Gerechtigkeit siegt

Verwirrter Italiener läuft erst den Marathon und irrt danach zwei Tage durch New York

04.11.15, 20:57 05.11.15, 07:03

Die üble Odyssee eines Italieners in New York hat ein glimpfliches Ende gefunden: Der 30-Jährige war nach dem Marathon am 1. November als vermisst gemeldet geworden. Erst zwei Tage später erspähte ihn ein Polizist, der nicht im Dienst war, aber Gianclaudio M. in der U-Bahn erkannte. Der zerzauste Mann hatte immer noch seine Marathon-Kleidung an.

Lustige Zaungäste während des New-York-Marathons.
Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Dass er so verloren ging, liegt an den tragischen Begleitumständen. Gianclaudio kann kein Englisch. Er war mit einer Gruppe Patienten der Comunità San Patrignano da, dem grössten Drogen-Rehabilitationszentrum Europas – und hat monatelang auf den New York Marathon hintrainiert.

Lost!
Bild: LUCAS JACKSON/REUTERS

Am Start steht Gianclaudio noch neben seinem Lauf-Partner, dem 58-jährigen Teamarzt der Gruppe. Und im Ziel stehen ihm alle auf den Füssen – nur nicht der Dottore. Oder sonstwer aus seiner Gruppe. Er ist 4 Stunden 44 Minuten gerannt. Es ist Sonntagnachmittag, 15 Uhr. In New York. 

Gianclaudio bleibt, wo der Marathon endet: im Central-Park. Er bleibt auch über Nacht. «Er konnte den Weg zum Hotel nicht finden», wird Antonio Boschini, besagter Dottore, später der «New York Times» erzählen. Natürlich machte sein Team sich auf die Suche nach dem Vermissten. «Wir waren im Park, aber wir konnten ihn nicht finden.» 

Auch ein wenig verirrt: Orthodoxe versuchen während des New York Marathons, eine Strasse zu überqueren.
Bild: SHANNON STAPLETON/REUTERS

Weil die Gruppe am Montagmorgen abreisen wollte, macht sich Gianclaudio schliesslich auf den Weg zum Kennedy International Airport – nur um von dort wieder vertrieben zu werden, weil er für einen Vagabunden gehalten wurde. Er steigt in die U-Bahn und fährt bis Dienstagmorgen ziellos umher.

Glück im Unglück: In seiner Marathon-Kluft ist er gut erkennbar. Und in seinem Verhalten auch: Immer wieder habe der Mann nach links und rechts geschaut, berichtet der Polizist, der ihn ausmachte. Der Italiener war völlig dehydriert, schaute immer wieder auf die Karte. 

Gianclaudio wird zum Konsulat gebracht – und versorgt. Durch den Off-Duty-Cop. Der ist mit ihm aus der U-Bahn gestiegen – und hat dem Europäer erstmal einen Donut und Kaffee spendiert. Für drei Dollar, wie die «New York Times» penibel notiert. Ende gut, alles gut!

Willkommen zurück in der Zivilisation!

Bild: WARREN TODA/EPA/KEYSTONE

(phi)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Namenloses Elend 05.11.2015 00:04
    Highlight Halb so wild... Andere schauen sich ein Fussballspiel an und schaffen es 11 Jahre nicht mehr nach Hause....
    8 2 Melden
    • JoJodeli 05.11.2015 05:03
      Highlight Oder gehen Zigaretten holen und finden einfach nicht mehr nach Hause....
      5 1 Melden

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