Eismeister Zaugg
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
19.09.2014; Biel; Eishockey - EHC Biel - Rapperswil-Jona Lakers; Assistenztrainer Michel Zeiter (Lakers) (Sandro Stutz/freshfocus)

Sooo, und jetzt mal alle Ruhe bewahren: Ich führe euch zum Ligaerhalt. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Eismeister Zaugg

Michel Zeiter kann Rappi nicht retten, denn er ist kein Feuerwehrmann. Wenn Langnau jetzt nicht aufsteigt – dann nie mehr

Die Lakers machen Michel Zeiter (40) zum Cheftrainer. Aber sie sollten nun auch noch einen Maler engagieren. Wenn die Langnauer jetzt nicht aufsteigen – dann wohl nie mehr. 



Der Milliardär Hansueli «Jöggi» Rihs zahlt also doch nicht neues Geld in die Kriegskasse ein. Die Lakers haben die billigste Billig-Lösung gewählt, feuern Anders Eldebrink und machen den bisherigen Assistenten Michel Zeiter zum Cheftrainer.  

Ach, welch ein Spektakel. Welch ein Schauspiel. Michel Zeiter ist nämlich Kult. Er war «König der Löwen» bei der Renaissance des Stadtzürcher Hockeys und führte die ZSC Lions zu den Titeln von 2000 und 2001. Der kräftige Stürmer war auf den ersten Blick zu erkennen. Er trug als einziger Spieler der Liga weisse Schlittschuhe. Seine Sturmläufe waren sein Markenzeichen und rissen die Fans im Hallenstadion von den Sitzen – und immer akustisch begleitet mit einem langgezogenen «Suuuusi». Ja, sie nannten ihn nicht «Rakete» oder «Hammer».

Rappis Mikko Eloranta, rechts, bringt den Puck gegen ZSC Goalie Ari Sulander, verdeckt, nicht unter. ZSC Spieler Andri Stoffel, Mitte, Mark Streit, 2.v.l., und Michel Zeiter helfen mitverteidigen, aufgenommen am Freitag, 5. November 2004, beim Eishockey Nationalliga A Spiel zwischen den ZSC Lions und dem SC Rapperswil-Jona in der KEBO Halle in Zuerich-Oerlikon. (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Eddy Risch)

Unverkennbar: Michel Zeiter mit seinen weissen Schlittschuhen bei den ZSC Lions. Bild: PHOTOPRESS

Zeiter, einer der sympathischsten und interessantesten Persönlichkeiten im Schweizer Eishockey

Er trägt bei der Berufsausübung nicht mehr weisse Schuhe, aber modische Kleidung inklusive einem seidenen Foulard und fährt Aston Martin. Weil er ein ganz besonderer Rock'n'Roller ist. Eine der sympathischsten und interessantesten Persönlichkeiten unseres Hockeys. Er zelebriert das gepflegte Rebellen-Image und würde auch als Empfangschef im Nobelrestaurant «Kronenhalle» oder als Direktor eines Luxushotels beste Figur machen. 

Im rauen Macho-Sport Hockey ist er sozusagen ein Dandy. Würde er heute weisse Handschuhe statt weisse Schlittschuhe tragen, müssten wir an den amerikanischen Schriftsteller Tom Wolfe denken. 

19.09.2014; Biel; Eishockey - EHC Biel - Rapperswil-Jona Lakers; Assistenztrainer Michel Zeiter (Lakers) (Sandro Stutz/freshfocus)

Stets gut gekleidet: Michel Zeiter. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

In Visp als Trainer gescheitert

Michel Zeiter war in Visp Spieler und dann Trainer – und scheiterte. Nicht weil ihm für diesen Beruf die fachliche Kompetenz fehlt. Ganz im Gegenteil. Er ist eigentlich viel zu nett, zu kultiviert und zu intelligent, um einer wilden Horde von Männern vorzustehen, die sich mit einem Stecken in der Hand täglich aufs Glatteis begeben, oft «f...» sagen und hinterlistig danach trachten, einander in die Spielfeldabschrankung zu bugsieren. Und darüber hinaus hat er die in diesem Beruf sowieso seltene Gabe der Selbstironie. Toben kann er auch nicht. Er wirkt auf den ersten Blick immer ein wenig mürrisch und traurig und abweisend.  

Aber er versteckt hinter der freundlich-mürrischen «Fassade» bloss sein freundliches Wesen, seine Klugheit und seinen feinen Humor. Er pflegt eine intellektuelle Melancholie, die einem Schriftsteller gut anstehen würde. Irgendwie mahnt er in einem guten Sinne an Victor Hugo, der einmal sagte, Melancholie sei das Vergnügen, traurig zu sein. Wir können, aufs Hockey übertragen, auch sagen: Melancholie ist das Vergnügen, bei den Lakers Trainer zu sein. 

09.01.2015; Rapperswil; Eishockey NLA; Rapperswil-Jona Lakers - HC Davos; assistenztrainer Michel Zeiter (Lakers)
(Claudia Minder/freshfocus)

Die freundlich-mürrische Erscheinung ist nur Fassade. Bild: Claudia Minder

Klaus Zaugg und die Wette

Wenn er die Lakers unter regulären Umständen rettet, dann zahle ich Lakers-Sportchef Harry Rogenmoser zehn Prozent von Zeiters Gehalt für die Zeit der Liga-Qualifikation. 

klaus zaugg

Und nun soll dieser kultivierte Gentleman also die Lakers retten. Ohne jede Boshaftigkeit sage ich: Wenn jemand für den Job eines Feuerwehrmannes nicht geeignet ist, dann dieser freundliche Melancholiker mit dem Aston Martin. Wenn er die Lakers unter regulären Umständen rettet, dann zahle ich Lakers-Sportchef Harry Rogenmoser zehn Prozent von Zeiters Gehalt für die Zeit der Liga-Qualifikation. 

Natürlich wird Michel Zeiter toben und versuchen, seine Spieler aufzurütteln. Er mag es, den harten Mann zu spielen, und versucht auf vergnügliche Art und Weise, «taff» zu wirken. Nur kauft ihm das einfach keiner ab. Nicht, als er Spieler war – deshalb wurde er ja als «Suuusi» verehrt – und erst recht nicht als Trainer. Die Spieler werden ihn nicht ernst nehmen. Aber vielleicht werden sich die Lakers zusammenreissen, weil sie Michel Zeiter so gut mögen. Die sanfte Krisenlösung.  

Der Rapperswiler Assistenztrainer Michel Zeiter gibt den Spielern Anweisungen, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und den Rapperswil Jona Lakers, am Donnerstag, 12. Dezember 2013, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Zeiter kann es nur schaffen, wenn sich die Spieler zusammenreissen, weil sie ihn so gut mögen. Bild: KEYSTONE

Die Episode mit dem Aston Martin in Langnau

Im Herbst seiner Karriere stürmte Michel für die SCL Tigers (2007 bis 2010, 104 Spiele/95 Punkte). Aus dieser Zeit gibt es eine Episode, die im Dorf unvergessen bleibt. Er fuhr einmal mit seinem edlen Sportwagen vor dem Hotel Hirschen vor, dem besten Hause am Platz. Mit einem Aston Martin. Den hat er heute noch. Die Langnauer bewunderten die edle Karosse, sagten ihm aber, es mache sich im Dorf nicht gut, wenn die Spieler mit so teuren Autos auftauchen. Er beherzigte den Rat und fuhr, wenn schon, höchstens mal in der Nacht mit dem schönen Auto. 

Der Zuger Thomas Ruefenacht, Mitte, gegen die Langnauer mit Goalie Matthias Schoder, Michel Zeiter, Joerg Reber und Claudio Moggi, von links, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und den SCL Tigers, am Freitag, 25. September 2009, im Hertistadion in Zug. (KEYSTONE/Photopress/Sigi Tischler)

Zeiter spielte auch beim jetzigen Gegner Langnau. Natürlich mit weissen Schlittschuhen. Bild: PHOTOPRESS

Nun fährt er also nicht mit dem Aston Martin an die Ilfis. Sondern als Cheftrainer mit dem Mannschaftsbus der Lakers. Wir können es auch so sagen: Wenn die SCL Tigers nach einem Auftaktsieg in Rapperswil nun den Aufstieg gegen die von Michel Zeiter gecoachten Lakers nicht schaffen – dann nie mehr. 

Michel Zeiter: «Das Verlieren ist hier in den Kabinenwänden. Das bringt man nicht mehr raus»

Denn keiner weiss besser um die schiere Aussichtslosigkeit seiner Mission als Michel Zeiter selber. Unvergessen seine träfe Kuranalyse, als er im Dezember 2013 nach der Entlassung in Visp seine Arbeit als Assistent von Anders Eldebrink aufgenommen hatte. «Das Verlieren ist hier in den Kabinenwänden. Das bringt man nicht mehr raus.»

Vielleicht sollten die Lakers auch noch einen Maler als Assistenten von Michel Zeiter verpflichten. Um die Kabinenwände neu zu streichen.  

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

Das könnte dich auch interessieren:

«So sehen Depressionen aus» – Facebookpost einer jungen Frau geht viral

Link zum Artikel

Kann Basel YB wieder gefährlich werden? Alle Transfers der Super League im Überblick

Link zum Artikel

Mehr Spass! Hier kommen die 24 lustigsten Fails, die das Internet gerade zu bieten hat

Link zum Artikel

Kommen Sie, kommen Sie! PICDUMP!

Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

16
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 04.04.2015 12:06
    Highlight Highlight Welche Kultur? Die Playoffs nie erreichen? Sogar das hat Rappi öfter geschafft als Langnau
  • Pax Mauer 04.04.2015 01:02
    Highlight Highlight Allein für das Einbinden des Victor-Hugo-Zitats in einen Sporttext sollte es einen Preis geben. Sehr schön.
  • Jimmy :D 03.04.2015 19:08
    Highlight Highlight Also das mit der Wette finde ich eine super Idee!
    • Mia_san_mia 04.04.2015 11:47
      Highlight Highlight Ich hoffe er zahlt auch wirklich. Ich freue mich schon drauf
  • Mia_san_mia 03.04.2015 18:53
    Highlight Highlight @Daylen: Was für NLA Tempo? Meinst Du gegen nervöse Lakers mitspielen ist NLA Tempo?
  • sisco 03.04.2015 18:33
    Highlight Highlight schreiben sie doch bitte, bitte in der - ICH FORM -!
    ich finde, dass...
    ich erachte es als ...., dass...
    usw.

    sie halten viel von der vergangenheit!
    (viel zu viel!!!)
    und das als journalist???

    ganz ehrlich? ich wäre froh, sie hätten nur halb so viel
    von diesem anstand, welchen sie herrn zeiter "anhängen".

    ich hoffe sehr, dass sich diese art von journalismus
    selber die chance gibt, sich weiterzuentwickeln.

    sonst werdet doch bitte, bitte geschichtsgelehrte!
    da ist es erwünscht pausenlos in der vergangenheit zu leben.
  • Mia_san_mia 03.04.2015 15:25
    Highlight Highlight Langnau im A wäre genau die gleiche Katastrophe, da kann Rappi gleich oben bleiben. Ich war gestern am Spiel und weiss wovon ich rede. Langnau hat gewonnen weil Rappi in die Hosen gemacht hat. Die Langnauer können selber auch nichts, diese B Spieler kann man nicht gebrauchen. Die sind sogar viel langsamer als die Lakers, das ist echt peinlich. Diese Spieler hat man wohl irgendwo aus einem Kuhstall im hintersten Emmental geholt. Sogar der Topskorer kann nur Schwalben machen.
    • Daylen 03.04.2015 15:48
      Highlight Highlight Du bist ein ganz armer... Und so niveauvoll...
    • Mia_san_mia 03.04.2015 16:03
      Highlight Highlight Hey was soll das? Wieso beleidigst Du mich grundlos und und willst sogar noch etwas von Niveau erzählen? Wenn Du das Spiel gestern gesehen hättest, wüsstest Du von was ich rede.
    • Daylen 03.04.2015 16:41
      Highlight Highlight Ich hab das Spiel gesehen. Und Langnau war klar besser, kämpferischer und konnte sich sofot ans NLA Tempo anpassen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • pausi 03.04.2015 14:47
    Highlight Highlight Mit weisen Schlittschuhen sollte ja eigentlich nichts schief gehen ;)
  • navigator 03.04.2015 14:09
    Highlight Highlight wunderschöne Analyse über Michel Zeiter. Herrlich geschrieben. Danke Klaus Zaugg. Hoffentlich gibt es bis zum letzten Spiel dieser Serie noch mehr amüsantes zu lesen, frohe Ostern wünscht Rolf

Rajala schiesst Biel in der Overtime ins Glück – Zug legt gegen Niederlage Protest ein

Biel geht in der Playoff-Halbfinalserie gegen Qualifisieger Bern mit 2:0 in Führung. Und Lausanne besiegt Zug mit 5:4 nach Verlängerung und gleicht die Serie zum 1:1 aus. Die Siegestore erzielen Toni Rajala (nach 65:48 Minuten) für Biel sowie Joël Genazzi für Lausanne in Überzahl (nach 71:06 Minuten).

» Hier gibt' den Liveticker der 2. Runde zum Nachlesen.

Der EHC Biel führt in der Halbfinalserie gegen den Schlittschuhclub Bern mit 2:0 Siegen. Die Seeländer gewannen mit 3:2 nach Verlängerung auch das zweite Spiel. Die Verlängerung dauerte keine vier Minuten. Toni Rajala, der schon am Dienstag beim 4:2-Sieg in Bern zweimal getroffen hatte, erzielte das Siegtor nach brillanter Vorarbeit seiner Sturmkollegen Jarno Kärki und Marco Pedretti.

Der EHC Biel bestrafte den SC Bern für die Passivität, …

Artikel lesen
Link zum Artikel