Gesundheit
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Für manche Frauen werden die Beschwerden zum ständigen Begleiter.
Bild: shutterstock

Wenn Sex einfach nur wehtut: So entsteht Vulvodynie und das können Betroffene dagegen tun

Sex sollte schön sein, doch für manche Frauen ist er vor allem schmerzhaft. Sie leiden unter der sogenannten Vulvodynie. Eine Betroffene schildert, wie sie damit umgeht. Ein Arzt erklärt, was hilft.

26.06.16, 08:16

Nina Weber / spiegel online



Ein Artikel von

Als Marlene (Name geändert) das erste Mal Sex hatte, wunderte sie sich nicht über die Schmerzen. Das sei normal, dachte sie. Es würde sich schon bessern. Das tat es nicht. «Ich hatte solche Schmerzen, dass ich weinen musste», erzählt sie. Es fühlte sich an, als würde sie zerreissen. Alles Mögliche hätten sie und ihr damaliger Partner versucht: viel Gleitgel, Kondome, sich betrinken. Nichts half. «Wenn der Sex vorbei ist, brennt es an meiner Vulva, es tut wirklich weh.» Diese Schmerzen hielten oft Stunden an, manchmal waren sie sogar am folgenden Tag noch nicht verschwunden.

Etwa ein Jahr nach ihrem ersten Mal, da war sie 18 Jahre alt, sprach Marlene das Problem beim Frauenarzt an. Der fand keine organische Ursache und schickte sie mit dem Satz nach Hause, es werde sich von selbst legen. Zwei weitere Gynäkologen, die sie in den folgenden Jahren kontaktierte, halfen ihr auch nicht weiter.

Heute ist Marlene 26 Jahre alt. Nachdem sie umgezogen und zu einer neuen Frauenärztin gegangen ist, hat sie endlich eine Diagnose erhalten: Vulvodynie. Inzwischen geht die österreichische Studentin zu einer Sexualtherapeutin.

Was bedeutet die Diagnose?

Unter Vulvodynie zusammengefasst werden Schmerzen an den äusseren, primären Geschlechtsorganen der Frau. Zum Teil sind auch Bereiche im tieferen Bereich der Scheide oder der gesamte Beckenboden inklusive des Anus betroffen. Einigen Betroffenen geht es wie Marlene: Sie haben vom ersten Sex an immer starke Schmerzen. Bei der Mehrheit tritt die Vulvodynie erst später im Leben auf.

Bei einem Teil der Betroffenen treten die Schmerzen nicht nur in Verbindung mit Geschlechtsverkehr auf. Ziehen, Brennen, Jucken sind ständige Begleiter. Und schon leichte Berührungen können die Pein verschlimmern. Unter anderem Velofahren oder das Tragen eng anliegender Hosen werden dadurch unmöglich.

«Viele Patientinnen belastet, dass sie sich in ihrer Partnerschaft Sex wünschen, der aber ohne Schmerzen nicht möglich ist», sagt Heiko Wolf von der Klinik für Schmerzmedizin am Klinikum Frankfurt (Oder). Schätzungen zufolge seien bis zu 20 Prozent der Frauen betroffen – viele von ihnen allerdings nur zeitweise. Auch Männer können unter andauernden Schmerzen im Becken- und Genitalbereich leiden, dann spricht man vom Pelvic pain Syndrom.

Was sind die Ursachen der Krankheit?

So unterschiedlich die Beschwerden sein können, so verschieden sind vermutlich auch die Ursachen. Weil die von Vulvodynie betroffenen Frauen das Problem meist erst beim Frauenarzt ansprechen, werde oft nach akuten Infektionen mit Bakterien oder Pilzen gefahndet, sagt Wolf. «Und falls etwas gefunden wird, wird wiederholt mit Antibiotika oder Antimykotika behandelt.» Das bringe jedoch oft keine Besserung, manche Frauen berichten, die Symptome hätten sich dadurch noch verschlimmert.

Bei Patientinnen, die die Schmerzsprechstunde an der Frankfurter Klinik aufsuchen, werden viele mögliche Ursachen abgeklärt, darunter rheumatische oder neurologische Beschwerden, Hautkrankheiten und speziell Kontaktallergien. «Am Ende bleibt aber oft unklar, woher die Schmerzen kommen», sagt Wolf. Es könne auch psychische Gründe geben, das müsse aber nicht der Fall sein.

Wolf erklärt, dass Ärzte auch körperliche Ursachen vermuten, die noch nicht oder nur schwer nachweisbar sind. Beispielsweise helfe manchen Frauen der Wirkstoff Gabapentin, der durch Nervenschäden ausgelöste Schmerzen bekämpfen kann – obwohl bei den Patientinnen mittels der verfügbaren Diagnostik keine Nervenschäden zu entdecken sind.

Eine weitere Theorie sei, dass hinter dem andauernden Schmerz eine fehlerhafte Immunreaktion steckt, aber auch das ist noch nicht erforscht.

Was hilft gegen die Beschwerden?

Auch ohne die Ursachen zu kennen, können Ärzte vielen Betroffenen helfen. Das Ziel der Therapie sei, die Schmerzen zu reduzieren und zu lernen, besser mit den Beschwerden zurechtzukommen.

Grundsätzlich könnten die Frauen alles ausprobieren, was nicht schade: Beispielsweise helfe einigen Wärme oder Kälte, wenn der Schmerz akut besonders stark ist. Beckenbodentraining oder Entspannungsübungen können die Beschwerden lindern, wenn sich verkrampfte Muskulatur lockert.

Anders sei es mit Cortisonsalben: Sie könnten einigen Frauen helfen, auf Dauer jedoch schaden. «Wenn sie keine Linderung verschaffen, sollte man mit dem Cremen wieder aufhören», sagt Wolf. Grundsätzlich rät er zu einer zeitlich begrenzten und sparsamen Verwendung von Cremes und Salben.

Wenn die Schmerzen das Leben stark beeinträchtigen, schlägt sich das auf die Psyche nieder, manche Betroffene entwickeln Depressionen. Dann ist eine ergänzende Psychotherapie sinnvoll.

Wo sind die Spezialisten?

Ideal wäre aus Wolfs Sicht, wenn sich interdisziplinäre Teams die Fälle ansehen, also Gynäkologen, Hautärzte, Neurologen, Psychotherapeuten und Schmerzmediziner zusammen. Doch in der Praxis komme das nur selten vor. «Für Vulvodynie fühlt sich niemand richtig zuständig», beklagt Wolf. Schmerzspezialisten wie er selbst kümmern sich selbstverständlich um Patientinnen, doch meist leiden sie schon mehrere Jahre unter der Krankheit und waren bei vielen niedergelassenen Ärzten, ehe sie beim Schmerztherapeuten landen. Es gebe auch wenig Forschung zur Vulvodynie. Und in der Ausbildung der Gynäkologen tauche die Krankheit kaum auf, obwohl sie in der Praxis meist die ersten Ansprechpartner sind.

Das erklärt zum Teil, warum Marlene erst bei der vierten Ärztin überhaupt Gehör fand und sich ernstgenommen fühlte. Sie ist nicht mehr auf der Suche nach einer körperlichen Ursache, sondern hat sich für eine Sexualtherapie entschieden, eine Gesprächstherapie mit einem besonderen Fokus auf ihrem Sexleben.

Nach gut einem Jahr Therapie sagt sie: «Auch wenn ich mich nach wie vor etwas eingeschränkt fühle in meiner Sexualität, so habe ich dennoch sehr viel gelernt über mich und mich weiterentwickelt.» Sie habe ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse oft unter die ihres Partners gestellt, nun nehme sie grosse Rücksicht auf sich selbst. «Meine Schmerzen sind schon so viel weniger geworden, dass ich mit ihnen viel besser leben kann.»

Mehr Infos gibt es hier: Britische Leitlinie zur Therapie der Vulvodynie.

Love Life! Wie die Anti-Aids-Kampagnen mit den Jahren immer heisser wurden

Mehr zum Thema Sex:

«Es war einmal ein Weib, das zeigte seinen Unterleib»: Polizei-Gedicht warnt vor Cybersex

Basler Sexualkundeunterricht verletzt keine Grundrechte

Das Liebeshoroskop 2018: Paart euch ordentlich, es ist das Jahr der Venus!

Zölibat, Frauenhass und Schmerzsuche: Wie uns die Kirche die Lust raubte

Haltet euch fest: Feiertage machen Lust auf Sex – sagt die Wissenschaft

«Mann oder Frau? Ein bisschen Verwirrung tut doch gut» – So lebt es sich als Intersexuelle

Orgasmus oder Gewichtheben – siehst du das Kommen?

Wieso wollte ich schon wieder an die Erotikmesse Extasia?

«Es geht nicht nur um Sex und Geld» – ein Sugardaddy erzählt

Weil's dir sonst niemand sagt: 23 Dinge über Analsex, die du unbedingt wissen solltest

So antwortest du stilgerecht auf Dick Pics und andere unerwünschte Glieder

Der vaginale Orgasmus ist ein Mythos, sagt der Biologe – ist das wirklich so?

Wenn sich dein Körper brutal verändert. Lisa B. hat einen irren Pubertäts-Film gedreht

Sexuell übertragbare Infektionen nehmen weiter zu – Bund schaltet Safer-Sex-Check auf 

19 harte Fakten und Rekorde zum Glied. Also Phallus. Oder Penis 

«Baby, wieso?» – Die Lovestorys der «Bravo» sprechen uns direkt aus der Seele

Und nun ein wenig Clitbait! 8 Fakten zum weiblichen Erregungszentrum

Neue Theorie: Warum Frauen einen Orgasmus bekommen – oder nicht

Dirty Talk in der Studenten-WG: «Pornos haben mich nicht geprägt, aber Stellungen habe ich auch schon abgeschaut»

20 erstaunliche Fakten zum Thema Masturbation, um dir mehr Wonne zu schenken. Bei Nummer 16 wirst zwei Mal schlucken müssen

Ich kam nach einer kurzen Abwesenheit zurück und meine Chefinnen hatten folgende Stories für mich: Penis-Peperoni und Twerk-Sextoys. Ich liebe meinen Job

Prostituierte zu sein bedeutet viel mehr als Sex zu haben: Diese 6 bizarren Kundenwünsche sind wirklich ... gefühlsecht  

«15 Orgasmen pro Woche sind rein beruflich. Dazu noch jede Menge in meinem privaten Sexleben»

«Na Baby, wie war ich?» – diese Frage kannst du dir in Zukunft sparen. Denn der Penis wird zum Data-Tracker

Wenn das Bedürfnis nach Sex fehlt: 6 asexuelle Frauen erzählen ihre Geschichte

Porno-Ikone Rocco Siffredi: «Heute vögeln sie alle identisch»

«Playboy» präsentiert: 18 unausgesprochene Regeln beim Sex

Sex macht Paare glücklicher: Auch wenn du nicht dran glaubst, dein Unterbewusstsein weiss es

Sex Sells: 18 Game-Werbungen, die zwischen plump und sexistisch schwanken

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Mit Tinder-Tim im Tal der Tränen

In einer schlaflosen Nacht swiped sich Emma mal wieder durch Tinder, wo sie Tim matcht. Was vielversprechend beginnt, endet heulend am Idaplatz.

Auf seinem Profil steht, dass er 190 cm gross ist. Sonst nichts. Auch hat Tim nur ein Bild auf Tinder. Dieses hat's aber in sich. Blaue Augen, dunkelblonde Locken, braungebranntes Gesicht, volltätowierte Arme. Der Anblick macht mich mindestens so glücklich wie der Fakt, dass er seine Persönlichkeit nicht mit Surf-, Bergsteig- und Reise-Bildern untermalt.

Mein Blick schweift auf die Uhr: 3.28 Uhr. Ich kann nicht schlafen. Der Grund könnte sein, dass ich erst gerade nach Hause gekommen bin, wo ich …

Artikel lesen