Gesellschaft & Politik

Bald nur noch eine «symbolische Verbindung»?

Erstmals mehr Ledige als Verheiratete in der Schweiz – nun rüttelt der Bund am Status der Ehe

27.04.14, 03:36 27.04.14, 09:31

Ein höheres Heiratsalter, weniger Eheschliessungen und mehr Scheidungen: Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat zur Folge, dass in der Schweiz erstmals seit Beginn der jährlichen Erhebungen mehr Ledige als Verheiratete leben. 3,54 Millionen Einwohner mit dem Zivilstand ledig zählte das Bundesamt für Statistik Ende 2013. Damit hat diese Gruppe die 3,53 Millionen Ehemänner und -frauen knapp überholt.

Der Bund will auf diese Entwicklung reagieren: Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, arbeitet Justizministerin Simonetta Sommaruga an einem Bericht, der aufzeigen soll, wie man das Familienrecht besser auf Konkubinatspaare, Patchworkfamilien und Alleinerziehende ausrichten kann.

Ehe als symbolische Verbindung?

Als Grundlage dient ihr ein Gutachten, das gleich mehrere radikale Empfehlungen macht. So soll die Ehe zu einer weitgehend symbolischen Verbindung abgewertet werden, die keine weiteren Familienrechte mehr begründet als andere Formen des Zusammenlebens.

Relevant für Rechte und Pflichten in Bezug auf Familie, Kinder, Unterhalt oder Adoption wäre stattdessen die «Lebensgemeinschaft». Diese definiert die Basler Rechtsprofessorin Ingeborg Schwenzer, die das Gutachten erstellt hat, gemäss der «NZZ am Sonntag» wie folgt: als Partnerschaft, die mehr als drei Jahre gedauert hat, in der ein gemeinsames Kind vorhanden ist oder in die zumindest ein Partner erhebliche Beiträge investiert hat. 

Parallel dazu schlägt das Gutachten vor, geltende Ehehindernisse abzubauen. Auch Homosexuelle sollen künftig heiraten dürfen, und das Inzestverbot sei genauso kritisch zu hinterfragen wie das Verbot polygamer Ehen. «Die Zunahme der Zahl an Mitbürgerinnen und Mitbürgern islamischen Glaubens wird in der Zukunft auch die Diskussion über polygame Gemeinschaften erfordern», heisst es im Gutachten. 

Welche dieser Ideen Sommaruga aufnimmt, ist laut ihrem Departement noch offen. Sicher ist, dass sie dem Thema hohe Priorität beimisst. Im Juni wird sie selber mit Fachleuten darüber diskutieren, bis Ende Jahr will sie dem Bundesrat dann ihre Vorschläge unterbreiten. (rey)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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