Gesellschaft & Politik
epa04278014 Journalists, officers of the Criminal Investigation Department and staff of a breakdown service stand next to a truck carrying wreckage near the sight of the crash of a Lear jet near Elpe, Germany, 24 June 2014. A Lear jet with two passengers crashed after colliding with a Eurofighter of the German Air Force over Olsberg. The Eurofighter was able to land at its base in Noervenich near Cologne after the collision.  EPA/MARCEL KUSCH

Abtransport von Wrackteilen: Ermittler rätseln über Ursache des Pilotenfehlers.  Bild: EPA/DPA

Fatale Linkskurve

Absturz bei Luftwaffenmanöver in Deutschland – es war wohl ein Pilotenfehler

Nach dem Crash eines Übungsjets bei einem Luftwaffenmanöver spricht vieles für einen Pilotenfehler der zivilen Maschine. Ersten Ermittlungen zufolge flog der Pilot eine Linkskurve zu eng. Dabei krachte er von unten in einen «Eurofighter». 

25.06.14, 03:08

Matthias Gebauer / Spiegel Online

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Bei dem folgenschweren Zusammenstoss zwischen einem Übungs-Learjet und einem «Eurofighter» der deutschen Luftwaffe über dem Sauerland handelt es sich nach ersten Ermittlungen um einen fatalen Fehler des Piloten der zivilen Maschine. Der Mann hatte am Montag laut mehreren mit den Ermittlungen vertrauten Insidern bei einem routinemässigen Abfangtraining mit dem Learjet eine Linkskurve zu eng geflogen, dabei den Kampfjet von unten gerammt und war dann abgestürzt. Er und ein weiterer Insasse kamen dabei ums Leben

Bei dem Crash wurde der «Eurofighter» ebenfalls stark beschädigt, verlor einen Flugaussentank, konnte aber trotzdem noch weiterfliegen und sicher landen. Der Pilot eines weiteren Kampfjets beobachtete die Szene aus sicherer Distanz von hinten und ist nun Zeuge für die weiteren Ermittlungen. Über die Details der Ermittlungen, die am Dienstag in Luftwaffenkreisen kursierten, berichtet auch die «Süddeutsche Zeitung». Trotz der recht klaren Hinweise leitete die Justiz gegen die beiden Piloten der «Eurofighter» routinemässig ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein

Einen Tag nach dem Unfall, bei dem die beiden Piloten der zivilen Maschine getötet worden sind, haben Ermittler den Vorfall weitgehend rekonstruiert. Die beiden «Eurofighter» flogen mit dem Learjet der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) ein Simulationsmanöver, das den Ausfall des Funks bei einer zivilen Maschine und die Hilfe beim Landen durch die «Eurofighter» nachstellt. Im Fliegerjargon nennt man das die «Identifizierung und visuelle Kontaktaufnahme sowie die anschliessende Führung zu einem sicheren Landeplatz». 

Ein Wrackteil des abgestürzten Learjets. Bild: Getty Images Europe

Standardmanöver beim Pilotentraining

Das Manöver zählt zu den Standards beim Pilotentraining: Einer der Kampfjets fliegt neben die zivile Maschine, gibt ihr mit Flügelbewegungen ein Zeichen, kommt dann dichter heran und leitet den Jet zum nächsten Flughafen. Hintergrund der Übung kann der simple Ausfall des Funkgeräts einer Maschine sein. Geübt wird das Manöver allerdings auch, um bei möglichen Entführungen die Landung eines Passagierjets mit den Kampfflugzeugen zu erzwingen. Spätestens seit dem 11. September gehört das Training des Abfangens deshalb fest zum Lehrplan aller Militärpiloten. 

Bei der Übung am Montag war es kurz nach dem ersten Flügelwackeln zu dem folgenschweren Fehler gekommen, als einer der «Eurofighter» dem Learjet nach dem Näherkommen ein Signal für eine Linkskurve gab. Kenner sagten, der Pilot des Kampfjets habe das fatale Manöver des Learjets nicht mehr sehen können und sei von der Kollision überrascht worden. Aufgrund der Beschädigung an der Jet-Unterseite sprachen sie von Glück, dass der «Eurofighter» nicht auch abstürzte. Der Pilot sei geschockt und werde psychologisch betreut. 

Bei der Luftwaffe wurde am Dienstag gerätselt, wie dem Piloten des GFD-Learjets ein solcher Fehler unterlaufen konnte. Die Flugzeugführer der GFD gelten als extrem erfahren, viele von ihnen sind selber bei der Bundeswehr ausgebildet worden, sie kennen sowohl den militärischen als auch den zivilen Flugverkehr. Dass es ausgerechnet bei einer Routineübung wie dem Abfangmanöver zu einem solchen Unfall gekommen ist, kann sich bisher noch niemand erklären. Auch die Piloten der beiden Kampfjets haben nach Angaben der Luftwaffe grosse Erfahrung mit ihren Maschinen. 

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