Food

Straight edge imfall. Voll krass imfall.
Bild: watson/obi

Selbstversuch Runde 3: Vegan ist schon schwierig genug. So richtig, richtig sch****e ist aber vegan UND Straight Edge

15.09.15, 11:14 15.09.15, 11:45

Drei Wochen lang einen auf Trend-Veganer machen, so lautete der Ansatz dieses Experiments. Die erste Woche sollte ich mich ausschliesslich vegetarisch ernähren (nachzulesen hier), die zweite Woche dann vegan (hier der Bericht) und die dritte Woche ... tja, wie könnte man das toppen?

Wie wär's mit ein wenig Detox-Diät oder wie das Ding heisst, das gerne mal in Frauenzeitschriften beworben wird? Keinen Alkohol, zum Beispiel. Soll ja gesund sein. Und keinen Zucker. Das ist sicher förderlich, denn tendenziell isst der Mensch des 21. Jahrhunderts zu viel davon. Und keinen Kaffee! Zu viel Koffein ist ungesund (ich trinke ja bis zu 7 Espressi während eines langen Arbeitstags) – behaupten zumindest etliche vegane Gutmenschenseiten im Internet (hier noch ein Beispiel).

Vegan, kein Alk, kein Zucker, kein Koffein ... hey – ich bin ja STRAIGHT EDGE!

Und deshalb: Aufdrehen! Rumpögen! Hier kommt Minor Threat mit dem 45-Sekunden-Knaller «Straight Edge»!

YouTube/mykelismykel

Straight eeeeeeeeeeeedge! Okay, weshalb nicht? Ich habe in den 90er ja schliesslich genug Hardcore-Konzerte besucht. Mal testen, ob es sich wirklich so krass anfühlt, wie das die krassen Straight-Edge-Typen an den krassen Gigs mir erzählt haben. Los geht's!

Montag

Bild: watson/obi

Dienstag

Bild: watson/obi

ICH HABE KOPFWEH, VERDAMMT.

Seit Montag Morgen.

Ich weiss: Es ist wegen des Koffeins, das mir fehlt. Aber es nervt.

Mittwoch

Bild: watson/obi

ARRRRRGGG! KAFFEEEEE!

gif: giphy

Verdammt. Jetzt, einen Espresso. Das wär's! Schaut mal, wie geil:

Bild: watson/obi

Nein. Es ist soweit. Ich bekomme Hallunzinationen:

Bild: watson/obi/animalsadda

Nur noch vier Tage ...

Donnerstag

Bild: watson/obi

Okay. Können wir mal übers Pupsen reden?

Über die Blähungen? Oder redet man als Veganer nicht darüber? Nach drei Wochen vegetarischer Ernährung lautet nämlich die Bilanz: Verdauung läuft wunderbar. So wunderbar aber, dass der Körper stets schnell und effizient sämtliche Abgase ausstösst – was ja sicherlich gesund, in einem urbanem Arbeitsumfeld aber, sagen wir mal, unruhestiftend ist (nach dem obigen Daal, etwa – meine Fresse...).

gif: ezgif.com

Dauernd hört man von Veganern, wie gesund und wohl sie sich in ihrem tiererzeugnisfreien Körper fühlen. Aber nie was davon, dass sie dauernd mit Gas zu kämpfen haben. Ist das ein Tabu? Oder bloss eine vorübergehende Umstellungsphase eines ehemaligen Karnivoren? 

Freitag

Bild: watson/obi

ICH. BIN. MÜÜÜÜDE!

gif: giphy

Sowas von. Erschöpft. Auf der Schnauze. Hundemüde. Konstant K.O. Und das seit mehr als einer Woche. Dabei schlafe ich genug und habe meinen Lifestyle an sich nicht geändert.

Was soll das? Ist das nur der fehlende Kaffee? Mangelt's mir an Proteinen? Ich mag nicht mehr.

Ach – noch zwei Tage.

Samstag

Bild: watson/obi

Good News: Beschwingt und wohl – auch ohne Alkohol!

Wer hätte das gedacht? Ich hatte bisher keine Probleme, auf Alkohol zu verzichten. Nicht einmal beim Grillfest kam ich in Versuchung. Das sind doch grossartige News!

Kein Alkohol: Kein Problem.

Kein Zucker: Sowieso kein Problem.

Kein Koffein ... ach halt die Schnauze.

Sonntag

Bild: watson/obi

Und, du alter Trend-Veganer? Nach drei Wochen? Wie war's?

Im Ernst mal: Drei Wochen sind eine kurze Zeit. Sämtliche Befunde sind somit alles andere als wissenschaftlich. 

Doch es ging darum, einen Praxistest zu machen, ob eine Umstellung im Alltag praktikabel ist. Kann man Veganer werden, ohne zu einem meditierenden, Yoga praktizierenden, Batteriehühner befreienden Sandalenträger konvertieren zu müssen? (Spoiler: Ja, man kann.)

Und wisst ihr was? Die Erfahrung war grossartig! Die wichtigsten Feststellungen im Schnelldurchlauf:

Vegetarismus (Woche 1)

Easy. Ich würde einen glücklichen Vegetarier abgeben. Zu sehr ernähre ich mich jetzt bereits mediterran-asiatisch, als dass ich stets nach einem Stück Fleisch lechzen würde.  

Woche 1: Tag für Tag, Menu für Menu

Veganismus (Woche 2)

Spannend war es, sich beim Menu planen anstrengen zu müssen. Kreativität war gefragt, was zu einigen leckeren Menus führte. Eher enttäuschend ist der Fleischersatz wie Seitan oder die Produkte, die spezifisch für Veganer vermarktet werden – Quinoa-Tofu-Plätzchen und Konsorten. 

Nervig war auch, dass ich aus Faulheit (und Hunger) vermehrt zu Sachen wie Brot und Chips griff, von denen ich sonst nicht viel esse. Und ja, ich bleibe bei meiner Meinung, dass da eine etwas religiöse Komponente drin ist: Man entscheidet nicht nach seiner Lust, sondern nach selbst auferlegten Regeln. Veganer werde ich nicht so schnell. Ab und zu ein Stück guter Stilton – sorry, das muss sein.

Woche 2: Tag für Tag, Menu für Menu

Straight-Edge-Veganismus (Woche 3)

Das ist ein kompletter Quatsch. Von mir aus kann man auf Fleisch oder Alkohol oder Zucker oder was-weiss-ich verzichten. Aber nicht auf alles aufs Mal! Da kann man sich ja gleich die Kugel geben.

Ach ja, das gab es am Montagabend:

Bild: watson/obi

En Guete, allerseits!

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sven 15.09.2015 21:44
    Highlight da kommt mir eigentlich nur eines in den sinn:
    3 0 Melden
  • Charlie Brown 15.09.2015 16:38
    Highlight Ein wirklich sehr erfrischender Artikel! Du bist mit deinem Schreibstil zur Höchstleistung aufgelaufen. Obs an der Ernährung liegt? ;-)
    24 0 Melden
  • bananablues 15.09.2015 15:55
    Highlight Da hab ich doch glatt Bock auf Gorilla Biscuits bekommen.
    2 1 Melden
  • 's all good, man! 15.09.2015 13:48
    Highlight «Danach fragte ich alle, ob sie meine heissen Nüsse probieren wollten? Haha hihi hoho ach halt die Klappe, Baroni.»

    😂😂😂

    Super Reportage und ein sehr spannender Selbstversuch. Vielen Dank! Genau wegen solchen Geschichten liebe ich watson einfach. 😍

    Vegan UND Straight Edge ist dann schon ziemlich krass. Ich meine, man gewöhnt sich an alles, wohl auch auf Kaffe zu verzichten (brrrr, das will ich mir echt nicht vorstellen!). Ohne Alkohol zu leben war und ist eine extreme Umstellung, aber es geht, man gewöhnt sich wie gesagt daran.

    Also: ein Hoch auf den Kaffe! ☕️
    46 0 Melden
    • Asmodeus 29.09.2015 09:58
      Highlight Das einzige Problem beim Leben ohne Alkohol sind die ganzen Brunzbirnen um einen herum, die nicht verstehen können wieso man keinen Alkohol trinkt.
      21 2 Melden
    • 's all good, man! 29.09.2015 15:40
      Highlight Warst du in den Ferien oder warum gräbt du diesen Artikel nochmals aus? 😀

      Absolut! Die immergleiche Frage «Was? Du trinkst keinen Alkohol? Warum nicht?» beantworte ich mittlerweile mit einem provokativen «Warum nicht? Warum muss immer ich mich erklären, weshalb ich nicht trinke? Sagt mir doch mal, warum IHR immer trinkt!». Die Gesichter und gestammelten Antwortversuche sind jeweils herrlich... 😊
      3 2 Melden
    • Asmodeus 29.09.2015 16:09
      Highlight 1. Ja war ich
      2. Das Thema wurde mir angezeigt nachdem ich einen anderen Beitrag gelesen hatte.

      Watson hat eine interessante Art alte Beiträge unter aktuelle zu knallen :)

      Betreffend Alkohol. Das schönste war, als bei nem Junggesellenabschied der eine mich stockbesoffen angelallt hat.

      "Du trinkssch nüüt. Du bisch nid wiä mirrrrrr"
      Ich war noch niemals so glücklich über ein Kompliment. ;)
      6 3 Melden
  • Max Havelaar 15.09.2015 13:36
    Highlight In Indien soll es ja Yogis geben, die soch ausschliesslich von Sonnenlicht ernähren. Ohne scheiss jetzt...
    16 4 Melden
  • Rosenkohl 15.09.2015 13:01
    Highlight Also da gibt es noch die Variante sich nur noch von Fallobst zu ernähren.
    28 0 Melden
    • obi 15.09.2015 13:51
      Highlight Ja, es heisst 'sterben'.
      72 1 Melden
    • Charlie Brown 15.09.2015 16:36
      Highlight


      16 0 Melden
  • Pfefferminza Viktualia 15.09.2015 12:43
    Highlight Der Bericht ist richtig klasse ! Habe auch die anderen verfolgt. Was ich zuerst mal loswerden muss... Das mit dem Zitronenwasser ist für deine Zähne mal gar keine gute Idee! Und was viele Trendveganer immer noch nicht begriffen haben ist, dass Industriezucker nicht vegan ist, deswegen ist die Vegane Currywurst wirklich ein echter Fail auch ohne Detox! Auch Alkohol, der geklärt wurde vermeiden Veganer an sich generell. Ich habe mich auch sehr lange mit dem Thema Ernährung befasst und muss sagen, ich bleibe bei einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung. Und ohne Kaffee geht gar nix!
    28 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.09.2015 13:34
      Highlight ööhm ... Kaffee ist keine Ernährung sondern ein Genussmittel :-)
      10 10 Melden
    • Jaing 15.09.2015 19:59
      Highlight Meines Wissens ist Schweizer Zucker vegan.
      7 0 Melden
    • Pfefferminza Viktualia 16.09.2015 09:25
      Highlight Ok, ich weiß nur, dass in Deutschland der meiste Industriezucker mit Tierischen Prudukten bearbeitet wird genau wie der meiste geklärte Alkohol. Es gibt Zuckerfirmen, die drauf verzichten aber wenn ich eine Süßigkeit kaufe, von der ich bis auf Zucker erstmal ausgehe, dass sie vegan ist muss zumindest hier in Deutschland der Zucker nicht von einer dieser Firmen sein, die darauf achten, keine tierischen Produkte zu verwenden bei der Herstellung.
      1 0 Melden
  • Eisenhorn 15.09.2015 12:11
    Highlight "Danach fragte ich alle, ob sie meine heissen Nüsse probieren wollten? Haha hihi hoho ach halt die Klappe, Baroni."
    Best part. Danke für den Bericht! Ich bleib bei "alles eine Frage der Menge" und werde weiter Fleisch/Alkohol was auch immer essen und trinken, solange man es nicht übertreibt und sich bewusst ist das man ein Lebewesen isst und Alkohol ein GenussGtränk bleibt.
    51 0 Melden

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