Gesellschaft & Politik

Kurdische Kämpfer in Kobane: Die Stadt ist umzingelt von IS-Milizen. Bild: Getty Images Europe

IS-Vormarsch

Kampf um Kobane: Kurden rüsten sich für Strassenkampf gegen den IS

Im eingekesselten Kobane an der syrisch-türkischen Grenze rechnen die Verteidiger offenbar mit dem Schlimmsten: Sie bereiten sich auf Strassenkämpfe gegen den Islamischen Staat vor. Das Kräfteverhältnis ist eindeutig. 

02.10.14, 07:31 02.10.14, 12:22

Ein Artikel von

Die Lage um die eingeschlossene Stadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze spitzt sich weiter zu: Die Terrormiliz Islamischer Staat hat ihren Vormarsch auf die von Kurden bewohnte Stadt fortgesetzt – obwohl die von den USA angeführte Koalition die Dschihadisten dort zuletzt aus der Luft bombardiert hatte. Die Kämpfe zwischen Extremisten und Kurden hätten sich am frühen Donnerstagmorgen zugespitzt, berichtet die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Sorge ist demnach gross, dass die Dschihadisten schon bald in die Stadt eindringen werden. Die Beobachtungsstelle sprach von den heftigsten Kämpfen seit Beginn der IS-Offensive auf die Grenzstadt vor rund zwei Wochen. Demnach bereiteten sich kurdische Kräfte im Stadtinneren bereits auf Strassenkämpfe vor, sollte es dem IS gelingen, die letzten Verteidigungslinien zu durchbrechen. Den Tausenden mit modernsten Waffen und Panzern ausgerüsteten Dschihadisten stehen nur wenige hundert schlecht ausgerüstete kurdische Kämpfer entgegen. 

Die Milizen, die die Stadt seit Tagen von drei Seiten umzingeln, erzielten westlich von Kobane weitere Geländegewinne. Der Ort, der auf Arabisch Ain al-Arab heisst, liegt direkt an der Grenze zur Türkei. Er ist die letzte Bastion einer Region, die bisher unter Kontrolle syrischer Kurden stand. Sollte der IS sie einnehmen, würde er weite Teile der rund 900 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenze beherrschen. Die Terrormiliz kontrolliert offenbar bereits Hunderte Dörfer im Umland von Kobane und hatte zudem zuletzt eine türkische Exklave in Syrien eingekesselt.

Die Bewaffnung der kurdischen Kämpfer beschränkt sich grossmehrheitlich auf leichte Feuerwaffen – YPG-Kämpfer mit AK-47 in Kobane.   Bild: Getty Images Europe

Türkei berät über Militäreinsatz

Die Terrormiliz IS kontrolliert im Norden und Osten Syriens grosse Teile des Landes. Auch im benachbarten Irak beherrscht sie im Norden und Westen riesige Gebiete. Sie hat in beiden Ländern ein Islamisches Kalifat ausgerufen. Die US-Luftwaffe hatte Anfang vergangener Woche ihre Luftangriffe vom Irak auf Syrien ausgedehnt.

Angesichts des IS-Vormarsches will sich die türkische Regierung am Donnerstag vom Parlament die Erlaubnis für Militäreinsätze geben lassen. Der Regierung des Nato-Mitglieds soll erlaubt werden, über den Zeitpunkt, die Dauer und das Ausmass militärischer Operationen in den Nachbarländern zu entscheiden, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Ankara werde auch dazu befugt, über die Anwesenheit ausländischer Truppen in der Türkei zu entscheiden. Die Erlaubnis gelte für ein Jahr.

Derzeit erwägt zudem die irakische Regierung, Australien zu bitten, sich an den Luftschlägen gegen den IS zu beteiligen, wie ein irakischer Diplomat der Nachrichtenagentur AP sagte. Australien hat 18 einsatzbereite Kampfjets für den Kampf gegen die Terrormiliz in den Vereinigten Arabischen Staaten stationiert. Zuletzt hatte die britische Luftwaffe ihre ersten Luftschläge gegen den IS geflogen. Als erstes europäisches Land hatte sich Frankreich an den Luftangriffen beteiligt. Auch Dänemark, Belgien und die Niederlande kündigten militärische Unterstützung an. (mxw/dpa/AFP) 

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Russland verschiebt mindestens 28 Kampfjets nach Syrien – vier davon senden eine spezielle Botschaft an Obama

Russland schafft Kampfbomber, Jagdflugzeuge und Abfangjäger nach Syrien – darauf deuten Satellitenbilder hin. Was plant der Kreml?

John Kerry war bemüht, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen. Am Mittwoch trat der US-Aussenminister vor die Presse, um die Verlegung russischer Kampfflugzeuge nach Syrien zu kommentieren. Kerry sagte vorsichtig, Washingtons Militärexperten gingen derzeit davon aus, Moskaus Luftwaffenkontingent solle lediglich bereits stationierte russische Bodentruppen absichern.

Moskau hat – ohne dies bislang allerdings zu bestätigen – mehreren Medienberichten zufolge mindestens 28 Kampfflugzeuge nach …

Artikel lesen