Gesundheit
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Schlafhaube für den Powernap. bild: GDI

Wie die 24/7-Gesellschaft uns kaputt macht

Machen Sie es wie Roger Federer – schlafen sie elf Stunden pro Tag

Wie Bio-Food wird genügend Schlaf zu einem Markenzeichen der neuen urbanen Elite. Doch die Schweizer schlafen immer weniger – und immer schlechter.

Eine bekannte medizinische Studie befasst sich mit Nonnen. Über Jahrzehnte hinaus untersuchte David Snowden von der University of Kentucky die Gehirne der verstorbenen frommen Schwestern und kam zum Befund: Nonnen leben am längsten und werden am gesündesten alt. 

Das hat einen einfachen Grund: Nonnen führen ein straff geregeltes Leben, und unser Körper funktioniert am besten, wenn wir einen regelmässigen Tagesablauf haben. «Der Körper setzt alles daran, um ein Gleichgewicht zu schaffen – damit er in einer Zone bleibt, wo er sich sicher und beschützt fühlt», stellt dazu David B. Agus in seinem Buch «Das Ende der Krankheit» fest. Agus ist ein bekannter amerikanischer Krebsspezialist. Zu seinen Patienten gehörte auch Steve Jobs.

Die Always-On-Gesellschaft ist ein Albtraum für unseren Körper 

Die moderne 24-Stunden-Gesellschaft ist – biologisch gesehen – für den menschlichen Körper ein Albtraum. Wir essen unregelmässig, wir jetten von einer Zeitzone in die andere, und vor allem vernachlässigen wir unseren Schlaf. Die Folgen davon schildert eine Studie, die das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) im Auftrag von Möbel Pfister durchgeführt hat.

Eine darin enthaltene repräsentative Umfrage zeigt auf: Vier von zehn Schweizerinnen und Schweizer schlafen heute weniger als vor zehn Jahren und fast gleich viele schlafen schlechter. Nur jede Fünfte und jeder Fünfte der Befragten gibt an, mehr und besser zu schlafen.

Beatle John Lennon and his wife, Yoko Ono, right, hold a bed-in for peace in room 902, the presidential suite at the Hilton Hotel in Amsterdam on March 25, 1969.  The newlyweds, holding solitary tulips, begin a seven-day Love-In to protest against war. Yoko Ono turns 75 on Monday Feb. 18, 2008.   (AP Photo)

Im Bett und in Frieden: John Lennon und Yoko Ono. Bild: AP

Die neue schlaflose Gesellschaft ist eine Folge des «Just-in-time»-Denkens. «Dieses Prinzip hat sich von der Autoherstellung auf die ganze Wirtschaft, auf Dienstleistungen, Konsum und unser Leben übertragen», heisst es in der GDI-Studie. «Heute wird immer und überall Flexibilität erwartet. Durch die Digitalisierung wird der Trend weiter verstärkt und beschleunigt.»

«Männer schlafen vier, Frauen fünf und Idioten sechs Stunden.» 

Napoleon Bonaparte

Wenig zu schlafen galt lange als Zeichen von Männlichkeit und Leistungsfähigkeit. Napoleon pflegte zu sagen: «Männer schlafen vier, Frauen fünf und Idioten sechs Stunden.» Wie der Russland-Feldzug war das eine gravierende Fehleinschätzung.

Die moderne medizinische Forschung weist nach, dass der erwachsene Mensch – egal ob männlich oder weiblich – sieben Stunden Schlaf pro Tag benötigt, um leistungsfähig zu sein. Spitzensportler brauchen noch deutlich mehr. Roger Federer beispielsweise schläft durchschnittlich zwischen elf und zwölf Stunden täglich. 

Roger Federer of Switzerland acknowledges applause as he wins against Jeremy Chardy of France after their second round match at the ATP World Tour Masters tennis tournament at Bercy stadium in Paris, France, Wednesday, Oct. 29, 2014. (AP Photo/Michel Euler)

Roger Federer: Erfolg dank viel Schlaf. Bild: Michel Euler/AP/KEYSTONE

Zu wenig Schlaf wirkt auf den Körper wie Junkfood. «Wenn wir uns die Parallelen zwischen dem Problem der Fettsucht und der Schlaflosigkeit vor Augen führen, müssen wir uns fragen: Ist Schlaf die ultimative Diät?», stellt auch David Agus fest.

Übermüdung wird das neue Übergewicht

Die Verfasser der GDI-Studie kommen zum gleichen Schluss: «Übermüdung wird das neue Übergewicht», stellen sie fest. So wie gesunde Ernährung zu einem Privileg wird, wird auch genügend Schlaf zu einem Statussymbol für Menschen, die sich das auch leisten können. Wie Industriefood wird nämlich auch Schlafmangel zu einem Gesundheitsrisiko.

Er «erhöht die Risiken für Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Diabetes; er führt zu vermehrtem Auftreten einiger Krebsformen sowie zu Stoffwechselproblemen und bewirkt eine generelle Immunschwäche», heisst es in der Studie. 

«Viel Schlaf wird zum Statussymbol.»

GDI-Studie: Die Zukunft des Schlafes

Wer zu wenig schläft, der neigt zu Fettleibigkeit, dem ultimativen Zeichen der neuen Verlierer. Umgekehrt wird der «gesunde tüüfe Schlaf» zum Erfolgsfaktor, nicht nur für Spitzensportler. «Viel Schlaf wird zum Statussymbol», kommt die GDI-Studie zum Schluss. «Entschleunigung, Auszeit und guter Schlaf sind die neuen Luxussehnsüchte der Always-on-Gesellschaft.» 



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