Gesellschaft & Politik

6,3 Millionen Kinder sterben laut UNICEF-Untersuchung vor dem fünften Lebensjahr – Impfung in einem Kinderheim auf den Philippinen. Bild: Bullit Marquez/AP/KEYSTONE

UNICEF-Bericht zur Kindersterblichkeit

Die stille Tragödie

Jedes Jahr sterben Millionen Neugeborene und Kleinkinder. Obwohl es grosse Fortschritte gibt, erreicht die Welt bis 2015 nicht das gesetzte Millenniumsziel zur Senkung der Kindersterblichkeit. 

16.09.14, 15:59 17.09.14, 14:03

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Eine Million Kinder sterben jedes Jahr noch am Tag ihrer Geburt. 2,8 Millionen überleben die ersten vier Wochen nach der Geburt nicht. Zwar haben sich die Überlebenschancen für Mädchen und Jungen weltweit deutlich verbessert, berichtet das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF. Dennoch kommen pro Jahr etwa 6,3 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag ums Leben. Vor zwei Jahrzehnten waren es noch 12,6 Millionen. 

Babys, die von Minderjährigen oder Frauen über 40 zur Welt gebracht werden, haben laut UNICEF das grösste Risiko, kurz nach der Geburt zu sterben. Insgesamt sinkt laut dem UNICEF-Bericht die Kindersterblichkeit – auch bei den ärmsten Familien sind Erfolge zu sehen. Lediglich im südlichen Afrika gebe es noch eine grosse Kluft, schreiben die Autoren: In wohlhabenderen Familien sei die Überlebenschance weit höher als in armen. 

Dennoch reichten die Fortschritte noch nicht aus, um das von den Vereinten Nationen vor 14 Jahren für 2015 selbstgesteckte Millenniumsziel zu erreichen: die Senkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel im Vergleich zu 1990. 

Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangeren vielerorts mangelhaft – im Bild irakische Flüchtlinge. Bild: AFP

Oft fehlt medizinische Betreuung

Dabei könnten viele Todesfälle durch einfache Massnahmen verhindert werden. Etwa die Hälfte aller Schwangeren weltweit erhalte nicht die vier Vorsorgeuntersuchungen, die das Minimum seien. Äthiopien, Bangladesch, Nigeria und Kenia sind laut Bericht die Länder mit der höchsten Sterblichkeit von Neugeborenen – und der schlechtesten medizinischen Versorgung Schwangerer. 

In Subsahara-Afrika stirbt jedes elfte Kind vor seinem fünften Geburtstag – Vertriebene in einem Lager in Südsudan. Bild: EPA/UNICEF

Im Jahr 2012 kam jedes dritte Kind ganz ohne medizinische Betreuung zur Welt. Frühgeburten oder Komplikationen bei der Geburt gehörten zu den Hauptursachen, warum Kinder nicht überlebten. «Die Überlebenschancen für Neugeborene steigen drastisch, wenn ihre Mütter nachhaltigen Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung während der Schwangerschaft und bei der Geburt haben», sagt Geeta Rao Gupta von UNICEF. 

In Afrika südlich der Sahara stirbt laut UNICEF jedes elfte Kind vor seinem fünften Geburtstag; in westlichen Ländern ist es jedes 159. (wbr/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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