Gesellschaft & Politik

Martin Dempsey vs. Barack Obama

Martin Dempsey spricht vor dem US-Senatsausschuss. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

US-General erwägt Einsatz von Bodentruppen gegen IS

17.09.14, 04:57 17.09.14, 09:19

US-Generalstabschef Martin Dempsey schliesst anders als Präsident Barack Obama einen Einsatz von Bodentruppen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht grundsätzlich aus. Das gab Dempsey in einer Anhörung vor einem Senatsausschuss am Dienstag bekannt.

Die USA setze auf Luftangriffe gegen die Islamisten, die grosse Teile des Irak und Syriens unter ihre Kontrolle gebracht haben, sagte Dempsey. Die Beteiligung von US-Militärberatern an direkten Kämpfen am Boden sei nicht vorgesehen. Sollten sich die Umstände jedoch ändern, «würde ich meine Empfehlung natürlich ändern».

Das Statement von Martin Dempsey.

Der General schilderte eine Reihe von Szenarien, die eine grössere Rolle des US-Militärs erforderlich machen könnten, etwa der Versuch, die nordirakische Millionenstadt Mossul zurückzuerobern. Sollten die irakischen Sicherheitskräfte und die kurdischen Peschmerga sich dazu entschliessen, könnte für diesen Einsatz durchaus «eine enge Gefechtsberatung oder Begleitung» zur Verfügung gestellt werden.

Weisses Haus relativiert

Das Weisse Haus betonte umgehend, dass es keinen Kampfeinsatz mit US-Bodentruppen geben werde. Dempsey habe sich auf rein hypothetische Szenarien bezogen. Es sei die Aufgabe der Militärberater des Präsidenten, mehrere Möglichkeiten durchzuplanen. An der Strategie Obamas habe sich aber nichts geändert.

Die USA fliegen seit einigen Wochen Luftangriffe gegen IS-Ziele im Irak. Der Einsatz soll auch auf das benachbarte Syrien ausgeweitet werden. Die USA wollen aber verhindern, im Irak erneut in einen verlustreichen Krieg hineingezogen zu werden.

Der Einsatz gegen den IS werde «anhaltend und nachhaltig» sein, sagte Dempsey. Ziel sei es, mit Luftangriffen die im Irak und in Syrien aktive Gruppe zu schwächen, während gleichzeitig andere Bemühungen anliefen.

Irak spricht mit Assad

Obama strebt auch eine breite internationale Koalition gegen die Islamisten an. Zudem sollen gemässigte syrische Rebellen militärisch unterstützt werden. Ein Einsatz in Syrien ist komplex. Dort tobt ein Bürgerkrieg gegen Präsident Baschar al-Assad. Die USA und zahlreiche andere Staaten haben eine Zusammenarbeit mit ihm ausgeschlossen.

Anders offenbar die irakische Regierung: Ihr Sicherheitsberater Faleh al-Fajad traf Assad am Dienstag erstmals seit Beginn der US-Luftangriffe gegen den IS. Dabei unterrichtete er den syrischen Staatschef über die Bemühungen seines Landes zur Bekämpfung der Miliz.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die «internationale Gemeinschaft und diejenigen mit den Mitteln dazu» unterdessen auf, entschieden und nach nüchternem Reflektieren zu handeln. Dabei müsse der Schutz von Zivilisten im Vordergrund stehen. (kad/sda/reu)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 17.09.2014 11:02
    Highlight Dass sich arabische Länder am Krieg beteiligen wollen, liegt zwar in deren Interesse, es wird aber trotzdem ein amerikanischer Krieg sein. Die Anführerschaft der USA ist unbestritten, wenn auch nicht überall gern gesehen. Man wird vonseiten der USA aber vorsichtiger mit den neuen Verbündeten umgehen müssen. Das Vertrauen ist beidseitig nicht gross und die Diplomatie der USA ist nicht immer von Bescheidenheit geprägt. Wenn man da einen Partner vergrault, wäre dieser auch in der Lage, die Kanonen umzudrehen. Es wird ein amerikanischer Krieg sein, selbst wenn dabei Jordanier etc. mitmarschieren.
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