Gesellschaft & Politik
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President Barack Obama and first lady Michelle Obama stand with new Saudi King Salman bin Abdul Aziz they arrive on Air Force One at King Khalid International Airport, in Riyadh, Saudi Arabia, Tuesday, Jan. 27, 2015. (AP Photo/Carolyn Kaster)

Michelle und Barack Obama mit dem neuen König Salman. Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Schleier oder nicht Schleier?

Michelle ist nicht Micheline – warum die First Lady in Saudi-Arabien kein Kopftuch trug

29.01.15, 11:37 30.01.15, 12:12

Die damalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sorgte im März 2008 bei einem Besuch in Teheran für Wirbel. Als sie den umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad traf, trug sie ein weisses Kopftuch. Das kam in der Heimat nicht gut an: CVP-Sprecherin Marianne Binder kritisierte Calmy-Reys «peinlichen Kniefall» vor dem Holocaust-Leugner. «Es ist unnötig, ein Kopftuch zu tragen», meinte die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi.

Iranian President Mahmoud Ahmadinejad, right, looks on during a meeting with Swiss Foreign Minister Micheline Calmy-Rey, left, in Tehran, Iran, Monday March 17, 2008. Swiss energy trading company EGL says it has signed a multibillion dollar (euro) contract to buy natural gas from Iran over the next 25 years. EGL says it will import 5.5 billion cubic meters (194 billion cubic feet) of gas a year from the state-owned National Iranian Gas Export Company. Calmy-Rey has said the deal does not breach sanctions imposed on Iran by the U.N. Security Council over its nuclear program. (AP Photo/Hasan Sarbakhshian)

Micheline Calmy-Rey im März 2008 mit Mahmud Ahmadinedschad. Bild: AP

Nun haben auch die USA ihre «Kopftuch-Affäre»: Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle reisten am Dienstag nach Saudi-Arabien, um nach dem Tod von König Abdullah dem neuen König Salman ihr Beileid auszusprechen. Beim Empfang in der Hauptstadt Riad trug Michelle Obama keinen Schleier. Saudische Twitterer kritisierten, die First Lady habe in anderen Fällen ein Kopftuch getragen, etwa bei einem Moscheebesuch in Indonesien.

Die US-Medien kommentierten das fehlende Kopftuch unterschiedlich. Für die einen setzte Michelle Obama ein mutiges Zeichen für die Rechte der Frauen, die in dem ultrakonservativen Königreich nicht einmal Auto fahren dürfen. Andere klagten, die First Lady habe einen wichtigen amerikanischen Verbündeten beleidigt. Beide Sichtweisen sind weit enfernt von der Realität oder sogar rassistisch, wie das Onlineportal Vox aufzeigt.

First lady Laura Bush has tea with Saudi King Abdullah after arriving with President Bush at Riyadh-King Kahlid International Airport in Riyadh, Saudi Arabia, Friday, May 16, 2008.. (AP Photo/Susan Walsh)

Ohne Kopftuch: Die damalige First Lady Laura Bush 2007 beim Treffen mit König Abdullah. Bild: AP

Demnach hat Michelle Obama nur das normale Protokoll befolgt. Saudi-Arabien verlangt von weiblichen Staatsgästen kein Kopftuch. Die früheren First Ladys Laura Bush und Hillary Clinton trugen keines, ebenso die ehemalige Aussenministerin Condoleezza Rice. Und so konservativ die Ölmonarchie nach innen ist, so offen gibt sie sich gegen aussen. Unverschleierte westliche Frauen seien für die Saudis alles andere als ein ungewohntes Bild, so Vox.

In Saudi-Arabien müsse eine Ausländerin ihr Haar nicht bedecken, hielt auch die NZZ vor sieben Jahren in einem Beitrag zur Calmy-Rey-Kontroverse fest. Im Iran hingegen wurde nach der islamischen Revolution 1979 verfügt, dass jede Frau einen Kopfschleier tragen muss. Die Vorschrift wurde mit den Jahren gelockert, gilt aber nach wie vor. «Calmy-Rey wusste, worauf sie sich einliess», schrieb die NZZ. Die Bundesrätin gab sich gewohnt unbeeindruckt: Sie habe «das Kopftuch als stolze Schweizerin getragen».

Obama zu Besuch beim König von Saudi Arabien

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Inti 29.01.2015 16:07
    Highlight Die völlig irrelevante Frage ob Frau Obama ein Kopftuch trägt oder nicht wird in den Medien lang und breit diskutiert und interessiert anscheinend am meisten. Lieber sollten wir uns Gedanken darüber machen, warum die westlichen Staaten, allen voran die USA, immer wieder in Saudi-Arabien auf Schleimtour sind und an die Beerdigung eines Königs gehen, in dessen Land sehr ähnliche Gesetze gelten wie in den vom IS besetzten Gebieten. Andere Länder bombardiert man angeblich um dieselbige Ideologie zu Fall zu bringen, in Saudi-Arabien geht man freundschaftlich und lächelnd zur Händeschütteltour. Aber ja, dort winkt auch das dicke Geschäft! Menschenrechte hin oder her! Die heuchlerische Haltung der US-Regierung, welcher es immer ums Geld und niemals um die Menschenrechte geht, wie es uns immer so schön vorgegaukelt wird...
    41 1 Melden
    • Statler 29.01.2015 23:44
      Highlight Man müsste fairerweise anmerken, dass die «heuchlerische Haltung» keineswegs den Amis vorbehalten ist. Wie war das nochmal bei Gaddhafi? (um nur ein Beispiel aus vielen herauszupicken)
      14 0 Melden
    • droelfmalbumst 30.01.2015 08:37
      Highlight Inti: Weil Saudi-Arabien "verbündete" von der USA sind. USA pumpt Geld nach Saudi-Arabien, daraus erfolgt dass Saudi-Arabien weiter finanziert, z.B. IS... Die Saudis sind so ziemlich die einzigen "Freunde" die Obama da unten hat
      1 6 Melden
    • AdiB 30.01.2015 16:28
      Highlight schon mal daran gedacht das die saudis miteigentümer der firma U.S.A sind?
      0 4 Melden
  • Kastigator 29.01.2015 15:34
    Highlight Man google nach "Michelle Obama Papst“, schaue sich die Bilder an und staune. Es sei den dauerempörten Rechten ins Stammbuch geschrieben: Auch den garantiert christlichen Papst besucht man als Frau nur verschleiert.
    5 6 Melden
    • Peter 29.01.2015 17:30
      Highlight Es ist heute nicht mehr Pflicht, aber aus Höflichkeit tun es die meisten Frauen doch.
      6 2 Melden
  • Monti_Gh 29.01.2015 13:08
    Highlight Mich nervt diese Kopftuch-Diskussion!
    Wie reduzieren beider Lager die Frau nur auf ein Stück Tuch auf dem Kopf?
    Redet doch mal über die Kopfbedeckung der Männer!
    16 4 Melden
    • Citation Needed 29.01.2015 14:20
      Highlight genau, jede wie sie es für richtig hält im Rahmen des Möglichen.
      8 2 Melden
    • Wiederkehr 29.01.2015 14:44
      Highlight Du hast recht. Ich als Kopftuch tragender Mann wünsche mir schon lange mehr Akzeptanz
      21 6 Melden
    • oskar 29.01.2015 23:57
      Highlight genau: chris von rohr zum bsp.
      5 0 Melden
  • Adonis 29.01.2015 13:02
    Highlight Sowas:-) Michelle setzt den Kopf durch und der Scheich sitzt im "Seich".
    4 7 Melden
  • Bruno Wüthrich 29.01.2015 11:47
    Highlight Das Theater, das in der Schweiz um Kopftücher gemacht wird, ist unbeschreiblich. So lange das Gesicht erkennbar und identifizierbar ist, sollte bei uns alles erlaubt sein.
    Damit gäbe es eine Methode, die Angelegenheit ohne jeden religösen Einschlag zu regeln: Ein Vermummungs-Verbot für alle.
    28 5 Melden
    • Citation Needed 29.01.2015 14:31
      Highlight ...besonders da man auch hierzulande wieder vermehrt Hüte trägt und Mützen (was mir pers. teils sehr gefällt) sollte man bei Kopftüchern nicht austicken. Vermummungsverbot ist doch fragwürdig.. Wenn eine Familie noch so sehr in der Kultur ihres Herkunftslandes verhaftet ist, dass sie Kleidergebote etc. unverändert hier befolgen wollen, dann führt ein Vermummungsverbot doch höchstens dazu, dass die Frau sich kaum aus dem Haus traut. Den Mann (der genauso wenig Integrationswille zeigt) tangiert so ein Verbot nicht. Sonderregelungen (Arbeitsplatz, Behörden, etc.) sind evtl. sinnvoller.
      6 11 Melden
    • saukaibli 29.01.2015 15:42
      Highlight @Citation Needed: Ich habe auch so gedacht, inzwischen aber nicht mehr. Ein Vermummungsverbot in der Öffentlichkeit für alle sollte her mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Fasnacht. Wir müssen hier für unsere Werte einstehen und jemandem ins Gesicht zu schauen gehört einfach dazu. Ein Kopftuch ist keine Vermummung, aber ein Niqab oder eine Burka schon. Wenn der Mann keinen Integrationswillen hat und die Frau zu Hause einsperrt weil sie nicht vermummt nach draussen darf, dann soll er wegen Freiheitsberaubung angezeigt und ausgeschaft werden dorthin wo Frauen unter Planen versteckt werden.
      13 4 Melden
    • Citation Needed 30.01.2015 08:42
      Highlight @saukaibli: Frage ist doch immer: was ist praktikabel, nötig, und was nützt's. Niquab/Burka hab ich hier max. 3 gesehen in meinem Leben, eine davon Frau Illi im Fernsehen. Wenn plötzlich 100e hier so auftauchen würden müssten Lösungen her. Aber aktuell haben wir ja kein Problem, dass das Stadtbild von Gesichtslosen Stoffbergen verschandelt würde. Warum also aus Prinzip ein Verbot fordern?
      5 3 Melden
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