Gesellschaft & Politik
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epa04123105 (FILE) A file photo taken on 24 September 2013 and made available on 13 March 2014 shows Mukesh Singh (C), one of a Delhi gang rape convicts, escorted by Delhi police as he is taken to the High Court in New Delhi, India. According to the media reports on 13 March 2014, India's Delhi High Court upheld the death sentences awarded to four convicts in 16 December Delhi gang rape case  EPA/MONEY SHARMA

Mukesh Sing steuerte den Bus, in dem die grausame Vergewaltigung und Tötung einer indischen Studentin stattfand (Aufnahme aus dem Jahr 2013). Bild: MONEY SHARMA/EPA/KEYSTONE

Zwei Jahre nach der «Schande von Neu-Delhi»

«Eine Frau, die abends ausgeht, ist selbst schuld, wenn sie vergewaltigt wird» – Vergewaltiger von Neu-Delhi zeigt keine Reue

Mukesh Singh ist einer der Männer aus Neu-Delhi, die eine junge Frau in einem Bus vergewaltigten und tödlich verletzten. In einem BBC-Interview gibt er nun dem Opfer die Schuld: Die Frau sei schliesslich abends ausgegangen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Mukesh Singh wurde zum Tod verurteilt, wegen seiner Beteiligung an einem abscheulichen Verbrechen. Verantwortung für die Vergewaltigung einer 23-Jährigen will er aber offenkundig auch mehr als zwei Jahre nach der Tat nicht übernehmen. Im Gegenteil: Singh sieht die Schuld beim Opfer.

«Ein Mädchen ist weit mehr verantwortlich für eine Vergewaltigung als ein Junge», sagte er einem BBC-Reporter, der ihn für eine Dokumentation, die am kommenden Sontag ausgestrahlt werden soll, im Gefängnis besucht hat. So berichtet es die britische Zeitung Telegraph. Singhs Begründung: Frauen, die abends ausgehen, seien selbst Schuld, wenn sie die Aufmerksamkeit von Vergewaltigern auf sich ziehen würden.

Der Fall vom 16. Dezember 2012 hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Sechs Männer vergewaltigten eine junge Frau in einem Bus mehrfach, misshandelten sie mit einer Eisenstange, verletzten sie schwer, warfen sie und einen Freund nackt aus dem Fahrzeug. Die 23-Jährige starb zwei Wochen später, ihr männlicher Begleiter überlebte.

Es gab enorme Proteste in Indien. Zehntausende forderten, Frauen müssten besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. Gewalt gegen Frauen wird seitdem in der Öffentlichkeit stärker thematisiert, Gesetze wurden verschärft.

A noose hangs demanding death penalty for rapists, as Indians participate in a candlelit vigil protesting violence against women as they mark the second anniversary of the deadly gang rape of a student on a bus, in New Delhi, India, Tuesday, Dec. 16, 2014. The case sparked public outrage and helped make women’s safety a common topic of conversation in a country where rape is often viewed as a woman’s personal shame to bear. (AP Photo/Saurabh Das)

Mahnwache in Neu-Deli im Dezember 2014: Demonstranten fordern die Todesstrafe für die Bus-Vergewaltiger.  Bild: Saurabh Das/AP/KEYSTONE

«Eine Frau sollte sich nicht wehren, wenn sie vergewaltigt wird»

Mukesh Singh fuhr den Bus, als die Vergewaltigung begann. Ein Gericht verhängte in erster Instanz die Todesstrafe gegen ihn und drei Komplizen, ein Täter beging Suizid in seiner Zelle, ein anderer wurde zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt.

In dem BBC-Interview behauptete Singh nun auch: Hätten die junge Frau und ihr Freund nicht versucht, sich zu wehren, würde sie vermutlich noch leben. Er beschrieb ihren Tod als Unfall. «Eine Frau sollte sich nicht wehren, wenn sie vergewaltigt wird», sagte Singh. Sie sollte «einfach ruhig sein» und die Vergewaltigung über sich ergehen lassen. Dann wäre auch das Opfer in jener Nacht anschliessend einfach freigelassen worden und «nur der Junge hätte Schläge abbekommen».

Solche und ähnliche Einstellungen gegenüber Frauen seien unter indischen Männern weiterhin verbreitet, kritisieren Frauenrechtsaktivisten. Zu wenig habe sich in der Gesellschaft bislang geändert. Immer fielen in den vergangenen Monaten auch indische Politiker mit skandalösen Aussagen zum Thema Vergewaltigung auf.

Singh selbst scheint bislang keinerlei Reue zu zeigen. «Ein anständiges Mädchen ist nicht um 21 Uhr draussen unterwegs», sagte er. Hausarbeit sei das Richtige für sie, nicht der Besuch von Bars und Discos, und das auch noch in «falscher Kleidung».

Hanging ropes are displayed as part of an installation seeking death penalty for rapists on the second anniversary of the deadly gang rape of a student on a bus, in New Delhi, India, Tuesday, Dec. 16, 2014. The case sparked public outrage and helped make women’s safety a common topic of conversation in a country where rape is often viewed as a woman’s personal shame to bear. (AP Photo/Saurabh Das)

Bild: Saurabh Das/AP/KEYSTONE

Einer seiner Anwälte hatte in der Vergangenheit bereits ähnlich extreme Ansichten geäussert: Falls eine unverheiratete Tochter oder Schwester aus seiner Familie abends ausgehe und Gesicht sowie Charakter bei solchen Dingen verliere, würde er sie «höchstwahrscheinlich vor der gesamten Familie mit Benzin übergiessen und anzünden».

Singh, der sein Todesurteil angefochten hat, hält auch eine mögliche Vollstreckung des Schuldspruchs gegen ihn und seine Komplizen für einen Fehler – weil dies das Leben künftiger Vergewaltigungsopfer gefährde. Bisher hätten Vergewaltiger ihre Opfer nach der Tat laufengelassen und gesagt: «Sie wird schon nichts erzählen.» Nun würden sie die Frauen töten.

Zusammengefasst: Im Dezember 2012 sorgte ein Vergewaltigungsfall in Neu-Delhi weltweit für Schlagzeilen. Einer der Täter hat nun mit der BBC gesprochen. Er sieht die Schuld beim Opfer: Frauen gehörten abends nicht auf die Strasse, sagte Mukesh Singh. Sie sollten sich auch nicht gegen Vergewaltigungen wehren. (wit)

Comic gegen Vergewaltigungen in Indien



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    Alle Leser-Kommentare
  • Señor Ding Dong 02.03.2015 15:36
    Highlight Highlight Es ist schwierig, sich bei solchen Taten generell gegen die Todesstrafe auszusprechen.

    Das sage ich als mutmasslicher "Gutmensch".
  • tom99 02.03.2015 14:34
    Highlight Highlight Das sind dann die Leute, die zu uns kommen und ihr Gedankengut so umgesetzt sehen wollen... Nur zu.
    • Baba 02.03.2015 15:08
      Highlight Highlight tom99, "diese Leute" kommen nicht zu uns! Gemäss Bundesamt für Statistik haben im Jahr 2013 6990 Männer aus Indien in der Schweiz gelebt (http://goo.gl/oi0cKC). Und Sie wollen denen allen ja wohl nicht die gleiche Gesinnung unterstellen wie diesen Vergewaltigern, oder??
      Die Vergewaltigungen in Indien sind grauenvoll und die Gesinnung dieser Männer unbeschreiblich. Trotzdem sollten solche Tragödien nicht noch für ausländerfeindliche Polemik in unserem Land missbraucht werden.
    • oskar 02.03.2015 16:07
      Highlight Highlight tom du scheinst ernsthaft ein grösseres problem zu haben. sobald irgendwo auf der welt irgend etwas schlimmes geschieht, kriegst du panik und hast das gefühl, dass die täter sofort in die schweiz kommen wollen, um dir was anzutun. überleg mal ganz scharf, von wievielen kriminellen indern in der schweiz du jemals gehört hast! na... wieviele?
  • #thewallof... 02.03.2015 14:29
    Highlight Highlight In meinem Land würden solche Leute gleich an die wand gestellt.... Oder einfach eine Klippe runter gestossen.
    • oskar 02.03.2015 16:09
      Highlight Highlight ach, du kommst du aus nordkorea?
  • Zorr 02.03.2015 14:03
    Highlight Highlight Wow, da wird einem grad schlecht bei solchen widerwärtigen Äusserungen....

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