Zürich
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Das Nagelhaus in Zuerich West, unten links, aufgenommen am Donnerstag, 30. Mai 2013, in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Das Zürcher «Nagelhaus» an der Turbinenstrasse hat seinen Übernamen einem Haus in China zu verdanken, dessen Bewohner sich ebenfalls vehement gegen die Enteignung gewehrt hatten. Bild: KEYSTONE

Vor Bundesgericht verloren

Das weltberühmte Zürcher «Nagelhaus» wird abgerissen – wegen einer Zufahrtsstrasse

Mit dem Entscheid des Bundesgerichts, das «Nagelhaus» an der Turbinenstrasse abzureissen, endet nicht nur ein jahrelanger Planungs- und Rechtsstreit, sondern auch der Kampf des 76-jährigen Mieters Willi Horber. Er hatte eigens alternative Pläne für den Strassenverlauf gezeichnet.

David hat gegen Goliath verloren: Das Bundesgericht hat heute eine Beschwerde des Kantons Zürich gutgeheissen. Jetzt muss das weltberühmte Zürcher «Nagelhaus» einer Zufahrtsstrasse weichen, die der Kanton nun wie geplant bauen kann. Die Eigentümer der Liegenschaft werden enteignet, das Haus abgerissen.

Das Nagelhaus in Zuerich West, links, aufgenommen am Freitag, 9. Dezember 2011. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Vor ein paar Jahren installierte ein Künstler den Schriftzug «Résistance» an der Fassade des Nagelhauses – in der genau gleichen Typographie wie der Schriftzug des benachbarten Renaissance-Hotels. Bild: KEYSTONE

Willi Horbers Kampf

Damit endet ein seit rund 15 Jahren dauernder Planungs- und Rechtsstreit rund um das Maagareal und dessen Erschliessung. Und der langjährige Kampf des Mieters Willi Horber. Der 76-Jährige lebt seit mehr als 40 Jahren im Nagelhaus und äusserte sich mehrfach gegenüber den Medien dazu, wie es zum Prozess kam.

Als in den letzten Jahren um ihn herum in rasantem Tempo Bürokomplexe in die Höhe gezogen wurden und auch das Haus seines Vermieters ins Visier der Planer geriet, setzte sich Horber hin und entwarf eine alternative Version für den Bau der Zufahrtsstrasse. 

In seinen Worten ging das so: «Ich habe die Pläne genommen, die Strasse kopiert und ein bisschen umgeschwenkt. Dann musste ich den Bogen noch ein bisschen verlängern. Es ist kinderleicht!», sagte Horber in einem SRF-Beitrag vom letzten Jahr. 

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Das kleine Nagelhaus und seine grossen Nachbarn: Das Renaissance-Hotel (links) und das Fifty-One-Gebäude (oben). bild: google earth/screenshot watson

Mit diesem Plan zog er vor Gericht – ohne Anwalt, aber juristisch nicht ganz unbedarft, wie er selber im SRF-Beitrag sagte. «Ich habe immer die Gerichtsberichte im Beobachter gelesen. Ich wusste in etwa, was schreiben.» Mit Erfolg: Vor einem Jahr gab ihm das Bundesverwaltungsgericht St.Gallen recht. Das Haus sei wichtiger als die Strasse, die von Horber vorgeschlagene Verkehrsführung «nahezu gleich geeignet», das Areal zu erschliessen.

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Die Schlagzeile des Blick vor einem Jahr. Der Grund: Ein Bild und die Geschichte Horbers hatten es auf die Plattform Reddit geschafft. Auch auf Facebook ist das Nagelhaus vertreten. Bild: blick.ch/screenshot watson

Das Bundesverwaltungsgericht legte fest, dass das Projekt im Sinne Horbers geändert werden müsse. Die neue Strasse hätte demnach zwischen dem Nagelhaus und dem Fifty-One-Gebäude an der Pfingstweidstrasse verlaufen sollen.

«Variante Horber» genügte dem Bundesgericht nicht

Doch das passte dem Kanton nicht, das Urteil wurde weitergezogen. Nun haben die Lausanner Richter entschieden, dass das Bundesverwaltungsgericht das Interesse der Eigentümer viel zu stark gewichtet habe. Sowohl die städtebauliche Situation im Zürcher Entwicklungsgebiet Zürich-West, als auch die verkehrs- und sicherheitstechnischen Aspekte habe die Vorinstanz verkannt.

Die Variante Horber erfüllt, so die Lausanner Richter, nicht die hohen Anforderungen, die an den Anschluss an eine Nationalstrasse gestellt würden. Es würde eine unübersichtliche Verkehrssituation geschaffen, bei welcher bis zu zwei Meter an die bestehenden Gebäude heran gebaut werden müsste. 

Horbers Wunsch, «horizontal aus dem Gebäude getragen zu werden», geht damit nicht in Erfüllung. (dwi/sda)



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    Alle Leser-Kommentare
  • Gisler 26.09.2014 09:42
    Highlight Highlight Wer hier genau die Situation dieser Nationalstrasse verkennt, sei dahingestellt. Die Situation ist durchmischt innerstädtisch, die Passanten queren die Nationalstrasse wo sie wollen und somit wird diese hinfällig. Für das urbane Gefühl in Zürich West jedenfalls ist das Nagelhaus wichtiger als die Strassenklassierung auf dem Papier. In einer Besucherumfrage im Quartier ist herausgekommen, dass die Besucher vor allem wegen dem architektonischen Mix ins Quartier strömen. Das Nagelhaus hat hier viel Charme verströmt, gefällt allen und auf diese begradigte, gesetzeskonforme Erschliessungsstrasse pfeiffen wir. Übrigens: 150 Meter weiter östlich quert der Coop-Mühle Güterzug die Nationalstrasse: Ein weiterer Fall fürs Bundesgericht. Aber Coop ist nicht Horber.
    4 0 Melden
  • thompson 25.09.2014 18:08
    Highlight Highlight Echt Schade.:( Mein Quartier verliert so, das einzige Bijou. Mit Nagelhaus, wäre Züri West Wakker Preis verdächtig.
    7 1 Melden
  • manhunt 25.09.2014 15:29
    Highlight Highlight Einfach nur traurig. Nationalstrasse? Wohl eher Kantonsstrasse. 2 meter an bestehende Gebäude heranbauen gefährdet die Verkehrssicherheit? Dann müsste mindestens die hälfte aller Gebäude in der Stadt Zürich abgerissen werden. Der Grund ist wohl eher die Schwierigkeit für die gutbetuchten Gäste und Bewohner des Renaissance Towers, ihre protzigen SUV's und Geländewagen, auf einer solch "schmalen" Zufahrtsstrasse wie von Herr Horber entworfen, zu wenden. Immerhin durften die Bundesrichter mit diesem Urteil ihre städtebaulichen Kompetenzen untermauern ;)
    16 0 Melden
  • Hinterländer 25.09.2014 15:11
    Highlight Highlight Klar doch, Herr Horber hat sich nach den Nationalstrassenplanern zu richten. Ziemlich schräg, wie die Lausanner Richter hier urteilen. Sein Vorschlag hätte für die konsequente Ausnutzung des Bauvolumens im Quartier keinen Einfluss gehabt, keine zusätzlichen Kosten verursacht und wäre für die Wohnqualität an diesem Ort erst noch ein Zugewinn gewesen. Man braucht sich bloss die Brutalarchitektur rundherum anzuschauen um festzustellen, wo wer am längeren Hebel sitzt.
    12 0 Melden
  • Zeit_Genosse 25.09.2014 13:58
    Highlight Highlight Schade. Die Fantasielosigkeit hat gesiegt. Wenn man Weltstädte betrachtet (Zürich könnte auch eine sein und das Nagelhaus ist weltberühmt), sprühen diese vor Mut. Die High-Lane von New York ist z.B. ein neues Magnet und stiftet der Stadt mehr Identität und Besucher. Sie war einst dem Abriss freigegeben worden. Zürich ist nicht NYC. Trotzdem, Mut braucht nicht räumliche, sondern geistige Grösse. Wo ist die in Zürich? Wo sind Gönner, Sponsoren, Liebhaber, Spinner, Financier, Retter, usw.? #nagelhaus #zurich #resistance #umfahrungsstrasse
    13 3 Melden
  • elten 25.09.2014 13:46
    Highlight Highlight Das sind wirklich himmeltraurige News. Das Nagelhaus werted das ganze Quartier auf. Ich versteh diese gleichgeschaltete uniforme schweizer Stadtplannung nicht... wegen einer Kantonsstrasse??!!
    18 0 Melden

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