Gesellschaft & Politik

Zwischenfälle über der Nordsee

Russische Langstreckenbomber testen Nato-Luftabwehr

Katz und Maus Spiel mit Tradition: Hier eine Tu-95, die 2007 von der norwegischen Luftwaffe «begleitet» wird. Bild: AP SCANPIX

Zwei russische Bomber haben die Luftabwehr mehrerer Nato-Staaten alarmiert. Ähnliche Vorfälle gibt es seit Jahren, doch europäische Militärs gehen davon aus, dass Moskau die Reaktionsfähigkeiten wegen der Ukraine-Krise verstärkt testet.

24.04.14, 13:57 24.04.14, 14:26

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Zwei russische Langstreckenbomber haben Abfangjäger der Nato in Alarmbereitschaft versetzt. Die Maschinen vom Typ Tupolew Tu-95 näherten sich über der Nordsee den Lufträumen der Niederlande und Grossbritanniens.

Die Tu-95, NATO-Name Bear, flog bereits 1952 zum ersten Mal. Heute dient sie als Langstreckenbomber, ist aber in anderen Versionen auch zum Spionageflugzeug umgebaut worden. Bild: EPA

Nach Angaben des niederländischen Majors Wilko Ter Horst sollen die Kampfbomber am Mittwoch eine halbe Meile in den Luftraum des Landes eingedrungen sein. Daraufhin seien zwei F-16-Jets vom Luftwaffenstützpunkt Volkel aufgestiegen und hätten die russischen Flugzeuge eskortiert, «um sicherzustellen, dass sie unseren Luftraum verlassen», so Ter Horst. Auch dänische und britische Abfangjäger seien an dem Einsatz beteiligt gewesen.

Eine F-16 der Royal Danish Air Force stösst 2011 über der NATO-Basis im dänischen Karup Flares, Täuschkörper gegen Raketen, aus. Bild: WikiCommons/DanNav

Auch nördlich von Schottland näherten sich russische Tu-95 dem britischen Luftraum. Daraufhin seien zwei «Typhoon»-Jets von der Militärbasis Leuchars aufgestiegen. «Die russischen Militärflugzeuge blieben die ganze Zeit in internationalem Luftraum, wozu sie auch das Recht haben», teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in London mit.

Eine Typhoon F2 der Royal Air Force zeigt einer Tu-95 Bear H, wo die Grenzen sind. Das Foto stammt nicht etwa vom aktuellen Vorfall, sondern entstand im August 2007 über dem Nordatlantik. Immer wieder testet die russische Luftwaffe so Reaktionszeiten der NATO und deren Ausrüstung.  Bild: EPA

Die Regierungen der Niederlande und Grossbritanniens teilten mit, dass es ähnliche Vorfälle in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben habe - nach Angaben aus Den Haag zuletzt am 10. September 2013 und am 21. März dieses Jahres.

Militärexperten gehen davon aus, dass die russische Armee mit diesen Manövern die Reaktionszeiten und Fähigkeiten der Nato-Luftverteidigung testet. Hochrangige Kommandeure gehen laut Telegraph davon aus, dass sich diese Vorfälle häufen werden, sollte die Ukraine-Krise andauern.

Russisches Kriegsschiff alarmiert britischen Zerstörer

«Die jüngsten Ereignisse haben die Aufmerksamkeit gegenüber russischen Militärmanövern erhöht», sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond. «Aber wir haben schon immer regelmssig russische Flugzeuge und Schiffe identifiziert, abgefangen und eskortiert.»

Ebenfalls am Mittwoch beorderte die britische Marine den Zerstörer HMS Dragon aus dem Hafen von Portsmouth um das russische Kriegsschiff Vizeadmiral Kulakow zu eskortieren. Der Zerstörer hatte sich zuvor britischen Hoheitsgewässern genähert.

Im Vordergrund die Vizeadmiral Kulakow, im Hintergrund die HMS Dragon. Das britische Verteidigungsministerium veröffentlichte das Foto am 23. April. Bild: EPA

Die HMS Dragon ist ein Lenkwaffen-Zerstörer, den die Navy erst 2012 in Dienst gestellt hat. Bild: EPA

In der nächsten Woche will Grossbritannien vier Typhoon-Jets - in Deutschland als Eurofighter bekannt - nach Litauen entsenden. Dadurch soll die Nato-Luftabwehr im Baltikum verstärkt werden. Ausserdem sollen vier dänische F-16-Jets in Estland stationiert werden.

Dänische F-16 . Bild: EPA

Nach Angaben der Regierung in Vilnius sollen sich russische Jets inzwischen im Wochentakt dem litauischen Luftraum so nähern, dass Abfangjäger aufsteigen müssen. Üblicherweise hat die Nato vier Flugzeuge für die Überwachung in den baltischen Staaten, ab kommender Woche sind es damit zwölf Jets. 

Auch in den USA selbst testet Russland die Flugabwehr: Eine amerikanische F-15C Eagle von der Elmendorf Air Force Base in Anchorage, Alaska,stellt 2006 eine Tu-95 Bear.   Bild: AP U.S. AIR FORCE

(syg)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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