Gesundheit
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Smatrphone Symbolbild

Online-Werbung für Tabakprodukte zielt laut dem Bund häufig auf junge Menschen. Bild: Shutterstock

Jugendschutz

Alain Berset will Online-Werbung für Tabak verbieten 

Schweizer Websites sollen künftig tabu sein – Hersteller weichen auf Social Media aus.

14.05.14, 05:39 14.05.14, 08:42

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Lorenz Honegger / Aargauer Zeitung

Bei der Einschränkung von Tabakwerbung ist die Schweiz ein Entwicklungsland. Ob auf Plakaten, an öffentlichen Veranstaltungen oder in Printmedien: In keinem anderen westeuropäischen Staat können die Zigarettenhersteller freier für ihre Produkte werben. Dies jedoch nicht mehr lange. 

Gesundheitsminister Alain Berset plant im neuen Tabakproduktegesetz eine ganze Reihe von Werbeverboten. Neben den klassischen Kanälen will der SP-Magistrat den Konzernen künftig auch die Onlinewerbung auf Schweizer Websites untersagen, wie aus einem gestern veröffentlichten Newsletter des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hervorgeht. Das Verbot geht gemäss der aktuellen Planung des Bundesrates nächste Woche zusammen mit dem Tabakproduktegesetz in die Vernehmlassung. 

Die Auseinandersetzung mit der Zigarettenlobby wird für BAG-Direktor Pascal Strupler kein Spaziergang. Im Newsletter gibt sich der ehemalige Raucher kämpferisch. Jeder junge Mensch, der nicht zu rauchen beginne, sei den Einsatz für Werbeverbote wert, sagt er dort. Das Recht des Einzelnen auf ein gutes Leben sei höher zu gewichten als die Wirtschaftsfreiheit der Tabakbranche. Das Bundesgericht sei gleicher Meinung. 

Bundesrat Alain Berset plant Tabak-Werbeverbote. Bild: KEYSTONE

Tabakfreundliche YouTube-Videos 

Fraglich ist, was das angestrebte Online-Werbeverbot in der Praxis bringt. Das BAG selbst bezeichnet das Internet als «schwer kontrollierbare» Plattform. Zahlreiche Studien aus dem Ausland bestätigen diese Einschätzung: Immer häufiger greifen Zigarettenproduzenten auf Social-Media-Websites wie Facebook oder Youtube zurück, um ihr Zielpublikum anonym und indirekt anzusprechen und so die geltenden Werbeeinschränkungen zu umgehen. 

Forscher der medizinischen Fakultät der Universität Sydney haben nachgewiesen, dass Angestellte von British American Tobacco (BAT) weltweit mit ihren persönlichen Facebook-Accounts Werbung für konzerneigene Marken wie Lucky Strike oder Dunhill machten. 

Forscher aus Neuseeland stellten derweil fest, dass mehr als 70 Prozent der zigarettenbezogenen Videos auf Youtube tabakfreundlich und in vielen Fällen das Werk indirekter Marketinganstrengungen der Zigarettenindustrie sind. 

Keine Patentrezepte 

Laure Curt, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Sektion Tabak des BAG, sagt, es existierten keine Patentrezepte gegen solche Aktivitäten: «Werbung im Internet ist nicht an Landesgrenzen gebunden.» Für die Hersteller sei Social Media attraktiv, da sie gezielt ein junges Publikum ansprechen könnten. Die Werbeformen seien extrem vielfältig. Altersschranken fehlten meist. Trotzdem wolle man es mit dem Online-Werbeverbot versuchen. 

Auf Anfrage weisen die Tabakmultis den Vorwurf von sich, auf Facebook und anderen Plattformen verdeckt zu werben. Der Schweizer Ableger von BAT schreibt in einer E-Mail an die «Nordwestschweiz», das Unternehmen nutze Social Media nicht, um für seine Produkte oder Marken Werbung zu betreiben, da es unmöglich sei, das Alter der Kunden zu überprüfen. Die eigenen Websites seien nicht für Minderjährige zugänglich. Auch die Konkurrenz von Philip Morris betont, das Unternehmen betreibe keine Werbung über neue Medien. Zum Tabakproduktegesetz wollen sich die Unternehmen noch nicht äussern. 



Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kEINKOmmEnTAR 14.05.2014 10:47
    Highlight Es muss nichts gemacht werden!

    Wer schwach genug ist nur wegen einer Werbung mit etwas anzufangen das höchstwahrscheinlich gesundheitliche Langzeit- und Kurzzeitschäden verursacht ist selber schuld.

    Aus meiner Sicht ist hier ein liberaler Wirtschaftsmarkt wichtiger als der Wunsch einzelner nach was weiss ich.
    0 1 Melden
  • Zeit_Genosse 14.05.2014 08:14
    Highlight Das der Gesundheitsminister etwas mediales tun möchte und auch etwas sichtbares im Bereich der Tabak-Prävention (Raucherkrankheiten sind Preis-Kostentreiber im Gesundheitswesen) von ihm erwartet wird, führt zu solchen Ideen. Jede/r weiss inzwischen, dass Werbeverbote nicht den gewünschten Effekt bringen, manchmal sogar gegenteilige Effekte, weil mit dem Verbot eine "Aura des nicht korrekten" mitschwingt und gerade die pupertierende Zielgruppe genau das Gegenteil davon macht, was Erwachsene, das Establishment und die Gesellschaft von ihnen erwarten. Werbung im Onlinebereich verbieten zu wollen, zeigt, dass man keine Ahnung vom Internet und den Möglichkeiten hat. Ich denke, dass die heute bestehenden Rauchverbote reichen. Man kann ja Quasi nur noch im Freien, in seinen eigenen 4-Wänden oder bei Freunden und im Auto rauchen. Wer wirklich rauchen will, tut das auch. Und wenn der Bund auf Cyper-Werbe-Cops setzen will, dann schiesst er weit übers Ziel hinaus. Denn anders kann er das Internet und die vielfältigen Online-Werbemöglichkeiten nicht "kontrollieren" (versuchen). Ein Erfolg wird sich nicht einstellen lassen, doch getan hätte man wenigstens etwas.
    0 1 Melden
  • thierry_haas 14.05.2014 07:37
    Highlight Ja soll er doch gleich alles was mit Tabak verbunden ist verbieten... Angefangen mit den Tabakmultis, die mit offenen Armen und günstigen Steuern in der Schweiz willkommen werden. Billige Politiker-Heuchlerei ist das, sonst nichts.
    0 1 Melden

Französin wählt wegen Schmerzen den Notruf und wird ausgelacht – wenig später ist sie tot

In Frankreich hat der wohl vermeidbare Tod einer jungen Frau helle Empörung ausgelöst: Die 22-Jährige starb, nachdem sie den Notruf wählte und dort nicht ernst genommen wurde.

Gesundheitsministerin Agnès Buzyn zeigte sich am Dienstagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter «zutiefst betroffen». Sie gab an, Ermittlungen zu den «gravierenden Fehlern» des Notdienstes angeordnet zu haben.

Naomi Musenga hatte Ende Dezember wegen starker Bauchschmerzen den Notruf gewählt, wie französische Medien …

Artikel lesen