Gesundheit
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Ein Brasilianer raucht während eines Legalisierungs-Marsches für Cannabis einen Mega-Joint. Sao Paulo, 23. Mai 2015. Bild: EPA/EFE

Cannabis als Arznei: Sind die Forscher etwa selbst bekifft, oder warum dauert es so lange, bis der Nutzen von Hanf bewiesen ist?

Viele Patienten setzen grosse Hoffnungen auf medizinisches Cannabis. Forscher haben nun Dutzende Studien zur Hanf-Behandlung analysiert – und viele Wissenslücken gefunden. 

25.06.15, 10:31 25.06.15, 10:59

Irene Berres



Ein Artikel von

Krebs, Multiple Sklerose, Tourettesyndrom – Cannabis kommt oft bei Krankheiten zum Einsatz, die so schwer sind, dass jede Hilfe zählt. Umso grösser sind die Hoffnungen, die viele in die Droge setzen. Immer mehr Menschen nutzen sie weltweit als Medizin. Tatsächlich wissen Ärzte jedoch wenig über den Nutzen des Medikaments, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Für seine Analyse durchforstete ein internationales Forscherteam um Penny Whiting vom University Hospital in Bristol 28 Datenbanken auf der Suche nach Studien, die sich mit der Wirkung von Cannabis als Medikament auseinandergesetzt hatten. Dabei stiessen sie auf 79 Untersuchungen mit knapp 6500 Teilnehmern; die älteste stammte aus dem Jahr 1975, die aktuellste aus diesem Jahr.

Der Holocaust-Überlebende Moshe Roth bekommt von seiner Krankenschwester Cannabis für seine Pfeife. «Tikun Olam» setzt sich dafür ein, dass Holocaust-Überlebende, die an einem Posttrauma leiden, mit Cannabis versorgt werden. Bild: ABIR SULTAN/EPA/KEYSTONE

Bei den bekanntesten Anwendungen von Cannabis, etwa der Linderung von chronischen Schmerzen oder von Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie, gebe es Hinweise auf eine positive Wirkung, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Jama». Bei vielen anderen Krankheiten ist die Wirkung jedoch kaum untersucht. Bei der Behandlung des Grünen Stars etwa beschränkte sich das Wissen auf eine Studie mit sechs Teilnehmern.

Die fehlenden Daten bedeuten nicht, dass Cannabis nicht wirkt. Viele Mediziner haben gute Erfahrungen damit gemacht. «Ich habe jede Woche Tourette-Patienten in meiner Praxis, die mir sagen, dass kein Medikament ihre Tics lindern kann, aber ein Joint habe ihnen geholfen», erzählt etwa Kirsten Müller-Vahl, Neurologin an der Medizinischen Hochschule Hannover hier im Interview. Die umfangreiche Analyse zeigt aber, dass ein enormer wissenschaftlicher Nachholbedarf besteht.

gif: giphy

Denn erst wenn Mediziner mehr über den medizinischen Nutzen von Cannabis wissen, kommt es auch für mehr Patienten infrage. Bis dahin treffen zu viele Risiken auf einen noch unbekannten Nutzen: Bei etwa einem von zehn Cannabis-Konsumenten drohe eine Abhängigkeit, heisst es im «Jama»-Editorial. Zur sehr geringen Gefahr einer Psychose kommen harmlosere Nebenwirkungen wie ein trockener Mund, Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel hinzu, schreiben die Forscher.

Agence France-Presse hat die Studie bildlich (und französisch) zusammengefasst: 

bild: twitter/agencefrance-presse

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelika 14.07.2015 09:55
    Highlight Solange nicht geklärt werden kann, bei welchen Leuten Cannabis eine Psychose auslöst und bei welchen nicht oder eine Hanfsorte gezüchtet wurde, die keine der gefährenden Inhaltsstoffe enthält, würde ich ungerne medizinisches Hanf erhalten. Psychosen schränken nicht nur das Leben der Kranken sondern auch der Angehörigen erheblich ein. Immerhin ist das Risiko 4-8x höher, eine Psychose zu erhalten, wenn man Cannabis konsumiert und wer genetisch veranlagt ist, kann nicht festgestellt werden. Dazu:
    (Bei ca. 15:20 kommt das Interessante.)
    0 0 Melden

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