Gesundheit
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Die neue  "LOVE LIFE"-Kampagne wird waehrend eine Pressekonferenz vorgestellt, am Montag, 12. Mai 2014, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

Aids-Prävention

Marktforscher warnten Bund vor Sex-Kampagne

Einmal mehr sorgt das Bundesamt für Gesundheit mit expliziten Sexbildern für Unmut – obwohl Forscher sogar in einer vom Bund in Auftrag gegebenen Evaluation davon abrieten.

14.05.14, 05:13 14.05.14, 08:26

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Daniel Fuchs / Aargauer Zeitung

Nasse Strähnen fallen ihr ins Gesicht, ihre nackte Haut glänzt. Verführerisch blickt das Model über die linke Schulter nach hinten. Lachend liegt ein gut trainierter Mann auf seinem Rücken. Auch seine Haut glänzt vor Schweiss. Die Hände liegen an seinen nackten Schenkeln. 

Schon 2005 rief die HIV-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit (BAG) Kritiker auf den Plan, welchen die hier beschriebenen Bilder zu explizit waren. Der stellvertretende Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, Roger Staub, erinnert sich: «Für manch einen Betrachter signalisierte vor allem der auf dem Rücken liegende Mann mit seiner dargebotenen Stellung Bereitschaft zum Geschlechtsakt.» Interessanterweise habe die verführerisch blickende Frau weit weniger Irritationen ausgelöst, so Staub. 

Breite Information über HIV 

Doch die Kritik kam 2005 nicht nur vonseiten der Politiker, Bürger oder Medien, sondern auch aus der Forschung. Die Marktforscher der Zuger Agentur MRC, die damals im Auftrag des BAG die HIV-Kampagne evaluierten, schrieben in ihren Empfehlungen: «Da die Verwendung extremer Bildwelten mit einer breiten Akzeptanz nicht vereinbar ist, empfiehlt es sich, die speziellen Zielgruppen über spezifische Kanäle direkt anzusprechen.» 

Die Empfehlung stützten die Forscher auf einen Befund in ihrer Evaluation, wonach die Kampagne bestimmte Milieus nur ungenügend erreicht hat, etwa wertkonservative Menschen und «konsumorientierte Arbeiter». Eines der Ziele der HIV-Kampagnen liegt aber gerade in der Information aller in der Schweiz lebenden Personen über die Übertragungswege von HIV. 

Die Porno-Keule 

«Pornografie», kritisieren dieses Jahr die Hüter konservativer Werte die neue HIV-Kampagne. So viel Sex die Bilder von 2005 signalisierten – sie sind weniger explizit als jene, die das BAG vorgestern vorgestellt hat. Es sind Aufnahmen, worauf es bisweilen heftig zur Sache geht. Laien statt Models, so die diesjährige Devise. Sie sollen vor der Kameralinse ausleben, worauf sie gerade Lust haben, so das Konzept. 

Video: Youtube/love life

Die BAG-Bilder zeigen heuer also sogar Menschen beim Sex. Pornografisch wird im juristischen Sinne keine einzige der Aufnahmen sein, in der Wahrnehmung einzelner Menschen dagegen schon. 

Studie soll Nutzen messen 

In der Praxis blieb die Empfehlung der Evaluatoren von 2005 also folgenlos. Wie die diesjährigen Sexbilder beweisen, sucht das BAG auch heuer möglichst grosse Aufmerksamkeit in «extremen Bildwelten», um es in den Worten der Evaluatoren zu sagen. Warum aber sind die Gesundheitsbeamten der Empfehlung nicht gefolgt? Warum sprechen sie nicht gezielt die Risikogruppen wie Schwule, Drogenabhängige oder Migranten afrikanischer Herkunft an? «Die Empfehlung von 2005 bezog sich explizit auf die Kampagne von damals. Wir sahen uns nicht veranlasst, sie für die weitere Kampagnenarbeit zu berücksichtigen», sagt Roger Staub vom BAG. Prävention bei den Zielgruppen finde parallel zur nationalen HIV-Kampagne statt. Es stelle sich aber die Grundsatzfrage: «Wie erreichen wir mit den eingesetzten zwei Millionen Franken die höchste präventive Wirkung?» 

Es geht um den richtigen Mix zwischen breit gefächerten und zielgerichteten Präventionsmassnahmen. Eine Studie soll dem BAG nun Antworten zum Kosten-Nutzen-Verhältnis liefern. Dabei geht es dem BAG letztlich um eine Bevölkerung, die in der Lage ist, sich vor HIV zu schützen. Doch noch weiss der Bund nicht, wie der Nutzen solcher Präventionsmassnahmen überhaupt messbar wird. Die Studie soll auch hierzu Antworten liefern. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • Anna Beck 14.05.2014 12:31
    Highlight Lieber evandro, ich hoffe, dass Du in der Lage bist, dafür zu sorgen, dass deine Tochter den Spot nicht sieht. oder sitzt sie abends spät noch vor dem tv oder schaut sie sich schon YouTube Videos an?
    0 2 Melden
    • evandro 14.05.2014 16:38
      Highlight Was ist mit der Plakatwerbung???
      0 0 Melden
  • evandro 14.05.2014 11:34
    Highlight wie soll ich meiner Tochter erklären (5 Jahre), was die Männer oder Frauen tun. Das muss noch nicht sein und sollte subtiler und stilvoller dargestellt werden. Ein bisschen Pep würde auch nicht schaden.
    0 1 Melden
  • kritischerkritiker 14.05.2014 11:14
    Highlight sex ist gut- alle machen es (ausser morrissey). wenn den Leuten in der ATL-Abteilung nichts mehr einfällt muss eben provokation her. und siehe da: es funktioniert: schliesslich reden alle davon, sind brüskiert, genervt u.s.w. Doch das ist WURST, denn es wird darüber gesprochen und darum geht es. je safer der sex, umso besser. also muul zuä, gummi drum und ab die post. heurika!
    0 1 Melden
  • Severin Bischof 14.05.2014 11:10
    Highlight Coole Kampagne!
    1 2 Melden
  • sewi 14.05.2014 11:10
    Highlight Zuviel Geld, zuviel Zeit.....
    0 3 Melden
  • Zeit_Genosse 14.05.2014 08:36
    Highlight Man hat 2005 davon gewarnt und heute haben wir 2014. Die Gesellschaft hat sich seither gewandelt. Die Progressiven-Extravertierten jedenfalls und die Konservativen natürlich nicht oder nur wenig. Deshalb kommt aus den konservativen Kreisen die gleiche Botschaft wie 2005. Wenn HIV tendenziell von jüngeren promiskuitiven und sexuell breit orientierten Gruppen eher übertragen werden, dann muss die Ansprache auf diese Zielgruppe abgestimmt sein und nicht nach dem Gusto, ob irgendwelche Altpolitiker sich an Bilder stören, von denen sie evtl. selbst träumen. Auch konservativ-religiöse Kreise müssen sich nicht angesprochen fühlen, wenn sie genau hinschauen und jugendliche kennen weit extremere Bilder (Pornos werden in der Schweiz ab dem 10. Altersjahr bereits konsumiert). Wenn die Statistik aber besagt, dass es viele älter Puffgänger hat, die sich im Billigmilieu kondomlosen Sex erzwingen und kaufen und so zu HIV-Schleudern werden, dann muss man die Werbung anpassen. Doch diese Bilder dürften dann eher verstörend sein, wenn man das Problem beim Namen nennen will oder bildlich umsetzen möchte. Alle Versuche mit Humor, mit Metaphern und mit Zweideutigkeiten über Sex und HIV zu sprechen, mögen amüsant sein, doch die Wirkung von Werbung und Aussagen macht nur im klar kontextuellen Zusammenhang Sinn. Also sollte man das zeigen, was Sache ist. 1. Sex bereitet vielen Freude und kaum jemand verzichtet wegen Geschlechtskrankheiten und HIV auf Sex. 2. Vor den negativen Einflüssen kann man sich schützen. Also, genau das macht die aktuelle Kampagne, die es auch noch schafft, medial transportiert werden, weil sie polarisiert und damit breite Schichten anspricht und damit viel erreicht. Kritiker mögen sagen, dass man mit diesen Bildern zügellosen Sex erst richtig propagiert und sexlosen und sexunerfahrenen Menschen eine zu offenes Sexverständnis vermittelt. Kann sein, doch wenn, dann mit Kondom. Und zudem sind solche Bilder besser als Gewaltdarstellungen, die nonstop und omnipräsent sein dürfen, weil man sich da längst damit abgefunden hat und nicht mehr empört ist. Das sollte uns eigentlich mehr Sorgen machen.
    5 0 Melden
  • Phil-a-palooza 14.05.2014 08:16
    Highlight Bei diesem Thema kanns einfach nicht provoktiv genug sein...
    http://www.pupoll.com/de/polls/ist-die-neue-stop-aids-kampagne-zu-freizuegig-2014-5-13
    2 1 Melden
    • Nick Lachen 14.05.2014 09:45
      Highlight warum? Es sind doch genau diese Scheiss Bilder, welche die ganze Zeit mit dem schnellen Sex anfixen.
      0 8 Melden
    • tisc 14.05.2014 10:03
      Highlight Es ist doch nichts gegen schnellen Sex einzuwenden! Es muss halt einfach Safersex sein! Wo ist das Problem Nick?
      5 2 Melden

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