Gesellschaft & Politik
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Studie zur politischen Bildung: Neue Medien braucht das Land.  Bild: KEYSTONE

Reformvorschläge

Was bringt die Schweiz voran? Mehr politische Bildung

Eine politische Bildungsoffensive auf allen Stufen und mehr Schlagkraft für den Bundesrat: Mit diesen beiden Massnahmen könnte das schweizerische Politsystem am effektivsten gestärkt werden.

07.08.14, 07:06

HANS FAHRLÄNDER, aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Zumindest ist dies das Ergebnis einer Studie, welche das Forschungsinstitut GfS Bern im Auftrag der Bank Julius Bär durchgeführt hat. Es hat zu diesem Zweck 1011 Personen aus allen Altersschichten und Landesteilen befragt. Die Studie verfolgt gemäss Auftraggeber das Ziel, «Bausteine zur Stärkung des Schweizer Politsystems» zu erarbeiten. – eine Art Sponsoring der immateriellen Art sozusagen.

Einigkeit bei Experten und Volk

In einem ersten Schritt hatte ein Expertenteam eine Liste von Verbesserungsvorschlägen nach Wünschbarkeit rangiert. Die repräsentative Befragung der Stimmbevölkerung brachte in einem zweiten Schritt eine weitgehende Übereinstimmung von Experten- und Volksmeinung, zumindest auf den ersten Plätzen.

Weg von traditioneller Polit-Vermittlung. Bild: AFP

Vermehrt Neue Medien nutzen

Um den Vorschlag «bessere politische Bildung» zu konkretisieren, hat das Befragungsteam nach Auskunft von Studienleiter Lukas Golder zusätzlich zwei Treffen mit Jugendlichen organisiert. In Zürich traf es eine Gruppe Gymnasiasten, in Langnau im Emmental eine Gruppe mit Berufsschülerinnen und Lehrlingen. «Vor allem in Langnau stiessen wir zunächst auf eine Wand des Schweigens», erzählt Lukas Golder. «Wir spürten, dass die Jugendlichen von traditioneller Polit-Vermittlung wenig hielten. Doch schliesslich tauten sie auf und machten eigene Vorschläge.»

Neue Medien: Der Bundesrat hat's schon begriffen. Bild: TWITTER

Den Bundesrat stärken – wie?

Keine Mehrheit fand der Vorschlag, der Bundesrat müsse gestärkt werden durch Erhöhung der Zahl seiner Mitglieder. Unterstützung fand dafür die Forderung nach dem vermehrten Einsatz von Task-Forces. Lukas Golder: «Bei der Kritik am Bundesrat dominierten zwei Begriffe: Strategieunfähigkeit und Überlastung. Um sie zu reduzieren, sollten vermehrt departementsübergreifende Teams aus Experten und Handlungsträgern zum Einsatz kommen. Denn wichtige Fragen wie die Zukunft der AHV halten sich immer weniger an Departementsgrenzen.» 60 Prozent der Befragten forderten zudem eine aktivere Aussenpolitik der Schweiz – und dass sie ihre Forderungen auch durchsetzt.

Initiativrecht nicht schwächen

Spannend ist nicht nur ein Blick auf die Sieger, sondern auch auf die Vorschläge, die keine Mehrheit fanden. Zum Beispiel:

Alle Vorschläge, welche auf eine Schwächung der Mitsprache zielten, erhielten eine Abfuhr.»

Projektleiter Lukas Golder

Direkte Demokratie ist zentral

Was sind für den Projektleiter die schlagendsten Erkenntnisse aus der Studie? Golder: «Zum einen die Übereinstimmung beim Spitzenreiter politische Bildung bei Experten und im Volk. Zum andern das überaus klare Bekenntnis zum Status quo und zur direkten Demokratie. Alle Vorschläge, welche auf eine Schwächung der Mitsprache zielten, erhielten eine Abfuhr.» Die Ergebnisse verschwinden nun nicht einfach in der Schublade der Bank. Das GfS hat sie an alle seine Kunden, an alle Parlamentarier und an weitere interessierte Kreise weitergeleitet. 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 07.08.2014 16:15
    Highlight Die durchschnittliche Stimmbeteiligung in der Schweiz liegt bei 45%. Bei emotional aufgeladenen Abstimmungen (z. B. Minarett-, Ausschaffungs- oder Masseneinwanderungsinitiative) steigt sie in den Bereich von 50-55%. Mit der Emotionalisierung eines Themas lassen sich also Abstimmende aus der grossen Schicht der politisch abstinenten Bevölkerung gewinnen.
    Mit der Wiedereinführung der Stimmpflicht liesse sich zwar die politische Bildung nicht wesentlich erhöhen, sie würde aber die Gefahr von völlig überraschenden Abstimmungs- und Wahlergebnissen vermindern.
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