Gender

Was trägt sie drunter? Eine Fotografin gibt die ultimative Antwort

28.08.16, 18:38 30.08.16, 04:23

«Was trägt sie drunter?» Wenn ein Mann (sich) diese Frage stellt, ist zumeist Begehrlichkeit im Spiel. Wenn Amy Herrman hingegen das gleiche tut, hat sie alles andere als Lust im Kopf. Die Fotografin hat eine Überzeugung: «Darunter» steckt immer eine Frau mit einer Geschichte.

Fotografin Herrmann will via Crowdfunding finanzieren. bild: instagram

Um das zu illustrieren, will die Australierin das Fotobuch «Underneath We Are Women» herausbringen. «100 Porträts gegen die Standardisierung von Schönheit» lautet der Zusatz. Die Stossrichtung ist damit klar und vorgegeben: Was ansehnlich ist, kann kein Bodymass-Index und kein Dessous-Hersteller definieren. Attraktivität zeigt sich vielmehr durch Persönlichkeit.

Die Geschichte hinter der Frau

Persönlich ist Herrmans Vorhaben, das kann niemand bestreiten: Die Fotografin hat 100 Fotos gemacht, auf denen ganz unterschiedliche Personen zu sehen sind, die mehr oder weniger Unterwäsche tragen. Viele entsprechen nicht dem gängigen Klischee eines Foto-Models: füllige Frauen sind darunter, ältere, unrasierte, gezeichnete, vernarbte, handicapierte.

«Underneath We Are Women»

Jede der Damen hat ein «Darunter bin ich ...»-Motto, und jede erzählt ihre eigene Geschichte. Das Buch, für das auf Kickstarter Geld gesammelt wird, bietet also «100 Frauen-Porträts mit 100 femininen Körpern und 100 Storys». Und was davon vorab veröffentlicht ist, kann sich wirklich sehen und lesen lassen.

Hinter die Fassade schauen

«Jeder von uns erfährt auf seiner eigenen, individuellen Reise diverse Dinge, die uns mental und physisch verwandeln, verbessern, herausfordern und ändern», erklärt Herrman auf Kickstarter. «Dieses Projekt soll die Vielfalt weiblicher Körper aufzeigen und die Geschichten teilen, durch die sie geformt wurden.»

So wie die Fotografin soll auch der Leser hinter die Fasse der Oberflächlichkeit gelangen: «Du musst dafür etwas genauer hinschauen, ein bisschen mehr lesen, seine Deckung fallen lassen und uns bis zum Ende zuhören. Zuerst das Aussehen zu beurteilen, ist nur menschlich. Was wir nach so einem ersten Gedanken tun, ist wichtig.»

Liebe dich selbst

Und dabei sollen wir uns nicht von den Stereotypen leiten lassen, die uns die Gesellschaft vorkaut, fordert die Australierin und nennt Beispiele: «Das fette Mädchen, das trainieren sollte. Das dünne Mädchen, das mehr essen sollte. Die Handicapierte, die Sympathien braucht. Das hübsche Mädchen, das stets glücklich ist. Es sind solche simpel programmierten Antworten, von uns und für uns gemacht, um diesem grösseren sozialen Ideal zu dienen, das festlegt, was akzeptabel und ‹normal› ist.»

Dabei greifen solche Kategorisierungen fast immer zu kurz. «Vielleicht erfährst du, dass das dicke Mädchen vier Mal pro Woche zum Training geht. Dass das dünne Mädchen Krebs im Endstadium hat. Dass das hübsche Mädchen Depressionen hat.» Doch was andere über die eigene Äusserlichkeit denken, sei ohnehin zweitrangig: Sich selbst zu akzeptieren, ist für Herrman das eigentliche Ziel.

«Diese Buch wurde geschaffen, um den Leuten zu zeigen, dass wir jetzt damit anfangen können, uns selbst zu lieben.»

(via uFunk)

Frauen-Porträts aus aller Welt – weil Vielfalt wahre Schönheit ist

Das AdiPositivity-Projekt

24 unfassbar sexistische Werbungen, die tatsächlich mal gedruckt wurden

Das könnte dich auch interessieren:

Mord an Ex-YB-Spieler Andrés Escobar: Mutmasslicher Auftraggeber wurde verhaftet

US-Kongress findet Kompromiss gegen «Shutdown» – die grössere Hürde kommt aber noch

Apple knickt ein – neues Feature gibt iPhone-Usern (endlich) die Wahl

Der Kicker, der nie kickte – die bizarre Geschichte von Fake-Fussballer Carlos Kaiser 

Kein Plastikmüll mehr bis 2030: Mit diesen 3 Massnahmen will es die EU schaffen

Neue Umfrage zeigt: Die Gegner der No-Billag-Initiative liegen vorne – und zwar deutlich

Dortmund gegen Hertha nur mit unentschieden

Das sind die Rekordtorschützen in Europas Top-Ligen

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
19
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 21:42
    Highlight 3
    Warum müsst ihr Männer uns Frauen immer erklären und sagen, wie eine Frau zu sein hat? Nehmt uns doch einfach mal so wie wir sind!
    Ohne Wertungen zur Schönheit.
    Ohne Wertungen zur Stoffmenge in der Kleidung.
    Ohne Urteile darüber, wie Frau zu sein hat, um ernst genommen zu werden.

    Und der Mann, der wirklich glaubt, es seien die Frauen, die die Schönheit von Frauen bewerten, hat die Welt nicht verstanden. Denn die Frauen, die das tun, tun das, um sich den Anforderungen der Männer anzupassen, die das tun.

    Wieder das übliche Problem. Die kleinsten Kläffer haben die grössten Klappe.
    1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 21:41
    Highlight 2
    Habt ihr eine Ahnung, wie oft Frauen hässlich geschimpft werden, weil sie eine andere Meinung als sonstwer vertreten? Als wär Hässlichkeit das Schlimmste, was einer Frau passieren kann.

    Fotografische Werke wie oben helfen Frauen aus dieser Ecke rauszukommen. Sie sehen, dass da ganz normale Frauen sind wie du und ich und die sich nicht schämen, das zu zeigen und dazu zu stehen. Man darf sich auch zeigen, wenn man keine Laufstegmasse hat.

    Ich kannte schon Frauen, die gingen nur noch nachts spazieren. Damit niemand sie sieht und blöde Sprüche bringt, weil 75 statt 55 kg auf die Waage bringen.
    1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 21:40
    Highlight 1
    Schon wieder.
    Ein Artikel über Frauen und in den Kommentaren nur Männer.
    Dasselbe Problem. Frauen mögen zu oft gar nichts mehr sagen in solchen Fällen. Kann ich verstehen.

    Sowie ich dieses fotografische Werk verstehe, geht es um eine Gegenbewegung. Realitäts-Bewegung. Öffentlichkeit und Medien suggerieren, dass Frauen wie Models aussehen müssen. Tun sie das nicht, sind sie Verlierer.

    Habt ihr eine Ahnung davon, wie oft Frauen online als hässlich beschimpft werden, weil sie eine andere Meinung als irgendwer vertreten? Als wär Hässlichkeit das Schlimmste, was einer Frau passieren kann.
    1 1 Melden
  • Makaveli 30.08.2016 00:06
    Highlight Wieso müssen sich frauen immer zuerst ausziehen um ernst genommen zu werden?
    Können wir nicht die frauen respektieren, die angezogen für etwas aufstehen...?
    Oder können frauen nur halbnackt gegen eben diese klischees eintreten?
    Reduziert das eine frau dann nicht auch nur wieder auf ihren körper?

    Meine Meinung diese Australierin will etwas aufsehen erwecken, deshalb lichtet sie aufsehenserregende (weil nicht ins schönheitsbild passend) frauen ab, damit sie dafür nicht angefeindet wird knallt sie zu jeder ne berührende story rein und wird so zur nächsten
    Möchtegern feministin
    9 2 Melden
    • Lekks 30.08.2016 03:10
      Highlight tatsache : Frauen werten Frauen. Und nicht wie die Damenwelt oft meint das wir Männer das machen. Und da Frau, Frau wertet, müssen sie a) beweissen das sie besser aussehen oder b) das es ihnen "ach-so-egal-ist" wie andere sie werten.
      : )
      7 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 29.08.2016 22:55
    Highlight Ähm ... falscher Film, oder?

    Profiliert euch angezogen, wenn ihr ernst genommen werden wollt.

    Ist ja nicht zum Aushalten.
    11 1 Melden
  • Toerpe Zwerg 29.08.2016 22:51
    Highlight Achselhaare bleiben gewöhnungsbedürftig.

    Oder nein, besser nicht.
    5 2 Melden
  • Lekks 29.08.2016 03:32
    Highlight mach jetzt auch ein Bilderbuch mit Männern die auch nicht dem "Channing-Tatum"-Idealen gerecht werden.
    Und dann setze ich den Timer, wie lange es geht bis Tumblr & Twitter dies als sexistisch deklariert.
    41 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 00:37
      Highlight Glaube kaum, dass du den Timer überhaupt setzen kannst...
      2 2 Melden
    • Lekks 30.08.2016 03:07
      Highlight p.s alle die den Blitz klicken bezüglich meinem Post : ....zurück zu tumblr !
      2 1 Melden
  • pamayer 28.08.2016 21:00
    Highlight G r e a t !
    19 25 Melden
  • Peter (1) 28.08.2016 20:09
    Highlight wi(e)der wird die frau und ihrer wert auf ihren körper reduziert...
    42 50 Melden
    • toobitz 28.08.2016 23:02
      Highlight Artikel überhaupt gelesen? Im Buch gibts zu jeder Frau eine Story.
      27 11 Melden
    • sunnyboy51 29.08.2016 02:00
      Highlight @Peter (1) Da steht auch. Es kommt nicht auf den Körper an, sondern auf die Persönlichkeit. Sie haben absolut null begriffen...
      19 13 Melden
    • dracului 29.08.2016 08:06
      Highlight @toobitz und @sunnyboy51 DIeser Artikel wurde auf heute massiv aufgewertet (Bravo, Watson!).
      Heute finde ich, dass die Aussagen differenzierter sind und das voyeurische Moment nicht so in den Hintergrund gerückt ist ...
      4 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.08.2016 20:00
    Highlight Persönlichkeit zeigt sich aber doch nicht nur visuell, sondern auch über Verstand, Charme, Empathie. Das lässt sich photographisch nicht einfangen.
    49 15 Melden
    • fenxi 29.08.2016 00:27
      Highlight Soso. Und wenn du ein Steak isst, dann kannst du den Charme und Verstand des Rindes einfangen?
      4 34 Melden
    • sunnyboy51 29.08.2016 02:14
      Highlight Absolut einverstanden. Persönlichkeit zeigt sich auch über: Sprache, Ausdrucksweise, Stimme, Gestik, Mimik, Witz, Humor, Liebensfähigkeit, Stärken und Schwächen, Echtheit, Erlebtes, Reife, Unreife, Intellekt, Liebe usw. usf. Ich könnte noch Hunderte von Dingen nennen, die sich nicht visuell einfangen lassen, oder eher Tausende...
      11 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 00:38
      Highlight wtf fenxi... Treppe runtergefallen? Woher nehmen sich Leute solch zusammenhangslose Kommentare?
      1 0 Melden

Geschlechterquote in der Schweiz

Nayla Hayek: «Mir kommen Quoten vor wie Behindertenhilfe»

Die Schweizer Wirtschaft ist vom Vorschlag des Bundesrats überrascht, eine Geschlechterquote von 30 Prozent in Chefetagen von börsenkotierten Unternehmen einzuführen, und lässt kein gutes Haar daran.

Schafft es die Frauenquote von 30 Prozent für Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen durchs Parlament, geraten viele Schweizer Firmen gehörig unter Zugzwang. So haben die 100 grössten Schweizer Unternehmen im Verwaltungsrat momentan einen Frauenanteil von lediglich 13 Prozent. In den Geschäftsleitungen sitzen gar nur 6 Prozent Frauen. Dies zeigt der Schillingreport 2014, der jährlich die rund 100 grössten Schweizer Unternehmen bezüglich Zusammensetzung der Chefetage untersucht.

Der Verfasser des …

Artikel lesen