Gesellschaft & Politik

In der Nacht auf Samstag ereigneten sich in Hongkong chaotische Szenen. Bild: DENNIS M. SABANGAN/EPA/KEYSTONE

18 Verletzte, 19 Festnahmen

Hongkong: Nach Ausschreitungen in der Nacht bleibt die Situation angespannt

04.10.14, 06:36 04.10.14, 10:46

Nach Angriffen organisierter Schläger auf Demonstranten und chaotischen Szenen in der Nacht ist die Lage in Hongkong angespannt. Im belebten Geschäftsviertel Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon kam es am Samstagmorgen wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen.

Die Aktivisten fordern mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungsregion, während ihre Gegner die Behinderungen durch Strassenblockaden beklagen und sich hinter die Regierung stellen. Die Proteste halten seit einer Woche an. 

Wer hinter den Angriffen auf die Demonstranten steht, war unklar. Die Polizei der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole berichtete, bei gewaltsamen Übergriffen angeheuerter Banden auf Aktivisten seien am Vortag 18 Menschen verletzt worden, darunter sechs Polizisten. 19 Menschen seien festgenommen worden. 

Geplante Gespräche wurden ausgesetzt

Mehrere Frauen beklagten ausserdem sexuelle Übergriffe. Video: YouTube/Fripside Morning

Bei acht von ihnen vermutet die Polizei Verbindungen zu Mafia-ähnlichen, Triaden genannten Verbrecherbanden in der früheren britischen Kronkolonie. Aktivisten verdächtigten pekingfreundliche Kräfte, die Schläger geschickt zu haben.

Die Polizei wies Vorwürfe zurück, nicht energisch genug gegen Provokateure vorgegangen zu sein. Als Reaktion auf die Vorfälle haben die Studentenführer die für Samstag geplanten Gespräche mit der Regierung zur Entspannung der Lage vorerst «ausgesetzt». Sie hätten das Vertrauen in die Behörden verloren.

Aus Protest gegen die Gewalt waren in der Nacht allein im Geschäftsviertel Mong Kok mehr als 10'000 Hongkonger auf die Strassen geströmt. Viele waren aufgebracht, weil sie das Gefühl hatten, dass Polizisten sich bewusst zurückgehalten hätten. Es kam zu chaotischen Szenen und gewaltsamen Zwischenfällen, bei denen die Polizei teilweise Schlagstöcke gegen Demonstranten einsetzte.

Im Geschäftsviertel Mong Kok gingen mehr als 10'000 Hongkonger auf die Strassen. Bild: STRINGER/HONGKONG/REUTERS

Während die prodemokratischen Aktivisten gelbe Schleifen tragen, treten ihre Gegner mit blauen Schleifen auf. «Unterstützt die Polizei!», riefen einige von ihnen, als sie am Morgen zum Polizeihauptquartier in Admiralty marschierten, um ihre Sympathie für die Einsatzkräfte in der Sieben-Millionen-Metropole zu bekunden. Demonstranten, die sich weiterhin friedlich verhielten, wurden Ziel von Verbalattacken der regierungsfreundlichen Gruppen. 

Es ist die schwerste politische Krise seit der Rückgabe der britischen Kronkolonie 1997 an China. Die Demonstrationen hatten sich an Beschlüssen des Pekinger Volkskongresses entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit dem Souveränitätswechsel wird Hongkong weitgehend autonom regiert. (viw/sda/dpa) 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 04.10.2014 10:13
    Highlight Jeder Aufstand braucht eine Einordnung in "Gut" und "Böse". Gut: schmächtiger chinesischer Junge mit der Brille. Böse: kopfabschneidender vermummter Islamist. Die "Guten" werden von NGO's mit Geheimdiensthintergrund geschult. Die "Schlechten" vom Geheimdienst direkt. Die Strategie bei den "Guten" besteht darin, möglichst viele Menschen auf die Strasse zu bringen und mit etwas positivem zu verbinden wie frohe Farben, Regenschirme, Jasmin usw. Die Forderungen der Demonstranten sind aber so ausgelegt, dass der Staat immer schlecht aussieht.
    Es gibt 2 Arten von Forderungen: die "Nebensächlichen" die Demonstranten bereit sind zu verhandeln ebenso wie die Staatsmacht. Und dann gibt es Forderungen, die für die Demonstranten unverhandelbar sind, jedoch für den Staat unerfüllbar sind ohne das Gesicht zu verlieren. Für die Medien scheinen die Demonstranten friedlich, doch diese unverhandelbaren Forderungen tragen bereits die Eskalation in sich.
    Bei den "schlechten" Revolutionen reicht es öffentlich Menschen zu ermorden. Die "guten" Revolutionen dienen der Destabilisierung des Staates, die schlechten bereiten die Öffentlichkeit auf Eingriffe vor. Es sind seit Jahrzehnten immer die gleichen Muster.
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