Frankreich
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Mit Sarkozy kommt auch seine Gattin Carla Bruni wieder ins Scheinwerferlicht. Bild: IAN LANGSDON/EPA/KEYSTONE

Neuer UMP-Chef Sarkozy

Comeback mit Kratzern

Nicolas Sarkozy übernimmt die Spitze der konservativen UMP, es ist der erste Schritt auf dem Weg zurück in den Élysée. Für den erhofften ganz grossen Triumph hat es indes nicht gereicht.

30.11.14, 07:40

Stefan Simons, Paris / Spiegel Online

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Die Franzosen kennen das - die selbstsichere Siegerpose, das Bekenntnis zum Aufbruch, die gönnerhafte Verbeugung vor den Fans. Er ist wieder da: Nicolas Sarkozy. Zwei Jahre nach seiner Schlappe bei der Präsidentschaftswahl meldet sich der quirlige Konservative zurück. Auch wenn es nicht zum ganz grossen Sieg gereicht hat.

64,5 Prozent der UMP-Mitglieder stimmten bei der Wahl des neuen Parteichefs für Sarkozy - kein Glanzergebnis also. Dennoch reichte es gegen seine Rivalen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister und Diplomat Bruno Le Maire, 45, erhielt knapp 30 Prozent. Der 1958 in Algier geborene Politiker Hervé Mariton landete abgeschlagen bei gut 6 Prozent.

Sarkozy hat grosses vor. Bild: POOL/REUTERS

Sarkozy dürfte es nicht stören, er hat grosses im Visier. Nach der Parteiführung zielt er auf den Sieg bei der offenen Kandidatenkür 2016. Es wäre der Auftakt zum Wiedereinzug in den Élysée ein Jahr später und damit die überfällige Revanche für die Niederlage gegen den amtierenden François Hollande.

Einfach wird das Comeback nicht. Sarkozy schleppt eine Menge juristischen Ballasts mit sich. Die Daueraffäre «Bygmalion», jener Skandal um illegale Praktiken bei der Wahlkampffinanzierung, hat Sarkozys Glaubwürdigkeit erschüttert. Selbst unter Anhängern des rechts-bürgerlichen Lagers ist sein Ruf nicht der beste.

Tatsächlich hatte sich Sarkozy bei der Abstimmung der 268'000 UMP-Mitglieder mehr ausgerechnet. Seine Freunde hatten auf mindestens 70 oder gar 80 Prozent gehofft. Ausgebremst wurde der Kandidat vor allem von Ex-Minister Le Maire. Der Vertreter der jungen Generation erzielte ein überraschend gutes Ergebnis - ein Beleg dafür, wie gross das Misstrauen gegen den «Patron» Sarkozy in der Partei ist.

Dessen stärkster Trumpf bleibt seine Kämpfernatur. Bei knapp zwei Dutzend Auftritten hat Sarkozy den Fans die Show geboten, die sie wollten. Mal als Talkmaster im Kreuzverhör, mal als wortgewaltiger Redner, der vergessen liess, dass er vor zweieinhalb Jahren den «endgültigen Rückzug» aus der Politik angekündigt hatte.

Vergessen und vorbei - Sarkozy empfiehlt sich als «neue politische Alternative», als einziger Kandidat, der gegen den erstarkenden rechtsextremen Front National oder die Linken bestehen kann.

Front national-Politikerin Marine LePen Bild: Laurent Cipriani/AP/KEYSTONE

Doch ausser grossen Ambitionen hat der Ex-Hausherr des Élysée programmatisch eben nicht viel zu bieten: Kritik an der Zuwanderung («Die schlimmste Pleite seit 30 Jahren»), Kampf gegen den radikalen Islamismus; dazu die Forderungen nach späterer Rente, dem Ende der 35-Stundenwoche und mehr wirtschaftlicher Deregulierung.

Die Liste seiner Vorschläge, untermalt vom hohen Lied auf die Republik, liest sich streckenweit wie ein Wiederaufguss der Wahlprogramme von 2007 und 2012. Und wenn Sarkozy wie im Fall der Homo-Ehe unter Druck aufgebrachter Zuhörer die Aufhebung des umstrittenen Gesetzes versprach, erschien das als billiges Zugeständnis an extremistische Wähler.

Auch im Stil hat er sich nicht verändert. Aggressiv, ironisch ist die Wortwahl. Beissend wie immer sind auch seine Kommentare über die politischen Gegner: Ausfälle gegen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, sarkastische Bemerkungen über Najat Vallaud-Belkacem, zuständig für Erziehung, und immer wieder Spott und Hohn für Nachfolger Hollande.

Kriegt von Sarkozy sein Fett ab: Präsident Hollande  Bild: POOL/REUTERS

Und dann sind da noch seine Attacken gegen die innerparteilichen Rivalen. Seinen Ex-Premier François Fillon habe er «aus der Gosse gezogen». Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux und laut Umfragen sein populärster Gegenspieler, verhöhnte er als überaltertes Auslaufmodel.

Das passt nicht zum Anspruch Sarkozys, der sich geläutert gibt, bekehrt zu neuer Bescheidenheit. «Jetzt ist die Zeit für kollektives Handeln, für das Zusammenrücken der politischen Familie», verkündete er nun. Er brauche alle an seiner Seite. Innerhalb der Partei sei er eigentlich «ohne Gegner».

Vorerst vielleicht. Denn auch wenn Sarkozy unter seinen Fans als «Mann der Vorsehung» gerühmt wird, hat sein Ruf als Heilsbringer unter den rechten Wählern gelitten. Beim Comeback steht der Politiker vor seiner vielleicht schwierigsten Aufgabe - der Neuerfindung von Person und Charakter.



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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