FragFrauFreitag
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Liebe Kafi. Ich stecke in der Klemme. Eine Bekannte, die ein gleichaltriges Kind wie ich hat, ist erneut schwanger und hat mich angefragt, ob ich Gotte werden würde. Ich bin total überrumpelt, da die Frau keine Freundin von mir ist. Ich mache mehr mit ihr ab, weil die Kinder es gut miteinander haben. Was soll ich tun? Selina, 34

31.01.14, 13:38


Liebe Selina

Ach was bin ich doch froh, dass mein Sohn aus dem Alter raus ist, wo man gemeinsam mit anderen Müttern am Sandkastenrand steht! Gehasst habe ich sie, diese Phase. Es ergeht Ihnen so, wie es wohl allen Frauen ergeht, die ein Kind bekommen. Man geht Zwecksbeziehungen ein. Schliesslich sind die besten Freundinnen selten gleichzeitig schwanger. Und mit jemandem muss man sich ja über die Schwangerschaftsstreifen und die Farbe der Babykacke auslassen.

Das erging mir nicht anders. Ich rutschte in eine Frauengruppe, die sich hochschwanger zum Yoga traf und dort gemeinsam die Heldenstellung andeutete. Danach traf man sich weiter im Park oder spazierte mit Kinderwagen den Uetliberg hinauf und hinunter. Ich hatte das riesengrosse Glück, dass zwei Frauen aus diesem Dunstkreis zu meinen engsten Freundinnen wurden. Bei den anderen dreien wechsle ich eher die Strassenseite, als zum Plaudern stehen zu bleiben. Es mag für die Dauer von ein paar Monaten ja reichen, dass man die kleinen Kinder als einzigen gemeinsamen Nenner hat, für eine längerfristige Freundschaft reicht es aber nicht!

Es mag ja vielleicht altmodisch anmuten, aber für mich ist eine Patenschaft eine ernsthafte Angelegenheit. Und eine fabelhafte auch! Natürlich ist es auch eine grosse Verantwortung, wenn man angefragt wird, ob man Trauzeuge oder ähnliches sein will. Aber da eh jede 2. Ehe geschieden wird, muss man sich über die Langfristigkeit dieses Amts keine Sorgen machen. Das ist bei einer Patenschaft anders. Früher hat man dem Kind Paten zur Seite gestellt, damit es nicht alleine zurückbleibt, wenn den Eltern etwas zustösst. Es war tatsächlich eine Verpflichtung, für das Kind zu sorgen, wenn es einmal nötig würde. Heute würde ein Kind in einer Pflegefamilie platziert, sollte der Flieger mit den Eltern, die mal ohne Kind Urlaub machen wollten, abstürzen. Und dennoch ist es für mich eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe geblieben, die man nicht unüberlegt einfach jemandem anvertraut. Schliesslich geht es darum, eine weitere Bezugsperson fürs Kind zu engagieren. Jemand, dem der picklige Teenie vom ersten missratenen Date erzählen kann, wenn der Zuhörer ein Erwachsener sein soll, aber bitte nicht die Mutti.

Darum würde ich Ihnen zur klaren Ansage in Form einer deutlichen Absage raten. Sagen Sie der Bekannten, dass Sie nicht imstande sind, eine so weitreichende Verpflichtung anzunehmen. Sie dürfen dafür gerne einen weit schweifenden Vortrag halten über die Ernsthaftigkeit dieser Aufgabe und wie sehr ihr eigener Götti, der Ihnen 18 Jahre lang Seifenblasenflüssigkeit schenkte, versagt hat. Ein kleines Trauma Ihrerseits macht Sie weniger attraktiv für werdende Mütter. Meinetwegen dürfen Sie sogar ein paar imaginäre Gottenkinder vorschieben, die bereits Ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

Die meisten Menschen tun sowieso schon viel zu viel aus Höflichkeit und weil es so schampar schwierig ist, eine nett formulierte Anfrage abzusagen. Hier geht es aber um ein Kind, dass jemanden verdient hat, der ehrlich und aufrichtig an ihm interessiert ist. Das sind Sie nicht. Und das ist auch vollkommen ok so.

Mit herzlichem Gruss! Ihre Kafi. 

P.S. Mich sollte man übrigens auch nicht mehr anfragen. Ich habe bereits zwei goldige Gottemeitli und leide noch immer unter dem Trauma, dass mir mein Patenonkel angetan hat, der mir bis zur Volljährigkeit (und darüber hinaus) ausschliesslich Seifenblasenflüssigkeit zu Geburtstag und Weihnachten geschenkt hat. 

Bild:

Kafi Freitag 

Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltags-Fragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.freitagcoaching.ch) und verkauft mit viel Herzblut Hochzeitskleider. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes, wohnt mitten im Zürcher Kreis 4 und versucht, ihren Alltag so vernünftig wie nötig und amüsant wie möglich zu leben. 

Fragen an Frau Freitag?
Mail an: kafi@fragfraufreitag.ch

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Aloha 31.01.2014 15:40
    Highlight So wahr, Frau Freitag!
    7 0 Melden

FRAGFRAUFREITAG

Seit einem Kurztrip nach Deutschland singen unsere Kinder ständig Helene-Fischer-Songs. Muss ich mir nun Sorgen machen? Markus, 47.

Lieber Markus  Atemlos, schwindelfrei, großes Kino für uns zwei? Ja, ich weiss glaubs, was Sie meinen. Dass Sie mit dieser Frage zu einem bekennenden Udo-Jürgens-Fan kommen, freut mich natürlich sehr. Bis vor der Fussball WM kannte ich Helene Fischer ja nur als Wixvorlage des notgeilen Walthers, der in der Ukraine nach seiner Traumfrau sucht, die doch bitte ein bisschen wie die Helene Fischer aussehen sollte. Aber seit dem Deutschen WM Sieg gibt es kein Entrinnen. Helene Fischer …

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