Gesellschaft & Politik
FILE - Palestinian President Mahmoud Abbas speaks during a meeting with the Palestinian Central Council, a top decision-making body, at his headquarters in the West Bank city of Ramallah, in this April 26, 2014 file photo. Abbas has called the Holocaust "the ugliest crime humanity has known in modern history." His comments, published Sunday April 27, 2014 by the Palestinian official news agency WAFA, marked a, rare acknowledgment by an Arab leader of Jewish suffering during the Nazi genocide. (AP Photo/Majdi Mohammed, File)

Mahmud Abbas beim Strategietreffen der PLO am Samstag. Bild: AP

Überraschender Vorstoss

Palästinenser-Chef Abbas nennt Holocaust abscheuliches Verbrechen

Erstmals hat Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas die Judenvernichtung als schlimmes Verbrechen kritisiert. Doch Israels Ministerpräsident Netanjahu nimmt ihm dies nicht ab.

27.04.14, 16:33

Ein Artikel von

Nach dem umstrittenen Versöhnungsabkommen mit der radikal-islamischen Hamas bemüht sich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas um eine Besänftigung der internationalen Gemeinschaft. Vor führenden Vertretern seiner Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) beteuerte er am Wochenende, dass auch eine Regierung mit Hamas-Beteiligung das Existenzrecht des Staates Israel anerkennen werde. 

Am Sonntag – unmittelbar vor dem Holocaust-Gedenktag in Israel – bezeichnete er den millionenfachen Mord an den Juden durch die Deutschen als «das abscheulichste Verbrechen» in der Neuzeit. Abbas drückte sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer aus sowie «mit den vielen unschuldigen Menschen, die von den Nazis ermordet wurden». Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellte jedoch sofort die Ernsthaftigkeit der Geste infrage.

Vertreter von Fatah und Hamas einigten sich auf Einheitsregierung. Bild: Reuters

Nach der Ankündigung einer Einheitsregierung zwischen Abbas' Fatah-Bewegung und der Hamas hatte Israel vor wenigen Tagen die Friedensverhandlungen ausgesetzt. Die USA haben angekündigt, ihre Millionenhilfen für die Palästinenser zu überprüfen.

Abbas betonte bei einem Strategietreffen der PLO in Ramallah, auch beim Zustandekommen einer gemeinsamen Regierung mit der islamistischen Hamas werde die Palästinenser-Regierung unter seiner Führung stehen und seine Politik vertreten. «Ich erkenne Israel an, und die Regierung würde Israel anerkennen. Ich lehne Gewalt und Terrorismus ab», sagte Abbas. Der Einfluss der Hamas werde sich auf innerpalästinensische Bereiche konzentrieren.

Die Hamas wird von der EU als Terrororganisation eingestuft

Die Hamas reagierte umgehend mit einer Bekräftigung ihrer gegensätzlichen Position. «Die Anerkennung Israels durch den Palästinenser-Präsidenten ist nicht neu. Wichtig ist, dass die Hamas Israel nie anerkannt hat und nie anerkennen wird», sagte Sprecher Sami Abu Zuchri der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Hamas ruft in ihrer Gründungscharta zur Vernichtung des jüdischen Staates auf und wird von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft. Die aus den ägyptischen Muslimbrüdern hervorgegangene Gruppe ist für zahlreiche Selbstmordanschläge und Raketenangriffe auf Israel verantwortlich. Sie regiert seit ihrem Wahlerfolg 2006 und einem Bürgerkrieg mit der Fatah seit 2007 den Gazastreifen.

Abbas fordert die Freilassung von 30 Häftlingen

Inhaltlich zeigte sich Abbas kompromisslos. Er beharrte auf der Erfüllung weiterer Bedingungen für eine Verlängerung der Friedensgespräche über den Stichtag 29. April hinaus. Israel müsse wie ursprünglich zugesagt 30 palästinensische Häftlinge freilassen, forderte er. Sie waren wegen schwerer Verbrechen, darunter Mord, zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Zudem müssten sich die verlängerten Gespräche in den ersten drei Monaten auf einen künftigen Grenzverlauf konzentrieren.

Israel müsse schliesslich bis zu einer Verständigung in dieser Frage den Bau neuer Wohnungen im Westjordanland einstellen, forderte Abbas. Gleichzeitig beteuerte er, er sei zur Fortsetzung der Gespräche bereit. Die USA wollten ursprünglich bis Ende April ein Friedensabkommen ausgehandelt haben und setzen nun auf eine Verlängerung der Gespräche.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte am Sonntag erneut, er werde nicht mit einer Regierung verhandeln, in der die Hamas massgeblichen Einfluss habe. «Hamas leugnet den Holocaust und versucht gleichzeitig, durch die Zerstörung Israels einen neuen Holocaust zu verüben», sagte Netanjahu vor seinem Kabinett. Diese Hamas habe sich Abbas als Allianzpartner ausgesucht, sagte Netanjahu. Abbas solle den Pakt aufkündigen statt zu versuchen, die internationale Öffentlichkeit zu beschwichtigen. (mhu/Reuters)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bansky 27.04.2014 23:07
    Highlight free palestin!
    1 0 Melden
  • papparazzi 27.04.2014 18:30
    Highlight Der Kapitän gibt kurz vor dem Untergang seines Schiffes zu, dass er von Wasser umgeben ist... ut (dp)
    1 0 Melden
  • zombie1969 27.04.2014 17:01
    Highlight Abbas hat anscheinend bemerkt, dass er immer mehr in die Rolle des Unterlegenen rutscht. Er muss also aktiv werden und tut es hiermit. Das Thema "Zwei-Staatenlösung" ist noch längst nicht erledigt. Man wird sehen, was Abbas noch alles aus dem Hut zaubern wird.
    Abbas wird dazu auch erkannt haben, dass er sich mit Israel arrangieren muss, ansonsten die Palästinenser dauerhaft wirtschaftlich unterlegen bleiben. Und das trotz aller Wirtschaftshilfen aus den Ölstaaten und aus Europa.
    2 0 Melden

Traue keinem unter 50: Israel verbietet Zugang zu Jerusalemer Altstadt für junge Männer

Nach dem tödlichen Angriff auf zwei Polizisten in der Jerusalemer Altstadt hat Israel Männern unter 50 Jahren den Zugang für die Freitagsgebete untersagt. Der Zugang zur Altstadt und zum Tempelberg sei nur Männern ab dem Alter von 50 Jahren sowie allen Frauen gestattet, erklärte die israelische Polizei am Freitag.

Zuvor hatte Israel bereits Metalldetektoren und Überwachungskameras angebracht. Seitdem weigerten sich viele Palästinenser, die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg zu betreten.

Vergangene …

Artikel lesen