Gesellschaft & Politik

Ebola-Epidemie

Nahrungsmittelspekulanten, Biotechfirmen, Onlinehändler: Das sind die Gewinner der Ebola-Krise

Ein Ebola-Opfer wird in Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, begraben – 3300 Ebola-Todesfälle sind bislang bekannt. Bild: HANDOUT/REUTERS

Ebola kann selbst Menschen töten, die gar nicht infiziert sind: durch Hunger. Andere kann das Virus reich machen. Clevere Online-Händler zum Beispiel. Aber auch skrupellose Spekulanten.

02.10.14, 13:02 02.10.14, 13:24

Auch in Liberia wollte Heineken wachsen. «Open your world» («Öffne Deine Welt») war dort auf Werbepostern des niederländischen Bierbrauers zu lesen. Doch es kam anders: Inzwischen hat Ebola das Land isoliert, ebenso wie Sierra Leone und Guinea. Die meisten Fluggesellschaften haben den Verkehr eingestellt, der Aussenhandel ist zusammengebrochen, die Landwirtschaft steht vor dem Kollaps.

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds befürchten einen «katastrophalen» Rückgang von Wirtschaft und Handel in diesen ohnehin fragilen westafrikanischen Ländern. Allein in Liberia könne im kommenden Jahr das Bruttoinlandsprodukt im zweistelligen Prozentbereich absacken, in Sierra Leone um fast 9 und in Guinea immerhin noch um 2,3 Prozent.

Reisvorräte bald am Ende

Liberias Handelsminister Axel Addy fordert deshalb raschere internationale Hilfe im Kampf gegen Ebola. «Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit», sagte er. Die Epidemie habe alle Bereiche der Wirtschaft erfasst, die voriges Jahr noch um acht Prozent gewachsen war.

Die Ausfuhr von Eisenerz und Latex, den beiden Hauptexportprodukten, sei fast zum Erliegen gekommen. Gefährdet sei auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die Vorräte an Reis drohten Ende November auszugehen.

Liberias Handelsminister Axel Addy an der Ebola-Konferenz in Genf Ende September.  Bild: EPA/KEYSTONE

Zwei Millionen in Quarantänezone

Ähnlich sieht es in Sierra Leone aus. Weite Teile des Landes wurden zu Quarantänezonen erklärt – in ihnen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Bauern können ihre Produkte deshalb vielerorts nicht mehr auf die Märkte oder zu Zwischenhändlern bringen. 

«Diese Sachen verderben schnell, und wenn wir sie nicht verkaufen können, haben wir selbst bald nichts mehr zu essen», sagt die Bäuerin Kadiatu Kamara im isolierten Distrikt Port Loko. «Unser Geschäft liegt am Boden, das bisschen Essen, das wir noch haben, ist bald aufgebraucht», klagt der Kleinwarenhändler Alhaji Mansaray.

Warnschild in einem Slum in Monrovia – in der vergangenen Woche wurde in der liberianischen Hauptstadt kein einziger neuer Fall von Ebola bekannt. Bild: AHMED JALLANZO/EPA/KEYSTONE

Drei Mal mehr Online-Einkäufe

Jedoch gibt es in der Ebola-Krise nicht nur Verlierer. In Nigeria, dem mit mehr als 170 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas, boomt wegen Ebola der Online-Handel. 

Bei Jumia, dem grössten E-Commerce-Unternehmen des Landes, haben sich die Auftragseingänge für Waren des täglichen Bedarfs seit dem Virusausbruch verdreifacht. Starke Zuwachse verbuchten auch die Konkurrenzfirmen Konga und Kaymu.

Zwar registrierte das Riesenland bislang nur acht der weit mehr als 3000 Ebola-Todesfälle in Westafrika. Aber die Schreckensbilder sterbender Menschen aus den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone, Monrovia und Freetown, hätten viele Nigerianer veranlasst, grosse Menschenansammlungen auf Märkten oder in Shopping Malls zu meiden, berichtete das Magazin «The Economist». 

Die Online-Händler profitieren nach eigenen Angaben auch durch eine stark gestiegene Nachfrage nach Sanitär- und Desinfektionsmitteln.

Neuinfektionen nehmen ab

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit. 

Grund für den Rückgang sei in erster Linie die liberianische Hauptstadt Monrovia. In der vergangenen Woche sei dort keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt, hiess es weiter. In Guinea sank die Zahl der offiziellen Neuinfektionen in der vergangenen Woche mit rund 50 auf den tiefsten Stand seit Ende August. Allerdings wurde laut WHO nun in Beyla an der Grenze zur Elfenbeinküste der erste Ebola-Fall bestätigt.

 Insgesamt sind in den drei Ländern bis zum 28. September 7157 Erkrankungen (bestätigte und Verdachtsfälle) und 3300 Todesfälle erfasst worden. Unter den Toten waren 216 Helfer aus dem Gesundheitsbereich. (sda/dpa)

Verteilzentrum von Jumia – bei der nigerianischen E-Commerce-Firma gingen seit Ausbruch der Ebola-Epidemie drei mal mehr Bestellungen ein. Bild: X02000

Pharma-Firma im Hoch

Eine ganz besondere Sorte «Ebolagewinner» sind auch jene, die in dieser Situation gezielt auf Aktien oder Optionen von Unternehmen setzen, deren Umsätze durch die Krise steigen könnten. 

Anteilsscheine der kanadischen Biotech-Firma Tekmira Pharmaceuticals etwa sind in den vergangenen Wochen um mehr als 20 Prozent nach oben gegangen. Tekmira gehört zu jenen Unternehmen, die an Impfstoffen gegen Ebola arbeiten. Zehntausende Dosen hofft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis spätestens Anfang 2015 bereitstellen zu können.

Beim Börsenbroker Lynx hiess es dazu, man drücke «natürlich weiterhin fest die Daumen, dass hier schon bald ein brauchbares, zuverlässiges und vor allem für die Bevölkerung günstiges» Mittel auf den Markt komme. Die Tekmira-Aktie befinde sich «technisch noch immer in einer sauberen Aufwärtsbewegung».

Tekmira-Hauptsitz in British Columbia – die Anteilsscheine der kanadischen Biotech-Firma stiegen in den vergangen Wochen um mehr als 20 Prozent. Bild: BEN NELMS/REUTERS

Spekulation auf höhere Nahrungsmittelpreise

Skrupellos spekuliert wird sogar mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln, sogenannten Futures. Diese dürften sich im Falle einer weiteren Ausbreitung der Epidemie rapide verteuern. Deutlich gestiegen ist etwa der Kurs von Kakao.

Was das mit Ebola zu tun hat, erklärt das «Wall Street Journal» so: 60 Prozent der weltweiten Produktion komme aus den Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Und die Elfenbeinküste, Ghanas Nachbar, habe unkontrollierte Grenzen zu den Ebola-Ländern Liberia und Guinea. Sollte die Krankheit die Kakao-Regionen erreichen, könne die Produktion einbrechen.

«Das letzte Mal, als die Exporte aus der Elfenbeinküste zum Stillstand kamen – während einer Bürgerkriegsphase Ende 2010 und Anfang 2011 – gingen die Preise für Kakao-Terminkontrakte um bis zu 32 Prozent nach oben.» (wst/sda/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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