Gesellschaft & Politik

Die Insel Koh Tao geriet in letzter Zeit immer wieder in die Negativschlagzeilen. Bild: CHAIWAT SUBPRASOM/REUTERS

Eine Falschmeldung geht um die Welt

«Die nächste Tote im Ferienparadies?» – Was wirklich hinter der Meldung steckt

Medien berichten, auf der thailändischen Insel sei eine Rucksacktouristin verschwunden. Dabei ist alles halb so wild: Gemäss Augenzeugen ist sie okay – und will sich einfach nicht bei ihren Eltern melden.

28.01.15, 20:36 29.01.15, 14:18

Der Ruf von Koh Tao hat in den letzten Monaten schwer gelitten: Auf der thailändischen Insel, die als Taucherparadies bekannt ist, wurden im September zwei junge Touristen ermordet. Vor einer Woche starb eine Engländerin – jedoch eines natürlichen Todes. Jetzt soll schon wieder eine Touristin verschwunden sein: Die 27-jährige Engländerin L.H.

Eltern und Medien befürchten das Schlimmste: «Verzweifelte Suche nach vermisster Backpackerin» titelte das englische Boulevardmedium «Mirror» und erwähnt die anderen drei Todesfälle. Die Meldung verbreitete sich und landete schliesslich auch in der Schweiz20 Minuten berichtete, und auch der Blick, mit dem Titel: «Die nächste Tote im Ferienparadies?»

Mit diesem Foto wurde nach der scheinbar Vermissten gesucht. Bild: Missing ABroad

Untergetaucht, nicht verschollen

Offenbar suchen ihre Eltern nach ihr, nachdem sie den Kontakt im letzten Dezember unvermittelt abgebrochen hatte. In einer geschlossenen Facebook-Gruppe für Koh-Tao-Reisende berichten mehrere Mitglieder, dass sie von der besorgten Mutter der 27-Jährigen kontaktiert worden seien.

Ein Blick in die Gruppe zeigt: L.H. ist keine Unbekannte. Und offenbar geht es ihr gut, zumindest körperlich. Mehrere Personen bezeugen, sie seit letztem Dezember gesehen zu haben – mindestens jemand habe ihr ausgerichtet, dass ihre Mutter nach ihr suche. Der neuste Eintrag ist von heute:

«Ich habe sie vor zwei Stunden gesehen. Überlegt euch gut, ob ihr ihr Geld, Essen oder eine Unterkunft gebt. Höchst wahrscheinlich wird sie es nicht zurückzahlen und sich weiter verstecken.»

Ein Post von heute, 28. Januar, um 14.00 Uhr.

In der Gruppe sorgt man sich um den Ruf der Insel, wie dieser Auszug aus deinem Dialog zeigt:

«Kann ihr bitte jemand sagen, sie soll hier schreiben, dass es ihr gut geht, damit die Spekulationen endlich aufhören?»

«Das versuchen wir schon seit Monaten. Aber wenn jemand keine Hilfe will, dann wird sie auch nicht auf Fremde hören.»

Eine Falschmeldung verbreitet sich

Es ist eine harmlose Story, die aus den Fugen geriet: Nach Angaben der Eltern meldete sich L.H. seit September nur sporadisch, im Dezember antwortete sie gar nicht mehr auf E-Mails. Erst durch einen Post auf der Vermissten-Website «Missing Abroad» vom Januar wurden englische Medien darauf aufmerksam – und brachten die Geschichte genüsslich in Zusammenhang mit den Morden von letztem September.

Hätte der «Mirror» vor Ort nachgefragt, hätte sich rasch ergeben, dass nicht eine «verzweifelte Suchaktion» im Gang ist, wie die Zeitung schreibt. Die «Daily Mail», die auch berichtete, hat den Artikel mittlerweile wieder gelöscht. Offenbar hat man dort den Fehler eingesehen.

L.H. weiss, dass nach ihr gesucht wird. Die Gründe, warum sie sich nicht meldet, kennen wir nicht – das ist aber auch ihre Privatsache. Eines steht fest: Die «nächste Tote im Ferienparadies» ist sie nicht.

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • cappuccina94 29.01.2015 00:51
    Highlight Schade für den Ruf dieser traumhaften Insel! Kann jedem nur empfehlen dahin zu gehen und tauchen zu lernen! :D
    5 0 Melden
  • cappuccina94 29.01.2015 00:51
    Highlight Schade für den Ruf dieser traumhaften Insel! Kann jedem nur empfehlen dahin zu gehen und tauchen zu lernen! :D
    0 0 Melden

Russland «klaut» ganze Fabriken

Was der «weisse Konvoi» wirklich transportierte

Die Welt rätselt, was die 280 russischen Lastwagen im «weissen Konvoi» in die Ukraine transportierten. Auf den starken LKW befanden sich nur ein paar wenige Paletten mit Hilfsgütern. Tatsächlich holte sich Russland aber eine ganze Fabrik.

Sogar zweihundertprozentig regierungstreue Russen lachten lauthals heraus, als sie die Begründung der russischen Regierung hörten, warum jeder Kamaz-Lastwagen im so genannten «Hilfskonvoi» nur zwei, drei Paletten Hilfsgüter geladen hatte: «Die Kamaz-LKW konnten nicht vollständig beladen werden, um einen übermässigen Verschleiss der fabrikneuen Lastwagen zu vermeiden. Voll beladen wären die Kamaz-LKW zudem auf Bergstrassen zu langsam gefahren, um die Hilfsgüter …

Artikel lesen