Frankreich
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Paradies mit Patina: Frankreichs verblasster Massentourismus 

Es sollte das Urlaubsparadies für jedermann werden. Vor 50 Jahren pflasterten Architekten Frankreichs Südküste mit Ferienorten aus der Retorte zu. Der Fotograf Shane Lynam zeigt den verblichenen Charme.

10.04.16, 15:24 10.04.16, 20:26

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Ein Ferienhaus in Südfrankreich. Ein Traum. Doch als Shane Lynams Eltern 2003 ein Apartment im Languedoc-Roussillon kauften, war der gebürtige Ire enttäuscht. Der Ort erinnerte kaum an die für das liebliche Südfrankreich so typischen Küstendörfer. Hohe Hotels, heruntergekommene Freizeitparks und viel Beton säumen hier das Ufer des Mittelmeers.

Heute kann man sich kaum vorstellen, dass die Küste zwischen Montpellier und Perpignan in den Fünfzigerjahren da lag wie eine ungeschliffene Perle. Nur wenige Menschen kamen an die wilden Sandstrände. Weil oft ein starker Wind wehte und weil es kaum touristische Angebote gab.

50 Mal Hochsaison

Zumindest Letzteres wollte Frankreichs damaliger Präsident Charles de Gaulle ändern – und plante, diesen Streifen Land komplett mit Ferienresorts zu bebauen. Er brachte 1963 die sogenannte «Mission Racine» an den Start, benannt nach dem Politiker Pierre Racine.

Als Kopf des touristischen Kommerzialisierungskommandos war er verantwortlich für Retortenstädte wie La Grande-Motte, Port Leucate und Gruissan, die komplett aus dem Nichts entstanden und heute wie deplatziert das Meer bewachen. Rund 50 Jahre nach ihrem Bau hat der irische Fotograf Shane Lynam ein über Jahre verfolgtes Fotoprojekt präsentiert, das die Ergebnisse der Racine-Mission zeigt - schonungslos, aber nicht spöttisch. Er nannte es «50 High Seasons», 50 Mal Hochsaison.

Südfrankreichs bröckelnde Betonküste

Ausdrückliches Ziel des politischen Plans war es, die Touristenströme von spanischen Badeorten hierhin umzuleiten und die Sommerferien für jedermann erschwinglich zu machen. Im Süden Frankreichs sollte ein Gegengewicht zum Luxus der teuren Côte d'Azur geschaffen werden. An der Französischen Riviera – in Städten wie Monaco, Nizza und Cannes – waren die Architekten schon durchgefegt. Nun sollten sie sich massentaugliche Konzepte für das Languedoc-Roussillon ausdenken.

Pyramiden des Mittelmeers

Fotograf Shane Lynam.
bild: shane lynam

An Promenaden und in künstlichen Häfen entstanden unendlich viele einfallslose Betonklötze, vereinzelt aber auch verspielte Gebäude, die wie moderne Pyramiden oder halbierte Diskusscheiben aussehen. Manche von ihnen wirken so retro-futuristisch, dass sie heute schon wieder ihre Fans finden würden.

«Heute, 50 Jahre später, ist nicht zu übersehen, dass die Infrastruktur in die Jahre gekommen ist», sagt der Fotograf. «Doch man spürt noch immer, dass die Orte den Bedürfnissen der Urlauber gerecht werden.» In letzter Zeit habe es in der Ferienregion sogar einen Modernisierungstrend gegeben.

Trostlos und erfolgreich

Lynam ist mit seiner Kamera zwischen 2010 und 2015 immer wieder durch die Resorts in dieser Gegend gereist. Ihm gelang es, die Trostlosigkeit von Retortenstädtchen wie Port-Bacarès einzufangen und zugleich zu zeigen, dass das Konzept erfolgreich war.

Seine Bilder zeigen nicht nur verlassene Wohnwagen und heruntergekommene Hotels, sondern auch Familien, die mit Kind und Kegel und Gummiboot in diesen Teil von Südfrankreich reisen, um sich hier zu vergnügen. Seit 2013 zieht ein Elektrofestival rund 80'000 junge Musikfans aus dem ganzen Land an.

Inzwischen fühlt sich Lynam mit diesem nicht überall malerisch schönen Teil von Südfrankreich tief verbunden. «Nach zwölf Jahren, in denen ich die Orte besucht habe, bin ich ein Teil dieser Landschaft», sagt er.

Die Fotografien von Shane Lynam werden im April im Fotohof in Salzburg ausgestellt.

jus

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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