Bilderwelten
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Instahike Walensee, Oktober 2014

Hund am Walensee, von einem Instagram-Star fotografiert. Bild: christoffer collin

Insta-Hike durch's Heidiland

Wenn 750'000 Leute schöne Fotos aus Quinten anschauen, dann stecken Instagram und ein schwedischer Starfotograf dahinter

Quinten? Das ist doch das Dorf am steilen Nordufer des Walensees mit 46 Einwohnern, zwei Beizen und keinem einzigen Auto. Ein schwedischer Starfotograf hat den verträumten Ort zum viralen Brüller gemacht. 



Quinten ist ein Dorf wie aus einer anderen Zeit. Vor den gepflegten Häusern stehen Gläser mit selbstgemachter Konfitüre und daneben ein Kässeli für den Fünfliber. Jeden Moment könnte Heidi ums Eck kommen und seinen Geissenkäse im Restaurant abliefern, bevor es wieder zum Alpöhi und dem Geissenpeter zurückkehrt. 

Tatsächlich gehört Quinten zur Ferienregion Heidiland, welche die Region zwischen dem Walensee, Flumserberg und Pizol bis zur Bündner Herrschaft umfasst. Dort, in Maienfeld, wäre das «echte» Heidi von Johanna Spyri zu Hause – sofern man bei einer literarischen Figur von «echt» sprechen kann.  

Heidiland Tourismus wird zum Pionier

Mit 404’000 Logiernächten pro Jahr hat Heidiland Tourismus noch Potenzial nach oben. Dieses korrespondiert aber nicht ganz mit den knappen Ressourcen der kleinen touristischen Dachorganisation. Die Social-Media-Verantwortliche Tabitha Forrer muss die fehlenden Finanzen deshalb mit guten Ideen kompensieren. Zum Beispiel, indem sie einen der weltweit bekanntesten Instagram-Fotografen nach Quinten einlädt. 

Die Idee dazu hatte der Unternehmensberater Marcus Händel, der mit seiner Familie viele Wochenenden in Quinten verbringt. Unter dem Pseudonym @quintner hat Händel 5600 Instagram-Follower, darunter auch den Schweden Christoffer Collin. Die beiden unterhalten sich in Schwedisch, denn der «Quintner» ist in Skandinavien aufgewachsen.  

Von New York nach Quinten

Der 27-jährige Christoffer Collin stammt aus Karlskoga, einer kleinen Stadt in Schweden. Zu Hause ist er seit zwei Jahren aber im exotischen Thailand, in den unberührten Rocky Mountains und in der niemals schlafenden Metropole New York. Denn Collin alias @wisslaren wird von Tourismusorganisationen rund um die Welt eingeladen, um ihre Destination mit seinen Instagram-Bildern bekannter zu machen. 

Instagramer Christoffer Collin am Walensee

Instagramer Christoffer Collin am Walensee. Bild: marcus händel

Auf die Einladung seines Freundes Marcus Händel reiste Christoffer Collin Ende Oktober von New York nach Quinten, entdeckte das Dorf am Walensee mit seiner Kamera und veröffentlichte in den Tagen danach 22 Fotos in Instagram. Händel organisierte die ganze Instagram-Aktion und holte im doppelten Sinne des Wortes die Tourismusorganisation Heidiland ins Boot nach Quinten.

Collin ist Instagram-Star wider Willen

Als Christoffer Collin im März 2012 in Instagram seine ersten Fotos für Familie und Freunde veröffentlichte, kannte er Instagram «nur als diese App mit den farbigen Filtern. Erst nach einigen Monaten habe ich realisiert, dass ich in eine riesige Community geraten bin. Aber da war es schon zu spät, ich hatte schon über 100’000 Follower», schmunzelt der Instagram-Star wider Willen. 

Heute hat Collin weltweit 750’000 Follower auf Instagram. Jedes einzelne seiner Fotos erhält bis zu 40’000 Likes und mehrere hundert Kommentare. Auf die Frage, wie er zu einem der weltweit beliebtesten Instagramer geworden ist, zuckt Collin mit den Schultern: «Um ehrlich zu sein, ich weiss es nicht.» 

Schwedische Natur und zurückhaltende Bearbeitung

Vielleicht wegen der vielen Motive aus der schwedischen Natur, die für die meist urbanen Instagramer exotisch wirken? Vielleicht, weil Collin seine Bilder im Gegensatz zu vielen anderen Instagramern nur sehr zurückhaltend bearbeitet? 

Der ehemalige Maler, Sandstrahler und Lastwagenfahrer Christoffer Collin macht sich da keinen Kopf und ist auch sehr pragmatisch, was die Nachhaltigkeit seiner Karriere angeht: «In ein paar Jahren kann alles wieder vorbei sein, dann brauche ich einen neuen Job.» 

«In ein paar Jahren kann alles wieder vorbei sein, dann brauche ich einen neuen Job.»

Christoffer Collin alias @wisslaren

38'000 Likes und Hunderte von Kommentaren

Während Christoffer Collin die ersten Tage noch alleine mit Marcus Händel unterwegs war, kamen am Samstag zusätzlich 25 Schweizer Instagramer nach Quinten. Instameet heisst ein solches Treffen von Instagramern – oder Instahike, wenn es wie in diesem Fall eine Wanderung ist. Unter dem Hashtag #instahike_walensee findet man in der Instagram-App auf dem Smartphone über 150 Fotos der Teilnehmer.

Ein paar Tage nach dem Instahike in Quinten können sich Marcus Händel und Tabitha Forrer zufrieden zurücklehnen. Die weltweite Instagram-Community ist begeistert und spart in den Kommentaren unter den Fotos aus Quinten weder mit Lob, noch mit Ausrufezeichen: «Amazingly beautiful!» – «Realmente maravilhoso!» – «Splendid!!!» – «Unbelievably stunning!» – «Let's go here!!!» – «Wow, right out of a childhood storybook!» 

Und auch die Zahlen sind beeindruckend: Jedes der 22 Fotos aus Quinten von Christoffer Collin wurde von 750’000 Instagramern gesehen und hat je 25’000 bis 38’000 Likes erhalten. Seine Fotos aus dem Smog von New York können dagegen im doppelten Sinne des Wortes nicht anstinken, sie erreichten im besten Fall gerade mal 25’000 Likes. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • WolfCayne 28.07.2016 21:49
    Highlight Highlight Grossartige Story. Quinten ist wirklich beeindruckend. Übrigens macht das schon Sinn, dass selbst die Bündner Herrschaft dieser Tourismusregion angehört. Das Gebiet war bis nach 1100 noch Teil des rätoromanischen Sprachgebiets, der Seename deutet das wahrscheinlich noch heute an, ebenso die Orts- und Flurnamen.

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