Gesellschaft & Politik

Ex-Oligarch fordert Präsident heraus

Chodorkowski gründet Anti-Putin-Bewegung «Offenes Russland»

20.09.14, 16:18 20.09.14, 16:41

Michail Chodorkowski engagiert sich für ein proeuropäisches Russland. Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Der frühere russische Ölmagnat Michail Chodorkowski hat eine proeuropäische Oppositionsbewegung ins Leben gerufen. Diese soll den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei den für 2016 geplanten Parlamentswahlen herausfordern.

Der ehemals reichste Mann Russlands rief seine Landsleute am Samstag auf, sich gemeinsam für einen politischen Kurswechsel und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen.

Die von ihm gegründete Bewegung «Offenes Russland» soll über eine Online-Plattform ein Forum für Gleichgesinnte bieten, ist laut Chodorkowski aber keine politische Partei. Die Gründungszeremonie in Paris wurde im Internet übertragen.

«Wahre Patrioten sollten ihrem Land und Volk auch in düsteren Zeiten dienen», sagte Chodorkowski, der im Dezember nach zehn Jahren Lagerhaft von Putin begnadigt worden war und mittlerweile in der Schweiz lebt. «Eine Minderheit kann einflussreich sein, wenn sie sich organisiert.»

Russland gehört zu Europa

Dass Russland nicht zu Europa gehöre, sei «eine Lüge derjenigen, die das Land ein Leben lang beherrschen wollen, die auf Gesetz und Justiz spucken». In Wirklichkeit sei Russland «sowohl geographisch als auch kulturell» ein Teil Europas, sagte Chodorkowski.

Putin inszeniert sein Land hingegen gerne als Gegenpart zum Westen, für den Isolation ein regelrechter Segen sei. Umfragen bescheinigen dem Kreml-Chef breiten Rückhalt in der Bevölkerung, auch wenn die von westlichen Wirtschaftssanktionen ausgelöste Rezession nach Expertenmeinung an seinem Nimbus kratzen könnte.

Jahrelange Lagerhaft

Als Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war Chodorkowski 2003 festgenommen und später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt worden. Die Prozesse gegen Chodorkowski wurden vom Westen als politisch motiviert kritisiert.

Nach seiner Begnadigung reiste er zunächst nach Berlin aus, bevor er in der Schweiz eine Aufenthaltserlaubnis erhielt und schliesslich seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegte.

Im Gegenzug für seine Freilassung musste Chodorkowski faktisch versprechen, sich aus der russischen Politik herauszuhalten. Eine Reaktion des Kremls auf die Gründung von «Offenes Russland» gab es zunächst nicht. (pbl/sda/afp)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Vladtepes 20.09.2014 20:28
    Highlight Bis nicht das Gegenteil schlüssig bewiesen ist, ist Chodorkowski ein wegen Betruges und Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe verurteilter russischer Oligarch, der hier freundliche Aufnahme gefunden hat. Letzteres bedingt, dass er der Schweiz keine Probleme im politischen und oekonomischen Austausch mit Putins Russland beschert. Auf jeden Fall muss ihm die Schweiz eine politische Betätigung hierzulande verbieten und ihn vor die Wahl stellen, wo er denn künftig leben möchte. Typisch für den gewieften Geschäftsmann, dass er - die Gunst der Stunde erkennend - als Trittbrettfahrer eine "europafreundliche Partei und Oppositionsbewegung gründen will. Die Ukraine lässt grüssen.
    10 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.09.2014 21:11
      Highlight Ich kann diese Aussage vollkommen unterschreiben! Entweder ist er auf Kriegsfuss mit Russland oder er geniesst sein Leben in der schönen Schweiz. Beides zu tun würde ich ihm verbieten!
      7 3 Melden
  • sewi 20.09.2014 19:54
    Highlight Solche Leute sterben üblicherweise an Vergiftungen
    2 0 Melden
  • Hans der Dampfer 20.09.2014 19:22
    Highlight wenn ich Chodorkowski
    wäre, würde ich das sein lassen. erstens ist es total aussichslos und zweitens wird er doch gleich wieder in eine zelle gesteckt von wo er wohl niemals mehr rauskommen wird.
    3 0 Melden

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