Frankreich
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Nicolas Sarkozy ist zurück auf der grossen Bühne. Bild: CHRISTIAN HARTMANN/REUTERS

Frankreich rückt nach rechts: Zweite Chance für «Monsieur Bling-Bling» bei Départementswahlen

Frankreichs rechtsextreme Front National eroberte im zweiten Wahlgang kein Département. Dafür triumphierte das konservativ-bürgerliche Lager um Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy. Jetzt setzt der UMP-Chef alles auf seine Rückkehr in den Élysée-Palast.

29.03.15, 23:31 30.03.15, 08:52

Stefan Simons



Ein Artikel von

Die Pose war präsidial, das Triumphgefühl deutlich wahrnehmbar: «Sarkozy, Sarkozy», skandieren jubelnde Anhänger als der UMP-Chef am Abend in Paris vor die Kameras tritt. «Noch nie in der Geschichte der fünften Republik hat unsere politische Familie einen solchen Erfolg in den Départements erreicht», sagt der UMP-Boss und verteilt Lob an «alle die daran mitgearbeitet haben.»

Dennoch ist klar: Nicolas Sarkozy feiert den landesweiten Zugewinn der Konservativen beim zweiten Durchgang der Départementwahlen als seinen ganz persönlichen Erfolg. Und betont: «Dieser Sieg hat mehr als lokale Bedeutung.»

Zwar gab nur die Hälfte der 40 Millionen Wahlbeteiligten ihre Stimme ab. Und es geht auch nur um den Erfolg in 101 Gebietskörperschaften, die den deutschen Landkreisen vergleichbar sind – lokale Räte sind ohne grossen politischen Einfluss. Dennoch erlebt Frankreich den Auftakt zu einer Wende:

- Die regierende Sozialistische Partei (PS) verliert über die die Hälfte ihrer 61 Départements.

- Der Front National (FN) gewinnt eine beachtliche Zahl von Ratsposten, aber kein Département. Marine Le Pen sieht ihre Formation dennoch optimistisch «auf dem Weg zur Macht.»

- Das Wahlbündnis UMP/UMI erreicht in weit mehr als 60 Départements eine Umkehr der Mehrheiten an der Basis.

Am Abend spricht Sarkozy staatstragend von einem Aufbruch, von «neuer Hoffnung für Frankreich.» Und meint aber vor allem sein eigenes Comeback. Für den ehemaligen Präsidenten, der seine Niederlage 2012 gegen den Herausforderer François Hollande nie verwunden hat, ist es, nach langem Dauertief, die erste Etappe auf dem Marsch zur Rückeroberung des Élysée. Sarkozy wittert die Chance zur Revanche – gegen die parteiinternen Konkurrenten und gegen Hollande.

Umso schlimmer ist das Ergebnis für den derzeitigen Hausherrn: Denn der Urnengang in den Départements ist eine Absage an Präsident François Hollande und eine harte Sanktion für die sozialistische Partei (PS), die bisher in über 60 Regionalräten regierte.

Schwierige Zeiten für François Hollande.  Bild: REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Im landesweiten Negativsog gingen linke Traditionsbastionen wie die Bretagne, die Normandie und der Norden Frankreichs verloren. Besonders übel für Hollande: Der Verlust der Corrèze, jenem ländlichen Département, das er einst für die Sozialisten eroberte und zu seiner politischen Heimat machte.

Grund genug für Sarkozy jetzt endlich seinen Führungsanspruch zu untermauern. «Wir werden unser republikanisches Projekt vorstellen», tönt der UMP-Chef und verspricht für die angestrebte Wende «tiefgreifende Neuerungen.»

Nach seiner Niederlage hatte er erst den Rückzug aus der Politik angekündigt; zwei Jahre trat er bei internationalen Events als hochdotierter Polit-Entertainer auf und verdiente ordentlich. Während sich die Konservativen über Richtungskämpfe, Personalquerelen und Finanzaffären zerstritten, erschien Sarkozy öffentlich fast nur noch bei den Konzerten von Ehefrau Carla Bruni.

Auch seine Rückkehr an die Spitze der eigenen Partei im vergangenen November geriet wenig glücklich: Selbst in Korruptionsskandale verwickelt, konnte er zwar die Führung übernehmen, doch ein halbes Dutzend von UMP-Promis erhoben Anspruch auf die Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2017 – in Umfragen galt der Ex-Staatschef nicht mehr als unangefochtener Hoffnungsträger.

Selbst die jüngsten populistischen Parolen, mit denen Sarkozy sich während seiner Meetings zu den Départemtentwahlen bei Sympathisanten des Front National anbiederte, waren unter wertkonservativen Parteigängern der UMP umstritten.

Im Gegensatz konnte sich Alain Juppé, einst Premierminister und Bürgermeister von Bordeaux, mit moderaten, mehr versöhnlichen Tönen als ernstzunehmender Herausforderer profilieren. Auch Juppé reklamierte den Wahlsieg für sich als Befürworter des Bündnisses zwischen Konservativen und Unabhängigen Demokraten.

Mit dem Wahlsieg in den Départements ist wohl der Streit um die Spitze der Opposition entschieden; der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur 2016 hat gerade erst begonnen.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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Eine Szene – viele Wahrheiten 

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