Geheimdienste
This Aug. 1, 2014, file photo shows Secretary of State John Kerry as he boards a plane to depart New Delhi, India, Secretary of State John Kerry will be focusing on Southeast Asia and the Pacific next week. He'll be leaving Friday on a six-day trip to Myanmar, Australia, the Solomon Islands and Hawaii. (AP Photo/Lucas Jackson, Pool)

Wurde ausspioniert: US-Aussenminister John Kerry. Bild: AP/Reuters Pool

Nahost-Konflikt

Israel hörte Telefonate von US-Aussenminister Kerry ab

Der israelische Geheimdienst hat offenbar Telefonate von US-Aussenminister Kerry abgehört. Nach SPIEGEL-Informationen nutzte die Regierung in Jerusalem die so gewonnenen Erkenntnisse bei Verhandlungen zum Nahost-Konflikt. 

03.08.14, 10:01 03.08.14, 10:39

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Der US-amerikanische Aussenminister John Kerry ist während der Friedensverhandlungen im Nahen Osten vom israelischen Geheimdienst abgehört worden. Neben den Israelis habe mindestens ein weiterer Geheimdienst mitgehört, als Kerry im vergangenen Jahr zwischen Israel, Palästinensern und arabischen Staaten vermittelte, bestätigten mehrere Quellen aus Geheimdienstkreisen dem SPIEGEL. Das Bekanntwerden des Lauschangriffs könnte das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Israel und der US-Regierung weiter verschlechtern.

Während der Hochphase der Friedensgespräche im vergangenen Jahr hatte Kerry regelmässig mit hochrangigen Gesprächspartnern im Nahen Osten gesprochen. Dabei nutzte er nicht nur verschlüsselte Leitungen, sondern auch normale Telefone, deren Signale unverschlüsselt über Satellit übertragen – und mitgehört wurden. Die Regierung in Jerusalem hat die Informationen in den Verhandlungen über eine diplomatische Lösung im Nahen Osten genutzt. 

Kerry hat einen schweren Stand im Nahost-Konflikt. Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

Im aktuellen Gaza-Konflikt hatten die Israelis Kerry zuletzt massiv kritisiert, einzelne Minister forderten ihn indirekt auf, sich aus den Gesprächen zurückzuziehen. Weder das US-Aussenministerium noch israelische Behörden wollten sich zu der Abhöraktion äussern. 

Kerry war erst vergangene Woche nach Israel geflogen, um zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Ein Vorschlagsentwurf für eine Waffenruhe wurde jedoch von Israels Regierung brüsk zurückgewiesen: Offenbar war in dem Plan keine Rede davon gewesen, dass die Hamas ihr Raketenarsenal aufgeben und ihr Tunnelsystem zerstören müsse. Schon im vergangenen Jahr hatte Kerry sich intensiv um Verhandlungen zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde bemüht, doch auch diese waren gescheitert. Spätestens seitdem gilt das Verhältnis zwischen John Kerry und Israels Präsidenten Benjamin Netanjahu als angespannt. 

Grundsätzlich gibt es an der Unterstützung der USA für Israel aber weiterhin keinerlei Zweifel. Erst am Freitag hatte der US-Kongress beschlossen, die Ausstattung des Raketenabwehrsystems «Iron Dome» (Eiserne Kuppel) mit 225 Millionen Dollar (knapp 168 Millionen Euro) zu bezuschussen. (cis)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Maya Eldorado 04.08.2014 00:04
    Highlight Sagt mal lieber wer keine Telefonate abhört. Die Liste wäre sicher wesentlich kleiner
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