Gesellschaft & Politik

120'000 pro Opfer

Verdingkinder sollen 2,4 Milliarden Franken Entschädigung erhalten

06.07.14, 05:41 06.07.14, 08:41
Betroffene diskutieren mit Bundesraetin Simonetta Sommaruga beim Gedenkanlass fuer Opfer von fuersorgerischen Zwangsmassnahmen am Donnerstag, 11. April 2013 in Bern. Justizministerin Simonetta Sommaruga hat die Betroffenen im Namen des Bundesrates um Entschuldigung gebeten. Bis in die 60er-Jahre waren in der Schweiz Waisen und Kinder armer Familien bei Bauern untergebracht worden, wo sie fuer Kost und Logis hart arbeiten mussten. Viele Betroffene berichten von schweren Misshandlungen und behoerdlicher Willkuer.  (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Betroffene diskutierten im April 2013 mit Justizministerin Sommaruga in Bern. Bild: KEYSTONE

Die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen sollen «substanzielle finanzielle Leistungen» erhalten. Das schlägt der Runde Tisch in seinem Schlussbericht vor, der diese Woche präsentiert wurde. Was «substanziell» bedeutet, ist einem Sitzungsprotokoll zu entnehmen, das der «Zentralschweiz am Sonntag» vorliegt: Die Teilnehmer des Runden Tisches gehen von einer Summe von 80'000 bis 120'000 Franken pro Opfer aus. Gemäss Protokoll haben mehrere Mitglieder des Runden Tisches diese Höhe akzeptiert. Ferner hält das Protokoll fest, «dass sich bisher niemand am Runden Tisch ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat». Die Betroffenen verbuchen das als einen ersten Etappensieg. 

Den Betrag im Schlussbericht nennen wollte die Mehrheit des Runden Tisches jedoch nicht. Kein Wunder: Umgerechnet auf die rund 20'000 noch lebenden Opfer, kosten die Verfehlungen der Vergangenheit 2,4 Milliarden Franken. Da ist Widerstand programmiert, vor allem im Parlament, das letztlich über die Entschädigungszahlungen entscheiden muss. Wie bereits von Fraktionschefin Gabi Huber angekündigt, wird sich die FDP gegen finanzielle Leistungen aussprechen. Auch Vertreter des Bauernverbandes und mit ihnen Teile von SVP und CVP werden diese wohl ebenfalls ablehnen. (rey)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 05.11.2014 14:25
    Highlight Und von welcher Geldquelle nimmt man diese vorgesehene Entschädigung? Steuergelder aus der allgemeinen Bundeskasse? Aber dann müssen viele bezahlen, die mit dieser historischen Ungerechtigkeit nichts zu tun hatten. Da wird sicher das Referendum ergriffen und wir werden darüber abstimmen müssen.
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  • Tux 06.07.2014 09:04
    Highlight Das tragische an dieser Geschichte - sie ist noch gar nicht beendet. Politiker wollen bereits Schaden mindern mit Geld, dabei wiederholen sich die Dinge mit den gleichen Mustern wie damals....
    Stichwort "JENISCHE" - Eine Minderheit mit wirklich alten Schweizer Blutlinien, werden von der eigenen Bevölkerung diskrimiert und beschimpft... Standplätze werden von seitens der Regierung verweigert, obwohl dies im Gesetz verankert wäre....
    Die Geschichte wiederholt sich immer und immer wieder und keiner lernt dazu... Seltsam...
    2 0 Melden
  • Alfred Steiner 06.07.2014 06:38
    Highlight Diese ablehnende Haltung wundert mich überhaupt nicht. Welcher Politiker wird und wurde denn in der Schweiz schon jemals zur Kasse gebeten, wenn Fehler gemacht wurden ?
    Diese Damen und Herren Politiker geniessen absolute Immunität und stehen daher für ihre Fehler niemals gerade. Der Bauernverband schliesst sich diesen Herrschaften einfach an, was nicht anders zu erwarten war. Es ist ein richtiger Filz, woran sich verschiedene Parteien beteiligen. Sauerei!
    3 0 Melden
    • Tux 06.07.2014 09:01
      Highlight ACHTUNG: Jetzt nicht falsch verstehen - ich bin dafür dass man eine Entschädigung bezahlt !!!
      Aber würde man für jeden Fehler den unsere Politiker begangen haben oder auch gleich derzeitig begehen - würden wir sofort in einen Staatsbankrott hineinrutschen, der mindestens für die nächsten 1000 Jahre anhalten würde....
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