Film
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Trailer. Video: YouTube/vipmagazin

So wird der neue von-Trier-Film 

«Nymphomaniac II»: Noch länger, noch härter und noch brutaler 

31.03.14, 12:05 31.03.14, 15:33

In der Türkei darf ihn keiner gucken, den Film des dänischen Regisseurs Lars von Trier über unbändige Fantasien und ungebändigte Lust einer Sexsüchtigen. Im deutschsprachigen Raum wollte «Nymphomaniac» dagegen kaum jemand sehen. Gerade mal 11'500 Besucherinnen und Besucher lockte der erste Teil des insgesamt vier Stunden langen Epos seit Februar in die Deutschschweizer Kinos. Auch in Deutschland floppte der Streifen. 

Woran es liegen mag: Scham? Übersättigung? Lustlosigkeit? Fakt ist: Im zweiten Teil, der nun in die Kinos kommt, wird das mit dem Schämen für empfindsame Gemüter nicht weniger. Denn die Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) lässt sich darin beispielsweise an ein Sofa gefesselt den Hintern mit einer Peitsche versohlen. Zwei Fremde streiten in einem Hotelzimmer darum, wie sie die Frau nehmen sollen, die in ihrer sich steigernden Geilheit inzwischen «bis zu zehn sexuelle Befriedigungen am Tag» braucht. 

Geschundene Pobacken und lädierte Gliedmassen

Wie im ersten Teil herrscht kein Mangel an erigierten Penissen und runden Busen – nun kommen geschundene Pobacken und lädierte Gliedmassen dazu. Psychogramm einer Nymphomanin. Kurz zurück zum Anfang, zum ersten Teil: Der Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) sammelt die verprügelte Joe eines Winterabends in einer Gasse auf, nimmt sie mit nach Hause und lauscht fortan ihrer Lebensbeichte. 

Ihre Anekdoten über Samenergüsse nutzt der belesene Eigenbrötler zu philosophischen Ergüssen – und umgekehrt. Ein Präludium von Bach inspiriert Joe zum Vergleich mit ihren Liebhabern: «Drei Stimmen, jede mit eigenem Charakter, aber in kompletter Harmonie». Im bildgewaltigen «Nymphomaniac – Volume II», mit 2:10 Stunden noch einmal 20 Minuten länger als der erste Teil, vollendet Lars von Trier seine künstlerische Collage. Und setzt auf unbehaglich-düstere Weise das Psychogramm einer Sexsüchtigen fort, das er auf sorglosere Art begonnen hatte.

This image released by Magnolia Pictures shows Sophie Kennedy Clark and Stacy Martin in a scene from

Bild: AP/Magnolia Pictures

«Ich liebe meine dreckige, schmutzige Lust»

Wachsende Verzweiflung bei Joe. Wo Joe in Part eins mit einer Freundin in einem Zug auf Männerjagd geht, wird sie in der Fortsetzung von ihrer Sucht zerfressen und treibt immer tiefer in den (auch kriminellen) Abgrund. Alle Versuche, sich von dem Schicksal als Nymphomanin zu lösen, sind zum Scheitern verurteilt: «Ich liebe meine dreckige, schmutzige Lust.» Charlotte Gainsbourg mimt dabei wunderbar intensiv eine hadernde, gierig-verzweifelte Joe, die durchs Leben stolpert und nicht gerettet werden kann. Am Ende fällt ein Schuss. Und doch sagte die Schauspielerin im Interview über ihre Figur: «Da ist für mich ein sehr positiver neuer Start.» 

Während auf der Berlinale im Februar erstmals Lars von Triers eigene, über fünf Stunden lange Hardcore-Version des kompletten Films über die Leinwand lief, bekommen Kinobesucher jetzt den gekürzten zweiten Teil mit weniger, aber immer noch reichlich nackter Haut zu sehen. Wenn sie ihn denn sehen wollen. 

(sim/sda/dpa) 



Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

25 Filmklassiker, die zu gut sind, um sie nur vom Hörensagen zu kennen

Es herrscht ein Missstand in unserer Gesellschaft: Grandiose Filmklassiker, die zwar fast alle kennen, aber von den meisten nie geschaut wurden. Ein Plädoyer für den guten alten Film.

Zeit ist knapp. Nachvollziehbar deshalb, dass das Schauen von Filmen in unserer chronisch verplanten Gesellschaft in den Hintergrund rückt. Darum gibt's viel zu viele Filmklassiker, «die man halt so kennt» und bei denen man mitdiskutieren kann – ohne sie gesehen zu haben. Ein Schelm aber, wer denkt, dass sich das tatsächliche Visionieren dieser Klassiker nicht lohnt. Ich erkläre euch anhand der folgenden Beispiele wieso!

Das Offensichtliche vorweg: Schwarz-Weiss. Liebesromanze. Halt! Filmisch …

Artikel lesen