Gesundheit
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Zuckerhaltige Getränke liefern Zucker, sättigen aber nicht.
Bild: shutterstock

Wie gewöhnt man den Menschen die flüssigen Dickmacher ab? Zwei Vorschläge sind im Rennen

Wie lässt sich der Konsum von zuckerhaltigen Getränken begrenzen? Ein Weg wären Strafsteuern, ein anderer neue Rezepte der Hersteller. Für beide Ansätze gibt es nun interessante neue Erkenntnisse.

11.01.16, 10:07 11.01.16, 10:24

Ein Artikel von

Cola, Fruchtsaft, Eistee – vielen, gerade jungen Menschen schmecken sie gut. Doch die zuckerhaltigen Getränke haben ein entscheidendes Problem: Sie liefern mit jedem Schluck viele Kalorien, ohne zu sättigen. So können sie zu Übergewicht beitragen. Viele Staaten der Welt haben längst mit einer Adipositas-Welle zu kämpfen, die über Jahrzehnte die Gesundheitssysteme belasten wird.

Gefragt sind also Wege, um das Problem zumindest abzuschwächen. Und gleich zu zwei Ansätzen gibt es aktuelle Nachrichten – und sie sind durchaus erfolgsversprechend:

Der mexikanische Weg

Seit Anfang 2014 erhebt Mexiko eine zehnprozentige Zusatzsteuer auf zuckerhaltige Getränke. Und wie eine aktuelle Auswertung zeigt, bringt das offenbar tatsächlich etwas: Die Mexikaner trinken etwas weniger Limonade – und dafür mehr Wasser.

Seit Einführung der Steuer kauften die Mexikaner im Schnitt sechs Prozent weniger süsse Softdrinks als 2013. Gleichzeitig stiegen die Käufe nicht zusätzlich besteuerter Getränke um vier Prozent, berichten Shu Wen Ng vom nationalen Gesundheitsinstitut Mexikos und Kollegen im British Medical Journal (BMJ). Vor allem werde mehr stilles Wasser gekauft.

Mexikaner trinken schon jetzt etwas mehr Wasser.
Bild: Marco Ugarte/AP/KEYSTONE

Die Verkaufszahlen zuckerhaltiger Getränke sanken innerhalb des Jahres stetig stärker ab, zum Ende betrug die Differenz zum Vorjahr zwölf Prozent. Durchschnittlich kaufte jeder Mexikaner im Jahr 2014 also rund 4,2 Liter weniger Softdrinks – und dafür 12,8 Liter mehr ungezuckerte Getränke.

Mexiko hatte 2013 beschlossen, nicht nur Softdrinks, sondern auch Lebensmittel mit hoher Energiedichte – beispielsweise Süssigkeiten, Erdnussbutter und Eis – höher zu besteuern. In dem Land sind etwa 70 Prozent der Erwachsenen und 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Die nun vorgelegte Untersuchung untersuchte nur das Kaufverhalten in Städten mit mehr als 50'000 Einwohnern.

Die beobachtete Veränderung sei nicht gross, aber wichtig, schreiben die Forscher. Man müsse nun analysieren, wie sich das Kaufverhalten langfristig verändert. In einem begleitenden Kommentar im BMJ weist Franco Sassi von der OECD darauf hin, dass Steuern ein wichtiger Teil der Strategien sein können, mit denen sich die Gesundheit der Bevölkerung verbessern lasse. Aber andere Massnahmen seien ebenso notwendig, darunter etwa die Lebensmittelkennzeichnung und das Regulieren der Werbung.

Der britische Weg

Eine zweite Variante beim Kampf gegen überzuckerte Getränke, haben britische Forscher gerade durchgerechnet. Sie haben sich mit der Frage befasst, welchen Effekt es haben könnte, den Zuckergehalt von Limonaden und gesüssten Fruchtsäften innerhalb von fünf Jahren schrittweise um 40 Prozent zu senken. Und zwar ohne als Ausgleich Süssstoffe zuzusetzen. Ihre Modellrechnung präsentieren Graham MacGregor von der Queen Mary University of London und Kollegen im Fachblatt Lancet Diabetes & Endocrinology.

Demnach würde jeder Brite am Ende der Fünfjahresfrist im Schnitt 38 Kilokalorien weniger täglich konsumieren und 1,2 Kilogramm weniger wiegen. Was für den Einzelnen nach wenig klingt, hätte dennoch einen grossen Effekt auf die Bevölkerung insgesamt: Die Forscher rechnen mit 1,5 Millionen weniger Übergewichtigen durch die Massnahme – und bis zu 309'000 weniger Diabtes-Typ-2-Erkrankungen.

Kritiker könnten einwenden, dass die merkliche Zuckerreduktion die Getränke weniger schmackhaft macht. Doch die Forscher sehen das nicht so. Sie schreiben, die Wahrnehmung von Süsse passe sich mit der Zeit dem Zuckerkonsum an und es sei unwahrscheinlich, dass diese Massnahme das Konsumverhalten ändere, wenn die Senkung des Zuckergehalts schrittweise über fünf Jahre passiere.

In einem Begleitkommentar schlägt Tim Lobstein von der World Obesity Foundation vor, die Massnahme mit einer Zusatzsteuer auf gezuckerte Softdrinks zu kombinieren und die Werbung für ungesunde Lebensmittel, die insbesondere auf Kinder abzielt, einzuschränken. (wbr)

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Brikne, 20.7.2017
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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LaTschuberlinca 12.01.2016 01:06
    Highlight Einer CocaCola aus der Büchse kann ich kaum widerstehen...oder aus der Glasflasche mit einem Schnitz Zitrone...mmmh
    5 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.01.2016 23:18
    Highlight Etwas Eigenverantwortung kann man von den Bürgern ja auch erwarten. Wer den Dreck kauft und trinkt ist zum grossen Teil selber schuld (ausser Kinder die das Zeug von ihren verantwortlungslosen Eltern erhalten). Ab und zu trinke ich auch solche Getränke. Aber ganz sicher nicht als täglichen Durstlöscher. Da geht nichts über (Mineral)Wasser.
    8 0 Melden
  • koks 11.01.2016 22:54
    Highlight wurde kürzlich nicht vermerkt, dass in mexiko mit seinen zehntausenden von drogenkriegstoten erstmals seit 100 jahren die lebenserwartung gesunken sei? aber gut, setzen die mit der bekämpfung von zuckerhaltigen getränken ein zeichen.
    4 5 Melden
  • Dysto 11.01.2016 17:06
    Highlight Wow, ich hatte vor ca. 12 Jahren aufgehört, diese gesüssten Getränke zu trinken, nachdem ich im Büro auf dem Esstisch eine Zeitschrift mit einer Infografik über den Zuckergehalt dieser Getränke sah.

    Dennoch komme ich nicht von der täglichen Schoggimilch los...
    11 1 Melden
  • Donald 11.01.2016 16:19
    Highlight Von mir aus gleich beides. Aber mit Sicherheit sollte ein Cola mindestens doppelt soviel kosten wie ein Wasser.
    17 5 Melden
    • LubiM 11.01.2016 21:25
      Highlight Prix Garantie Mineralwasser - 25 Rappen / 1.5 L im Vergleich zu Coca Cola 2.25 / 1.5 L ... Sogar Swiss Alpina, Aproz oder San Pelegrino sind mit 95 Rappen pro 1.5 L halb so teuer, in der Gastronomie sieht es halt anders aus...
      12 0 Melden
    • Donald 12.01.2016 00:04
      Highlight Ich meine eher am Kiosk und bei Getränkeautomaten. Leuten, die Cola aus 2 Liter Flaschen trinken, ist vermutlich sowieso nicht mehr zu helfen. :)
      6 0 Melden
  • Mietzekatze 11.01.2016 11:40
    Highlight Leider sind Softdrinks nicht das einzige Übel. Ich finde man müsste Ernährung mit in den schulischen Unterricht einbinden. Und zwar nicht mit 1x Kochunterricht in 2 Wochen!! Sondern Ernährungslehre.. Wie wirkt Fett, Protein, Kohlenhydrat, Zucker auf unser Körper. Ich glaube durch Wissen könnte man dem Prolblem Herr werden... Aber die Lobby arbeitet fleissig und gut!
    40 6 Melden
    • Markus86 11.01.2016 12:37
      Highlight Das wird schon gemacht. Mindestens in unserem Kanton. Meine beiden Kinder haben ausreichend die Zusammenhänge erläutert bekommen und auch verstanden. Lehrplan 21 enthält ebenfalls die dazu nötigen Kompetenzen. Da kommt es dann auf die Ausgestaltung der Lehrmittel und des Unterrichts an. Aber abschliessend kann das in der Schule niemals vermittelt werden. Vertiefung in der Familie und Prävention ausserhalb der Schule ist nötig, wenn ein Effekt eintreten soll.
      22 1 Melden
  • TanookiStormtrooper 11.01.2016 11:31
    Highlight Der Starke muss das Süsse beschützen. ;)
    19 0 Melden
  • Sleepimust 11.01.2016 11:24
    Highlight Ich trinke seit ca. 2 Jahren keine Softdrinks mehr. Eine Ausnahme mache ich höchstens ab und zu im Ausgang (Cuba Libre). Es fällt mir überhaupt nicht schwierig, da ich unser Hahnenwasser über alles liebe.
    Meiner Gesundheit gefällt es und meiner Zahnärztin auch.
    29 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.01.2016 12:17
      Highlight geht mir auch so, evt gönn ich mir einnal im Monat ein Rivella Blau, aber sonst mag ich keine Süssgetränke. Wasser mit Bubbles langt volkommen :) Erstaunlich auch wie Viel Energie man hat wenn man die Süssgetränke weg lässt
      18 8 Melden
  • Papa Swappa 11.01.2016 10:49
    Highlight Die Zuckerlobby ist mächtig, sehr mächtig (unglaublich, wie lange sie z.B. Stevia in Europa verhindern konnte). Dabei dürften mehr Menschen an zu viel Zucker sterben als an jedem anderen Übel!
    39 6 Melden
    • saukaibli 11.01.2016 11:07
      Highlight Auch die Lüge, dass vor allem Fett für Herzkrankheiten verantwortlich ist, hat die Zuckerlobby jahrzentelang erfolgreich verbreitet. Heute weiss zum Glück jeder halbwegs informierte Mensch, dass es genau umgekehrt ist.
      38 2 Melden
  • Hayek1902 11.01.2016 10:47
    Highlight Variante 1 ist gut, aber bitte als Lenkabgabe gestalten und mit den Mitteln direkt die Krankenkassenprämien vergünstigen und nicht in die Staatskasse abführen (sonst Konflikt wenn die Lenkwirkung eintritt, aber die Steuereinnahme dadurch sinkt).

    Variante 2 hört sich interessant an, aber finde ich schwierig auszugestalten, ausser die Getränkeindustrie macht freiwillig mit (sie sparen ja dabei Zucker).
    35 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.01.2016 10:34
    Highlight Variante 1 ist gut für die Staatskasse.
    Variante 2 ist effizienter, weil durch die Resensibilisierung der völlig überladenen Geschmacksnerven die gesamte Ernährung positiv beeinflusst wird.

    Ich würde beide Varianten kombinieren.
    63 4 Melden
    • Rumpelpilzchen 11.01.2016 10:55
      Highlight Bin ganz deiner Meinung, eine Kombination von beiden Varianten wäre wohl der beste Weg.
      26 4 Melden

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