Frankreich
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04508934 Nicolas Sarkozy (C), former French President and candidate for the leadership of the French political party UMP (Union pour un Mouvement Populaire - Union for a Popular Movement), and wife Carla Bruni-Sarkozy (R) arrive at his campaign headquarters to celebrate his victory, in Paris, France, 29 November 2014. Sarkozy was elected leader of his UMP party as he mounts a comeback and seeks to retake the French presidency in 2017. He won 65.4 per cent of the votes in the party vote, 10 years after his first election to the UMP's top post.  EPA/IAN LANGSDON

Mit Sarkozy kommt auch seine Gattin Carla Bruni wieder ins Scheinwerferlicht. Bild: IAN LANGSDON/EPA/KEYSTONE

Neuer UMP-Chef Sarkozy

Comeback mit Kratzern

Nicolas Sarkozy übernimmt die Spitze der konservativen UMP, es ist der erste Schritt auf dem Weg zurück in den Élysée. Für den erhofften ganz grossen Triumph hat es indes nicht gereicht.

Stefan Simons, Paris / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Franzosen kennen das - die selbstsichere Siegerpose, das Bekenntnis zum Aufbruch, die gönnerhafte Verbeugung vor den Fans. Er ist wieder da: Nicolas Sarkozy. Zwei Jahre nach seiner Schlappe bei der Präsidentschaftswahl meldet sich der quirlige Konservative zurück. Auch wenn es nicht zum ganz grossen Sieg gereicht hat.

64,5 Prozent der UMP-Mitglieder stimmten bei der Wahl des neuen Parteichefs für Sarkozy - kein Glanzergebnis also. Dennoch reichte es gegen seine Rivalen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister und Diplomat Bruno Le Maire, 45, erhielt knapp 30 Prozent. Der 1958 in Algier geborene Politiker Hervé Mariton landete abgeschlagen bei gut 6 Prozent.

Former French President Nicolas Sarkozy waves as he leaves after casting his electronic vote in the conservative UMP political party elections at one of the party's local bureau's in Paris, November 29, 2014. Members of the French UMP (Union for a Popular Movement) conservative party vote electronically until Saturday evening to elect their new party head.        REUTERS/Ian Langsdon/Pool (FRANCE  - Tags: POLITICS ELECTIONS)

Sarkozy hat grosses vor. Bild: POOL/REUTERS

Sarkozy dürfte es nicht stören, er hat grosses im Visier. Nach der Parteiführung zielt er auf den Sieg bei der offenen Kandidatenkür 2016. Es wäre der Auftakt zum Wiedereinzug in den Élysée ein Jahr später und damit die überfällige Revanche für die Niederlage gegen den amtierenden François Hollande.

Einfach wird das Comeback nicht. Sarkozy schleppt eine Menge juristischen Ballasts mit sich. Die Daueraffäre «Bygmalion», jener Skandal um illegale Praktiken bei der Wahlkampffinanzierung, hat Sarkozys Glaubwürdigkeit erschüttert. Selbst unter Anhängern des rechts-bürgerlichen Lagers ist sein Ruf nicht der beste.

Tatsächlich hatte sich Sarkozy bei der Abstimmung der 268'000 UMP-Mitglieder mehr ausgerechnet. Seine Freunde hatten auf mindestens 70 oder gar 80 Prozent gehofft. Ausgebremst wurde der Kandidat vor allem von Ex-Minister Le Maire. Der Vertreter der jungen Generation erzielte ein überraschend gutes Ergebnis - ein Beleg dafür, wie gross das Misstrauen gegen den «Patron» Sarkozy in der Partei ist.

Dessen stärkster Trumpf bleibt seine Kämpfernatur. Bei knapp zwei Dutzend Auftritten hat Sarkozy den Fans die Show geboten, die sie wollten. Mal als Talkmaster im Kreuzverhör, mal als wortgewaltiger Redner, der vergessen liess, dass er vor zweieinhalb Jahren den «endgültigen Rückzug» aus der Politik angekündigt hatte.

Vergessen und vorbei - Sarkozy empfiehlt sich als «neue politische Alternative», als einziger Kandidat, der gegen den erstarkenden rechtsextremen Front National oder die Linken bestehen kann.

French far-right Front National leader Marine Le Pen delivers a speech during a press conference as part of the 15th congress of the party, in Lyon, central France, Saturday, Nov. 29, 2014. Marine Le Pen is eyeing French presidential elections in 2017 and has worked to scrub the stigma from the far-right anti-immigration party,  which is now a rising political force in France. But tensions have risen between Marine Le Pen and her father, Jean-Marie Le Pen, who led the National Front for nearly four decades and has been convicted of racism and anti-Semitism, as the new leadership seeks an image change. (AP Photo/Laurent Cipriani)

Front national-Politikerin Marine LePen Bild: Laurent Cipriani/AP/KEYSTONE

Doch ausser grossen Ambitionen hat der Ex-Hausherr des Élysée programmatisch eben nicht viel zu bieten: Kritik an der Zuwanderung («Die schlimmste Pleite seit 30 Jahren»), Kampf gegen den radikalen Islamismus; dazu die Forderungen nach späterer Rente, dem Ende der 35-Stundenwoche und mehr wirtschaftlicher Deregulierung.

Die Liste seiner Vorschläge, untermalt vom hohen Lied auf die Republik, liest sich streckenweit wie ein Wiederaufguss der Wahlprogramme von 2007 und 2012. Und wenn Sarkozy wie im Fall der Homo-Ehe unter Druck aufgebrachter Zuhörer die Aufhebung des umstrittenen Gesetzes versprach, erschien das als billiges Zugeständnis an extremistische Wähler.

Auch im Stil hat er sich nicht verändert. Aggressiv, ironisch ist die Wortwahl. Beissend wie immer sind auch seine Kommentare über die politischen Gegner: Ausfälle gegen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, sarkastische Bemerkungen über Najat Vallaud-Belkacem, zuständig für Erziehung, und immer wieder Spott und Hohn für Nachfolger Hollande.

French  President Francois Hollande pays tribute at the tomb of Leopold Sedar Senghor, a former president of Senegal, at a cemetery in Bel Air, near Dakar, November 29, 2014. French President Hollande warned African leaders at the 15th Francophone Summit on Saturday against trying to hang on to power, praising peaceful political transitions in Burkina Faso and Tunisia as positive examples to the continent.       REUTERS/Alain Jocard/Pool (SENEGAL  - Tags: POLITICS)

Kriegt von Sarkozy sein Fett ab: Präsident Hollande  Bild: POOL/REUTERS

Und dann sind da noch seine Attacken gegen die innerparteilichen Rivalen. Seinen Ex-Premier François Fillon habe er «aus der Gosse gezogen». Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux und laut Umfragen sein populärster Gegenspieler, verhöhnte er als überaltertes Auslaufmodel.

Das passt nicht zum Anspruch Sarkozys, der sich geläutert gibt, bekehrt zu neuer Bescheidenheit. «Jetzt ist die Zeit für kollektives Handeln, für das Zusammenrücken der politischen Familie», verkündete er nun. Er brauche alle an seiner Seite. Innerhalb der Partei sei er eigentlich «ohne Gegner».

Vorerst vielleicht. Denn auch wenn Sarkozy unter seinen Fans als «Mann der Vorsehung» gerühmt wird, hat sein Ruf als Heilsbringer unter den rechten Wählern gelitten. Beim Comeback steht der Politiker vor seiner vielleicht schwierigsten Aufgabe - der Neuerfindung von Person und Charakter.



Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

Mitglieder der Revolutionären Jugend Bern schreiben auf Facebook, sie hätten sich in Paris ein Bild der Bewegung machen können, das «sehr positiv und motivierend» ausfalle. Darunter publizieren sie ein Foto eines brennenden Autos. 

Auch die Zürcher Sektion der Bewegung berichtet von …

Artikel lesen
Link to Article