Frankreich

«Das ist eine Verhöhnung der Opfer» – Airbus-Chef rechnet nach Germanwings-Absturz mit Talkshows ab

Er kann die selbst ernannten Experten nicht mehr hören: Airbus-Chef Tom Enders kritisiert die TV-Gesprächsrunden zum Germanwings-Absturz mit deftigen Worten. Das Gerede sei eine Verhöhnung der Opfer.

29.03.15, 09:29

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Der Vorstandschef von Airbus, Tom Enders, hat scharfe Kritik an den Fernsehgesprächsrunden über den Absturz des Germanwings-Flugzeugs geübt. «Was wir kritisch hinterfragen sollten, ist das Unwesen, das manche ‹Experten› vor allem in TV-Talkshows treiben», sagte Enders der «Bild am Sonntag». «Teilweise wurde dort ohne Fakten spekuliert, fantasiert und gelogen», sagte er. «Oft hanebüchener Unsinn. Das ist eine Verhöhnung der Opfer.»

Airbus-Chef Enders: «Hanebüchener Unsinn». Bild: TOBIAS HASE/EPA/KEYSTONE

Der Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord war am Dienstag in den französischen Alpen an einer Felswand zerschellt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler wurde der Absturz vom Co-Piloten bewusst herbeigeführt. «Piloten verdienen auch weiter unser Vertrauen», sagte Enders. «Ein schwarzes Schaf macht noch keine Herde.» Piloten seien in der Regel «sehr zuverlässig» und «erstklassig ausgebildet».

Die Gedenkstätte in der Nähe der Absturzstelle. Bild: Claude Paris/AP/KEYSTONE

Am Absturzort sind laut «BamS» inzwischen Leichenteile des Co-Piloten Andreas Lubitz entdeckt worden. Die Identifizierung der sterblichen Überreste sei durch einen DNA-Abgleich erfolgt, meldet die Zeitung unter Berufung auf französische Ermittler. Dies wurde bislang nicht bestätigt.

Gottesdienst im Kölner Dom

Die Ermittler suchen weiter nach dem zweiten Flugschreiber. Solange dieser nicht gefunden ist, wollen sie auch die Möglichkeit eines technischen Defekts nicht ausschliessen. «Derzeit kann die Hypothese eines technischen Fehlers nicht ausgeschlossen werden», sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, dem französischen Sender BFMTV. Die Ermittlungen gingen voran, es fehlten aber noch «technische Details».

Am 17. April soll im Kölner Dom mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer des Flugzeugabsturzes mit 150 Toten vom Dienstag gedacht werden. Erwartet werden dazu neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern, aus denen die Opfer der Flugkatastrophe stammten. (ler/AFP/dpa)

Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 29.03.2015 14:36
    Highlight Ich verstehe nicht, wieso sich der Vorstandschef von Airbus, Tom Enders, überhaupt äussert. Es geht doch zu 100% um ein Problem bei Germanwings. Der verunglückte Airbus war doch nach heutigem Wissen technisch soweit in Ordnung wie alle anderen x - tausend herumfliegenden A320.
    4 11 Melden
  • Zeit_Genosse 29.03.2015 13:21
    Highlight Gerade bei Onlinemedien zählt Geschwindigkeit. Da liegt es nahe, dass man unter Termindruck die Quellen nicht mehr referenziert. Gerade weniger erfahrene Medienschaffende suchen sich im Netz ihre Geschichten zusammen und kopieren andere Medien. So lernen Enten gallopieren.
    18 3 Melden
  • nimmersatt 29.03.2015 12:41
    Highlight An seiner Kritik ist sicherlich nichts auszusetzen. Nur orientieren sich seine Motive wohl auch nicht gerade an den Interessen der Angehörigen. Viel mehr wird es ihm darum gehen, seine Marke 'Germanwings' vor konstant schlechter Publicity zu schützen, da jede Nennung, jede Bezugnahme eine Konnotation mit dem Unglück und somit das Gegenteil von Werbung darstellt.
    6 11 Melden
    • John_Doe 29.03.2015 14:17
      Highlight 'Seine' Marke ist Airbus - was natürlich am Grundmotiv nichts ändert.
      Dennoch ist es bedenklich, wie gewisse Medien auf dem Altar der schnellen Klicks und reisserischen Headlines die journalistische Sorgfaltspflicht opfern.
      20 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 29.03.2015 10:19
    Highlight Es ist schon so, manche Medienleute sind sich der Verantwortung gegenüber den Menschen gar nicht bewusst. Neuestes Beispiel war die Veröffentlichung eines Bildes eines anderen Andreas, notabene mit anderem Familienname. Dieser wurde aufgrund eines Twitter-Bildes als Todespilot bezeichnet. Da wird einfach nur "gepfuscht" und auf "Teufel komm raus" eine Reportage zusammengebastelt.
    39 1 Melden

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