Gesellschaft & Politik

Erfolgreiche Landung in Kasachstan

Nach sechs Monaten im All: ISS-Crew kehrt heil auf die Erde zurück

Die Rückkehr war technisch schwierig, doch es lief alles nach Plan: Raumfahrer Alexander Gerst und seine zwei Kollegen sind in Kasachstan gelandet. 

10.11.14, 09:33 10.11.14, 12:46

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Nach fast einem halben Jahr im Weltall ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst zur Erde zurückgekehrt. Die Sojus-Kapsel mit Gerst und zwei Raumfahrerkollegen aus Russland und den USA landete um 4.58 Uhr deutscher Zeit in Kasachstan, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau mit. Bei bewölktem Himmel und frostigen Temperaturen landete das rund drei Tonnen schwere Raumschiff von Fallschirmen gebremst in der Steppe. 

Ein Livestream der Europäischen Raumfahrtbehörde und das russische Staatsfernsehen zeigten, wie Helfer die drei Astronauten aus der engen Sojus trugen und in Klappsessel setzten. Gerst schützte seinen kahlgeschorenen Kopf mit einer weissen Schirmmütze und reckte lächelnd die rechte Faust nach oben. 

Er habe sich gut gefühlt im All, sagte Gerst auf Russisch. «Danke an alle für die Unterstützung.» Sein Kollege Maxim Surajew lobte die «tolle Zusammenarbeit» zwischen Russland, den USA und Deutschland: «Jeder sollte vom Beispiel der ISS-Raumfahrer lernen.»  

Im Sturzflug Richtung Erde

In Decken gehüllt winkte das Trio in die Kameras. Dann trugen Helfer die Männer in ein Zelt. Nach monatelangem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit sind ihre Körper geschwächt, und «ihr Orientierungssinn ist noch gestört», erklärte ein Arzt. 

Die Rückkehr von der ISS dauert nur dreieinhalb Stunden, gilt aber als technisch extrem schwierig, da sich die robuste Sojus nicht punktgenau steuern lässt. Nach dem Abkoppeln von der Raumstation jagte die Kapsel zunächst im Sturzflug Richtung Erde. Vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre wurden Orbitalmodul und Gerätekomplex abgesprengt, Fallschirme bremsten die enge Kapsel kurz vor dem Aufsetzen. Für die Landung stand ein etwa 900 Kilometer langer und rund 200 Kilometer breiter unbewohnter Streifen zur Verfügung. 

Rund 300 russische Soldaten und 14 Hubschrauber des Typs Mi-8, Ärzte und weiteres Personal waren vor Ort, um die Kapsel mit den Raumfahrern zu bergen und die Männer zu versorgen. Gerst soll noch am Montag nach Köln fliegen.  

Wie rasiert man sich eigentlich im Weltall? Die Sendung mit der Maus gibt Antwort. youtube/wdr

Improvisieren mit Rasierschaum

Alexander Gerst war am 28. Mai 2014 mit einem Sojus-Raumschiff in Baikonur ins Weltall gestartet. Über seinen Twitteraccount @astro_alex publizierte er Hunderte Fotos und berichtete über den Alltag auf der Raumstation ISS. Mit viel Enthusiasmus beantwortete er Fragen von Spiegel-Online-Lesern, etwa nach dem Geruch der ISS. 

Tweet zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. twitter/astro_alex

Er freue sich auf die Rückkehr zur Erde, hatte der Astronaut in der Videopressekonferenz wenige Tage vor seinem Heimflug erklärt. Von Heimweh wollte er zwar nicht sprechen, so manches habe er während seiner fünfmonatigen Mission aber vermisst: Familie, Freunde und seine Lebensgefährtin. 

Beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen ist man äusserst zufrieden mit der Arbeit des Astronauten: «Alex hat nahezu alle geplanten Experimente durchgeführt oder zumindest gestartet», sagte ISS-Programmmanager Volker Schmid. 

Freilich lief nicht immer alles wie geplant. Beim Elektromagnetischen Levitator (EML), einem in Deutschland entwickelten Schmelzofen, klemmte beispielsweise ein Bolzen. Nach langer Diskussion mit der Bodenkontrolle griff Gerst zur Säge, sprühte den Bolzen mit Rasierschaum ein und verhinderte so, dass Späne durch die Station flogen. «MacGyver-Art», nennt der Astronaut sein Vorgehen. MacGyver hiess das Improvisationsgenie der gleichnamigen Fernsehserie, das etwa eine Bombe mit einer Büroklammer entschärfte. 

(vet/dpa)

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