Frankreich

Soziales Brennquartier Seine-Saint-Denis

Lynchjustiz in Paris: Roma-Junge nach Gruppenangriff im Koma 

17.06.14, 14:26 17.06.14, 18:40
The remains of a destroyed Renault garage, which was set on fire overnight in the north eastern Paris suburb of Aulnay sous Bois, Thursday 03 November 2005. A total of 177 vehicles were torched in the department of Seine-Saint-Denis, north of the French capital. French Prime Minister Dominique de Villepin said Thursday a return of order was his government's priority after a seventh consecutive night of rioting in the ghettoes of suburban Paris.  (KEYSTONE/EPA/TRAVERS / LE FLOCH) FRANCE OUT *** Local Caption *** 518930

Das Quartier Seine-Saint-Denis brannte auch bei den Unruhen 2005. Bild: EPA

Nach einem Lynchangriff in einem Pariser Vorort kämpft ein Roma-Junge um sein Leben. Der 16-Jährige liege im Koma, sein Leben sei in Gefahr, hiess es am Dienstag aus Justizkreisen in der französischen Hauptstadt. Er hat mehrere Schädelfrakturen und ist in den Spital Lariboisière in Paris verlegt worden, berichtet Le Monde.

Ein Polizeivertreter sagte, der Jugendliche sei am vergangenen Freitag in einem sozialen Brennpunktviertel im Norden von Paris Seine-Saint-Denis bewusstlos in einem Einkaufswagen gefunden worden. Er sei zuvor von «einem Dutzend» Menschen, die ihn für einen Einbruch in eine Wohnung verantwortlich machten, gewaltsam verschleppt und in einem Keller brutal misshandelt worden.

Seine Mutter alarmierte die Polizei, weil sie ihren Sohn vermisste. Er lebte zusammen mit seiner Familie und anderen Roma in einem Lager rings um ein verlassenes Haus. France24 berichtet, der Junge sei gewaltsam von den Täter aus dem Camp gehohlt worden.

Michel Fourcade, der Bürgermeister der Stadt Pierrefitte-sur-Seine, wo sich der Angriff ereignete, sagte, der Jugendliche sei in den vergangenen Wochen wiederholt von der Polizei wegen Einbrüchen in der Wohnsiedlung befragt worden.

Die Einbrüche sorgten bei den Anwohnern für Ärger. In Frankreich gibt es immer wieder Spannungen mit Gruppen von Roma, die vielfach in illegalen Lagern am Rand von Städten wohnen.

youtube/BFMTV

Roma haben Lager sofort verlassen

Der Anwohner Ion Vardu sagte, die Roma seien vor drei Wochen plötzlich aufgetaucht. Nach dem Angriff auf den Jugendlichen hätten sie aber ihr Lager sofort geräumt. Am Montag lagen an ihrem früheren Wohnort nur noch vereinzelt Kleidungsstücke und Matratzen herum.

Bürgerrechtsgruppen haben immer wieder vor zunehmendem Rassismus gegen die Minderheit gewarnt. Der Vorsitzende des Bezirksrats, Stephane Troussel, verurteilte «ein abscheuliches Verbrechen unter dem Mantel der Rache». Der Staat schulde allen Schutz, «egal wo sie leben oder woher sie stammen».

Staatschef Hollande forderte, dass «alles getan werden» müsse, um die Täter zu finden. Der gewaltsame Angriff widerspreche «allen Prinzipien» der französischen Republik. Auch Premierminister Manuel Valls, der zuvor als Innenminister wegen seiner harten Linie gegenüber Roma mehrfach in der Kritik stand, verurteilte nachdrücklich die Tat. (rar/sda/afp)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 18.06.2014 16:59
    Highlight Bei der Beurteilung dieses Falles dürfen zwei Fakten nicht übergangen werden. Erstens ist das Risiko, durch gewaltbgeisterte Mitbürger ins Koma geprügelt zu werden für einen delinquenten Zigeunerjungen wohl kaum signifikant höher als fur einen tugendhaften U-Bahnfahrer gleich welcher Ethnie.
    Zweitens ist das Gewaltmonopol des Staates uner dem Einfluss einer permissiven Rechtssprechung doch schon längst zu einem sozialromantischen Narrativ mit leicht komischer Note verblasst.
    1 0 Melden
  • Chamudi 17.06.2014 20:48
    Highlight Wenn der Mann tatsächlich Einbrüche verübt hat, ist eine korrekte Tracht Prügel das Richtige. Auch bei uns sollte "Stand your Ground" wieder erlaubt werden. Also wenn ich einen in meinem Haus erwische, dann kann ich adäquat reagieren und eine gute Lösung herbeiführen, ohne dass ich dann ein Problem mit der Justiz habe.
    1 2 Melden
    • Leo Helfenberger 17.06.2014 21:31
      Highlight Ich glaube kaum, dass es adäquat ist, einen 16-jährigen Jungen ins Koma zu prügeln, egal, was er angestellt hat.
      2 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.06.2014 00:08
      Highlight Das Ding hier ist: Ging man denn nur davon aus, dass er eingebrochen war? Um das zu klären brauchts den Staat. Daher verurteile ich Selbstjustiz. Aber Frankreich ist da sowieso ein Thema für sich, bald werden sie dort vereinzelt den Schariastaat (Gemeinde, Banlieu) ausrufen...
      0 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.06.2014 00:11
      Highlight Bezüglich Stand-Your-Ground: Da bin ich dafür. Wenn einer in mein Haus einbricht, wird er mit 9mm Mun. empfangen.
      1 1 Melden
    • andybelle 18.06.2014 01:53
      Highlight Sie haben wohl nicht mehr alle Sinne beieinander? Ich bin sprachlos, entsetzt und kann mir eine solch desolate Grundeinstellung kaum erklären!
      0 1 Melden

Dümmste Flanke der Fussball-Geschichte kostet Frankreich in letzter Sekunde die WM-Quali

17. November 1993: Die Flüge an die WM in den USA hat der französische Verband wahrscheinlich bereits organisiert, als «Les Bleus» die Qualifikation tatsächlich noch verpassen. Einer Blamage gegen Israel folgt ein 1:2 gegen Bulgarien und ein Streit, der die Franzosen noch heute beschäftigt.

«Mein ganzes Leben wird auf zehn Sekunden reduziert.» David Ginola hadert noch heute mit einer einzigen Szene seiner langen Karriere. Am 17. November 1993, einem kühlen Mittwochabend, steht Frankreich unmittelbar vor der Qualifikation für die WM 1994 in den USA.

Nur noch Sekunden sind gegen Bulgarien zu spielen. Es steht 1:1 und dieser eine Punkt würde den Franzosen reichen.

Was dann geschieht, verfolgt Ginola, die ganze Mannschaft, Trainer Gérard Houiller, die 48'402 Zuschauer im Parc des …

Artikel lesen