Gesellschaft & Politik

Kobane ist seit Wochen hart umkämpft, nun mehren sich die Anzeichen, dass der IS im Kampf um die kurdische Stadt chemische Waffen einsetzt.   Bild: SEDAT SUNA/EPA/KEYSTONE

Kampf um Kobane

Setzt der IS in Kobane Giftgas ein?

Atemnot, Ohnmacht, tränende Augen – zahlreiche Menschen in Kobane sollen diese Symptome zeigen. Augenzeugen werfen dem Islamischen Staat vor, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Ärzte können dies noch nicht bestätigen. 

22.10.14, 07:19 22.10.14, 08:26

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Augenzeugen in der umkämpften syrischen Stadt Kobane berichten von dramatischen Ereignissen: In der Nacht zum Mittwoch sollen zahlreiche Bewohner Ohnmachtsanfälle und Atemnot erlitten haben. Andere erlitten Verbrennungen, auch von tränenden Augen und geschwollenen Lippen ist die Rede. 

Die Kurden, die den Grossteil von Kobane kontrollieren, werfen den Milizen des Islamischen Staats (IS) den Einsatz von Chemiewaffen vor. Darauf sollen die Symptome bei den Patienten hindeuten. Die Dschihadisten versuchen seit Wochen, den Ort an der syrisch-türkischen Grenze zu erobern. Zuletzt wurden sie von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die am Boden kämpfen, sowie der US-geführten Koalition, die aus der Luft angreift, zurückgedrängt. 

Den Ärzten im Krankenhaus von Kobane fehlen die Mittel, um zu überprüfen, ob die IS-Terroristen tatsächlich Giftgas oder eine andere Substanz eingesetzt haben. «Es ist zu früh, das zu bestätigen», sagte ein Mediziner aus der Stadt der Journalistin Jenan Moussa via Telefon. «Es gab schon früher Fehlalarm hinsichtlich des Einsatzes von Chemiewaffen.»

twitter/jenanmoussa

IS-Kämpfer kontrollieren ehemalige Chemiewaffen-Anlage

Eine Vertreterin der kurdischen Selbstverwaltung in Kobane kündigte an, dass die Opfer des mutmasslichen Giftgasangriffs in ein Krankenhaus in der türkischen Stadt Suruc gebracht werden sollten. Dort sollten die Mediziner prüfen, welche Substanz die geschilderten Symptome ausgelöst hat. 

Ein Arzt in Kobane forderte die USA auf, aus der Luft medizinische Ausrüstung abzuwerfen, mit der die Patienten behandelt werden können. Der Mediziner sagte der BBC, bei der eingesetzten Substanz könne es sich um eine Chemiewaffe, Chlorgas oder Phosphor gehandelt haben. 

Seit Monaten haben sich Gerüchte gehäuft, dass der IS Chemiewaffen besitzen könnte. Im Juni eroberten die Dschihadisten die Anlage Muthanna im Irak, in der Saddam Hussein in den 80er Jahren Massenvernichtungswaffen entwickeln liess. Sollten die Terroristen dort oder an anderen Orten unbeschädigte Senfgas-Geschosse gefunden haben, könnten sie diese nach Einschätzung von Experten auch verwenden. 

In den vergangenen Wochen haben IS-Kämpfer offenbar bereits mehrfach Chlorgas gegen die irakische Armee eingesetzt. (syd) 

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 22.10.2014 09:23
    Highlight Die USA mögen in Nahost zwar Fehler begehen, doch wer Verantwortung übernimmt begeht zwangsläufig Fehler. Diejenigen, die ihre Untätigkeit hinter Bedenken und Ideologien verstecken können damit zwar keine Fehler machen, sind aber verantwortungslos.
    Fehler im Handeln kann man beheben, Verantwortungslosigkeit bleibt haften.
    4 1 Melden

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