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Gut gemacht!

Ein Restaurant in Florida verbietet seinen Gästen das Ketchup. Warum auch nicht? Wir hätten gar noch ein paar weitere Vorschläge ...

08.09.14, 19:19 09.09.14, 11:04

Der Kunde ist König. Doch wenn der Kunde Ketchup über das perfekt grillierte, raffiniert gewürzte Poulet mit Kräuter-Tartine als Beilage kippen will, dann ist er kein König mehr, sondern ein kulinarischer Barbar. 

Dieser Meinung ist Xavier Duclos, Chef des Mad Fresh Bistro in Fort Myers im US-Bundesstaat Florida. Darum hat er allen Restaurant-Besuchern das Ketchup verboten, die älter als zehn Jahre sind. Seine Begründung: Seine Gäste sollen seinen Kochkünsten vertrauen.

«Ja, wir wissen Bescheid: Die Leute lieben ihr Ketchup. Aber halten Sie sich fest: Wenn Sie älter als zehn Jahre sind, gibt es bei uns für Sie KEIN Ketchup. [...] Wir bitten Sie lediglich darum, dass Sie uns vertrauen.» 

Die Story wurde auf Yahoo mehr als 1700 Mal kommentiert. Dabei halten sich Befürworter und Gegner der Ketchup-Verwendung die Waage. Hier der Kommentar eines Ketchup-Liebhabers, der aber weiss, wann die Würz-Sauce erwünscht ist und wann nicht: 

Verehrte Leserschaft, ich (Ketchup-Liebhaber) stehe hier auf der Seite des Kochs. Klaubt man sich einen Burger oder eine Wurst direkt vom Grill und verspürt Lust, dem Fleisch etwas Ketchup (oder Barbecue-Sauce oder Senf oder Chilisauce oder was auch immer) beizufügen, dann nur zu! Bestellt man aber im Spezialitäten-Restaurant ein Steak mit hausgemachter Kräuterbutter und blanchierten Cime di Rapa mit Olivenöl-Zitronensaft-Dressing als Beilage, hat das Ketchup hier nichts verloren. 

Steak mit Quinoa-Salat aus dem Mad Fresh Bistro. Hier braucht's kein Ketchup. Bild: Mad Fresh Bistro

Soll ein Gericht eine spezifische Geschmackskombination aufweisen, dann soll man jene nicht mit der süss-sauren (und meistens kalten) Tomatendicksauce übertünchen, so die simple Regel.

Und überhaupt! Wenn wir gleich dabei sind, wären da noch ein paar weitere Mödeli, die ein Restaurant seinen Gästen austreiben könnte. Zum Beispiel: 

1. Löffel für Spaghetti 

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In Italien ist man sich einig: Löffel sind für Kinder

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Spaghetti werden mit der Gabel gegessen, basta. Ja, vor langer Zeit einmal benutzten arme süditalienische Bauernfamilien Löffel und Gabel, um sich die Pasta aufzurollen – dies, weil man um den einen gemeinsamen Topf sass und direkt daraus ass (eine interessante Fussnote der Ethnologie, meinetwegen). Bekommen Sie einen Teller vorgesetzt, dann gibt es keinen Grund mehr, einen Löffel zu benutzen.

2. Spaghetti mit Gabel und Messer

Bild: Tinkerlab.com

Spaghetti schneiden? Sind Sie ein Kleinkind? Na also. Werden Sie mal erwachsen!

3. Aromat

Bild: WikiCommons

Diese Streuwürze aus gemahlenen Kuhhörnern und MSG ist quasi das Schweizer Pendant zum Ketchup. Und man glaubt es kaum, aber Mitarbeiter von mitunter eher schicken Restaurants wissen immer wieder davon zu berichten, dass Gäste nach Aromat fragen. Analog wie beim Ketchup, also: Hey, der Koch hat sich etwas bei der Zubereitung dieses Gerichts überlegt; da muss man nicht nachträglich mit TV-Snack-Würze korrigieren. 

4. Rähmli zum Espresso 

Bild: Shutterstock

In einen guten Espresso gehören weder Rahm noch Milch. Anders verhält es sich mit dem Zucker: Mit oder ohne ist reine Geschmackssache ... Und wenn wir gleich dabei sind: 

5. Cappuccino, Latte Macchiato und Co. nach dem Essen 

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Capuccino trinkt man zum Frühstück. Und danach bis spätestens 10:30 Uhr (11 Uhr, wenn man ein Langschläfer ist). Danach gibt es nur noch Caffè, also Espresso. 

6. Cola zu Pasta. Cola zu Pizza. Überhaupt Cola zu mediterranen abendländischen Gerichten

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Wir haben eine Jahrtausend alte Esskultur, welche unter anderem die wunderbare Paarung von Wein mit Hauptmahlzeiten hervorgebracht hat. Das haben bereits die alten Römer so gemacht. Solch schöne Traditionen soll man wahren.  

7. Rindsfilet gut durchgebraten 

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Sie bestellen das 50-fränkige Rindsfilet im Restaurant und wollen, dass jeglicher Saft und alle Zartheit rausgebraten wird? Ach, Sie mögen den Geschmack von halbrohem Fleisch nicht so sehr? Dann kippen Sie doch einfach ein wenig Ketchup drüber! 

8. Handy und Tablet am Tisch 

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Hier komme ich selbst arg in Bedrängnis, betreibe ich doch genüsslich das Hobby, meine täglichen Essgewohnheiten auf dem Web zu dokumentieren. Trotzdem glaube ich, dass jeder Restaurant-Besuch ungemein davon profitiert, wenn Sie ihr Handy in der Tasche lassen. Vielleicht kommen Sie auf diese Weise dazu, mehr mit ihrem Gegenüber zu plaudern; mehr den Geschmack des Gerichts, des Weins, wahrzunehmen. Vielleicht werden Sie danach dazu verleitet, nochmals ein Glas Wein zu bestellen. Oder einen Nachtisch. Oder einen Whisky zum Abschluss. Vielleicht wird der Abend dadurch so richtig, richtig genüsslich!

Nein, solche Verbote wären keineswegs Einschränkungen der Gästewünsche. Sie wären Ansätze, sich dem Genuss ganz hinzugeben.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rondi 09.09.2014 11:11
    Highlight Dass man das Kunstwerk des Kochs nicht verunstaltet, leuchtet ein. Man korrigiert ja auch ein Gemälde nicht mit einem Filzstift. Der Rest ist aber eher Geschmacksache.
    5 0 Melden
  • Negan 09.09.2014 10:06
    Highlight Naja, zum Glück haben wir freie Meinungsäusserung in der Schweiz... Also ich esse WAS ich will, WIE ich will. Ob das irgendjemanden irgendwo stört ist mir so ziemlich (Brat)Wurst (mit Senf).

    Ach ja Herr Baroni, ich hoffe doch stark, dass Sie (Wenn Sie schon der oben aufgeführten Meinung sind), den Reis aber nur mit Stäbchen essen... ;-)
    11 6 Melden
    • obi 11.09.2014 11:10
      Highlight Mache ich tatsächlich so.
      0 0 Melden
    • Negan 11.09.2014 15:21
      Highlight Respekt Herr Baroni. Hätte ich nicht gedacht und glaube ich einfach mal... Stell mir nur gerade vor, wie Sie Zuhause z.B. ein Steak mit Reis essen und immer zwischen Stäbchen und Steakmesser tauschen müssen... ;-)))))

      Aber good luck, jedem das seine...

      Kompliment an Watson und sein Team. Ihr seid glaube ich die einzigen die Ihre Berichte auch kommentieren und sich den Diskussionen stellen. Chapeau!!
      1 0 Melden
  • bonell 09.09.2014 09:16
    Highlight in Italien ist man sich einig, Löffel nur für Kinder? Vielleicht im Norden bis Rom.
    geh mal in den Süden, genau gesagt Sizilien, da lässt sich niemand was vorschreiben - der Löffel gehört da zu den guten Tischmanieren!
    Ich esse meine Späggis NUR mit Löffel :)
    die Pizza mit Besteck, das ist viel eher ein Sakrileg in Italien.
    11 1 Melden
    • obi 11.09.2014 11:14
      Highlight Stimmt: Ich kenne das in der Tat von sizilianischen Freunden, dass man zuhause einen Löffel bekommt - und dann kenne ich andere Sizilianer, die dem widersprechen. Ich nehme an, es verhält sich damit ähnlich wie bei anderen kulinarischen Fragen in Italien: In einem Dorf macht man es auf die eine Weise, ein paar Kilometer weiter auf die andere – und beide schwören beim Leben ihrer Mutter, dass ihre Art die einzig richtige ist. I love it!
      1 0 Melden
  • Luki Bünger 09.09.2014 00:21
    Highlight Da ist die kulinarische Resozialisierung eines Engländers wohl nur teilweise geglückt. Capuccino trinkt man solange nicht, als man noch Zähne und/oder Eier hat. Und beides ist nicht von der Tageszeit abhängig.
    8 3 Melden
    • obi 09.09.2014 08:51
      Highlight Tausendfach in Italien erlebt:
      -"Zwei Caffé und ein Cappuccio für Tisch nummer 5!"
      -"Cappucio? Um 13 Uhr?"
      -"Ja, das sind halt Deutsche."
      -"Ach so, meinetwegen."
      ;-)
      5 0 Melden
  • sewi 08.09.2014 22:46
    Highlight Ich zahle, also bestimme ich. Wie ich mein Essen will, ist mein Problem. Der Koch hat nur eine Existenzberechtgung: mich glücklich zu machen. Ich hab so meine Spleens... Calzone mit Gorgonzole, rösti mit Ketschup.... Etc....
    5 16 Melden
    • obi 09.09.2014 08:49
      Highlight Absolut. Aber ein Chef darf Ihnen die Ketchup verweigern. Und Sie dürfen entscheiden, dieses Restaurant zu meiden. Ich finde, Leute sollten sich nicht alles gefallen lassen - von Kunden- wie von Gäste-Seite her.
      7 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.09.2014 09:08
      Highlight Ein Gourmetrestaurant ist nicht auf Barbaren angewiesen die überall Ketchup oder Aromat draufpappen.

      In einer Dorfknelle sieht das vielleicht ganz anders aus.
      8 2 Melden
    • Negan 11.09.2014 15:52
      Highlight Weshalb um Himmelswillen wird man als Barbar bezeichnet nur weil man einen anderen Geschmack hat????
      2 0 Melden
  • blueberry muffin 08.09.2014 22:33
    Highlight Cola ist eines der wenigen Getränke das man tatsächlich zu essen trinken sollte. Da es so Säurehaltig ist stört es weniger bei der Verdauung, während Wasser, Wein und Co. die Magensäure verdünnen und somit dazu führen das einem das Essen länger aufliegt.

    Und hören sie auf mit den Märchen zu Aromat. Das ist Salz mit Geschmacksverstärker, also Salz + Chemieabfall. Wer Aromat auf Essen wirft kann auch gleich ganz auf Fertig Gerichte umsteigen, frisch zu kochen nur um dann chemische Geschmacksverstärker drauf zu kippen hilft ja nun wirklich gar nichts.
    9 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.09.2014 08:10
      Highlight Glutamat, das im Aromat enthalten ist, wird in Asien im grossen Stil verwendet. Also am besten nicht mehr asiatisch essen gehen. Aromat hat allerdings im Restaurant wirklich nichts verloren. Schweizer die auch in die Ferien ihr Aromat mitnehmen, sind nicht besser als Amis die überall Ketchup draufkippen. Aromat habe ich schon vor Jahren aus meiner Küche verbannt.
      7 2 Melden
    • Negan 11.09.2014 15:55
      Highlight ....aber nochmals... Lasst doch die Leute Ihr Aroma oder ihr Ketchup verwenden wofür sie es wollen. Das hat nichts mit Barbaren oder so zu tun, sondern nur mit verschiedenen Geschmäckern. Jedem das seine...

      Ich verurteile oder lästere ja auch nicht über Leute die Italienische oder französische Autos fahren. Jeder hat sein Geschmack und soll essen oder kaufen was er will!!
      1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.09.2014 20:09
    Highlight Ich verstehe ihn sehr gut. Dass die Amis kulinarische Wildschweine sind dürfte bekannt sein.
    9 1 Melden
    • obi 09.09.2014 08:53
      Highlight Die Amis haben (hätten) eine grossartige Esskultur. Fastfood ist nur ein kleiner Teil davon. Ketchup hat, wie gesagt, durchaus seinen Platz. Aber nicht überall. :-)
      2 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.09.2014 09:02
      Highlight So wie die Engländer? Das ist wirklich auch nur "hätten". Die guten Gerichte bekommt man nur zu Hause bei den Leuten. Auswärts gibts praktisch nur Fastfood auch abseits der grossen Ketten.
      1 1 Melden
    • obi 11.09.2014 11:15
      Highlight Ich habe in Kalifornien, zum Beispiel, meistens grossartig gegessen.
      1 0 Melden
    • Negan 11.09.2014 16:00
      Highlight Also ich reise jedes Jahr in die USA und halte mich im Jahr etwa zwei Monate dort auf. Beruflich sowie Privat. Und ich kann nur jedem der erzählt die Amis hätten keine Kultur, sei es beim Essen oder sonst, raten vielleicht mal dieses Land zu besuchen. Wenn diese Person dann evtl. noch etwas anderes als LA zu sehen bekommt wird sich diese Schweizer Ami-Bashing Meinung plötzlich ändern.
      2 0 Melden
  • goschi 08.09.2014 19:37
    Highlight Punkt 6.
    Nur Alkohol ist genehmigt?
    Wie sieht es für Abstinentler aus?

    Heikle Argumentationslinie, die da aufgefahren wird. ;-)
    9 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.09.2014 21:47
      Highlight Die Abstinenzler dürfen Wasser trinken.
      7 1 Melden
    • goschi 08.09.2014 22:02
      Highlight wie gütig.
      6 0 Melden
    • obi 09.09.2014 08:54
      Highlight Wie war das mit Jesus, Wasser und Wein schon wieder? Bin nicht so Bibel-Sattelfest ...
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    • goschi 09.09.2014 17:43
      Highlight Ich bin Atheist und Abstinentler, tut mir leid, da kann ich bei beiden Themen nicht helfen ;-)
      5 0 Melden
  • simonline 08.09.2014 19:35
    Highlight Auch ganz schlimm und in Amerika verbreitet: Weingläser bis zum Rand gefüllt. Löscht mir ab, auch wenn der Wein gut wäre.
    8 1 Melden
    • Negan 11.09.2014 16:04
      Highlight soso in Amerika verbreitet... nun ich würde halt nicht mehr im Pizza-Hut Wein bestellen. Ansonsten ist diese Aussage meiner Meinung nach erfunden oder beruht auf einem 10 tägigen Touristenurlaub mit einer schlechten Erfahrung. Ich habe noch in keinem Bundesstaat in den letzten 20 Jahren ein Glas Wein bis zum Rand gefüllt erhalten. (Ausser ich war zuhause und leerte den letzten "Schluck" selbst ins Glas). ;-)
      1 1 Melden

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