsäusserung hier in Amerika ist.» 

Ben Stiller 

Politik beunruhigt

Der US-Senator John McCain erklärte, die Entscheidung schaffe einen «beunruhigenden Präzedenzfall», der die Täter nur stärke und dazu ermutige, künftig die Cyber-Waffe noch aggressiver einzusetzen. McCains republikanischer Parteikollege Newt Gingrich sprach im Internetdienst Twitter von einer «sehr gefährlichen» Entwicklung.

«Diese Woche haben die USA ihren ersten Cyber-Krieg verloren.»

Newt Gingrich, ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses

In «The Interview» geht es um ein fiktives Mordkomplott des US-Geheimdienstes CIA gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Die USA vermuten das nordkoreanische Regime als Drahtzieher hinter der Attacke auf Sony.

Die umstrittene Szene: Tod des Machthabers.

«The Interview» ist nicht der erste Spielfilm, der sich mit dem Schicksal lebender Personen der Zeitgeschichte auseinandersetzt.

Aufgeblasen: Jerry Haleva als Saddam Hussein in Hot Shots! Part deux (1993). Screenshot

In der US-Parodie «Hot Shots! Part deux» friert Lloyd Bridges als US-Präsident im Zweikampf den irakischen Machthaber Saddam Hussein ein. Dieser zerspringt in tausend Teile, die sich am Cheminée erwärmen und wieder zusammenschmelzen – in Anlehnung an eine Eigenschaft des Bösewichts im Film «The Terminator».

Charlie Chaplin bei seiner Ansprache im Film «The Great Dictator». Bild: AP THE ROY EXPORT COMPANY ESTABLISH

In seinem Satire-Werk «The Great Dictator» aus dem Jahr 1940 demaskiert Charlie Chaplin alias Adenoid Hynkel Diktator Adolf Hitler. (kad/sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • MM 19.12.2014 08:13
    Highlight Warum soll das nur bei "den Bösen" legitim sein (Umfrage)? Und wer entsccheidet über gut und böse?
    5 1 Melden
    • Dareos 19.12.2014 10:55
      Highlight Unsere Medienvertreter! Journalisten und Verlage sind die Meinungsbildner und sagen uns, wer gut ist und wer böse ist. Leider wird diese Meinung dann von vielen Personen einfach direkt übernommen.
      3 2 Melden

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