Griechenland
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epa04824072 German Chancellor Angela Merkel (CDU) laughs during the SPD faction meeting sitting next to party leader Sigmar Gabriel (L) in Berlin, Germany, 29 June 2015. The meeting serves to inform on the Greek debt crisis.  EPA/MICHAEL KAPPELER

Ein Bild, das die Machtverhältnisse klar ausdrückt: Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Bild: EPA/DPA

Wer hat uns Europäer verraten? Die Sozialdemokraten!

Ausgerechnet SPD-Chef Sigmar Gabriel und sein Parteikollege und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz profilieren sich als Hardliner in der Griechenland-Frage. 

06.07.15, 14:54 07.07.15, 06:51


Kaum waren die ersten Hochrechnungen über das griechische Referendum eingetrudelt, da meldete sich auch schon SPD-Parteichef Sigmar Gabriel zu Wort: «Wir lassen uns nicht erpressen», verkündete er lauthals. «Tsipras und seine Regierung führen das griechische Volk auf einen Weg von bitterem Verzicht und Hoffnungslosigkeit.» 

«Es gab SPD-Vorsitzende, die sich für so etwas geschämt hätten.»  

Gustav Horn, Ökonom und SPD-Mitglied

EU-Parlamentspräsident und SPD-Mitglied Martin Schulz hatte derweil schon im Vorfeld die Anti-Griechenlandstimmung angeheizt und vehement für ein Ja geworben. Auch er verstärkte das vorherrschende Klischee der starrsinnigen Griechen und der nachsichtigen Troika. «Es ist alles unternommen worden, der Regierung Tsipras entgegenzukommen», erklärte Schulz in einem Interview mit der «Welt». «Wir haben wirklich bis zur letzten Minute für eine Lösung gekämpft.»

President of the European Parliament Martin Schulz  addresses Ukrainian lawmakers in Parliament  in Kiev, Ukraine, Friday, July 3, 2015.  (AP Photo/Sergei Chuzavkov)

Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident, spricht im ukrainischen Parlament. Bild: Sergei Chuzavkov/AP/KEYSTONE

Die «Bild»-Zeitung lässt grüssen

Kommentare in der «Bild»-Zeitung, poltern in Talkshows: Gabriel und Schulz stehen den konservativen Hardlinern in nichts nach. Der Grund dafür ist ebenso offensichtlich wie durchsichtig: In den Umfragewerten befindet sich die SPD in einem Dauertief. Gabriel kann sich auch als Nummer zwei der schwarz-roten Regierung nicht profilieren und ist im langen Schatten der Kanzlerin kaum noch zu erkennen. 

Mit dem Versuch, zu retten, was eigentlich nicht zu retten ist, macht Gabriel jedoch alles nur noch schlimmer. Statt seiner Partei Profil zu verleihen, weckt er alte Geister und erinnert an eine Zeit, in der es hiess: «Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!» Der Slogan geht zurück auf die so genannte «Burgfriedenspolitik» der SPD vor dem Ersten Weltkrieg. 

«Die griechische Regierung hat letzte Brücken eingerissen, über die sich Europa und Griechenland sich auf einen Kompromiss zu bewegen konnten.»

Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SDP

Lange hatten auch die deutschen Sozialdemokraten auf eine internationale Friedenspolitik gesetzt. Doch am 4. August 1914 stimmte die SPD-Fraktion im Reichstag fast geschlossen für die Kriegskredite, weil sie «das eigene Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich» lassen wollte. Kaiser Wilhelm II. konnte daraufhin stolz ausrufen: «Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!»

Widerstand in der eigenen Partei

Die moderne SPD hat bei der griechischen Tragödie von Anfang an eine prominente Rolle gespielt. Ohne die Agenda 2010 von Gerhard Schröder wäre das deutsche Exportwunder nicht geschehen, und auch nicht das damit verbundene wirtschaftliche Ungleichgewicht in Europa. Bis heute jedoch verteidigen die deutschen Sozialdemokraten dieses «Gürtel-enger-schnallen»-Programm als grossen Triumph ihrer Partei. 

Immerhin: Gabriels Griechen-Bashing findet auch innerhalb der SPD nur beschränkt Zuspruch. Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung und selbst SPD-Mitglied schreibt empört an die Adresse von Gabriel: «Es gab SPD-Vorsitzende, die sich für so etwas geschämt hätten.»  

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    Alle Leser-Kommentare
  • Oberon 06.07.2015 20:07
    Highlight Es ist immer wieder verwunderlich wie einige Leute nicht einsehen wollen das Griechenland ein souveräner Staat ist und demnach sich auch selber regiert.
    Die Lage in Griechenland kann ohne weitgreifende Reformen nicht verbessert werden. Das grössere Problem aktuell ist jedoch die Zahlungsunfähigkeit, da hätte die aktuelle Regierung in den letzten 5 Monate besser versucht daran zu arbeiten.
    Das nächste was mich weiter sprachlos macht, dass viele Griechen den Schuss immer noch nicht gehört haben. und der Meinung sind, dass nun alle anderen ihnen eine Lösung bieten müssen. Peinlich!
    20 17 Melden
    • strieler 07.07.2015 01:01
      Highlight zynisch bist du also gar nicht oberon.. den schuss noch nicht gehört??? in griechenland kratzt die jugendarbeitslosigkeit bald an der 60 % Marke, die suizidrate stieg um mehrere 100 % , die medizinische Grundversorgung ist nicht mehr gewährleistet.. griechenland wurde und wird zu tode gespart... (dass der sparkurs eher wenig gebracht hat, mussten ja in letzter zeit auch einige vertreter der eu zugeben (lagarde, juncker)... die griechen haben nicht schüsse gehört - sondern vor allem vorschläge, die bis jetzt nichts brachten - und sie können nur hoffen ( leider wohl das einzige das der darbenden mehrheit der bevölkerung noch bleibt), dass sich die eu erbarmt bevor das mit dem zu tode sparen nicht noch zu einer bitteren realität wird
      10 3 Melden
  • stadtzuercher 06.07.2015 18:39
    Highlight Ich finde Watsons Berichte und Meinungen in der Griechenlandfrage klasse. Die Deutschen Medien (nicht nur der Boulevard) sind diesbezüglich natürlich voreingenommen und ganz übel, aber auch etliche andere Schweizer Medien rennen da ohne es wahrzunehmen gewissen Ideologien nach.
    52 18 Melden
    • Platonismo 06.07.2015 20:06
      Highlight Ja, zum Glück leuchtet da Watson völlig ideologiefrei, objektiv und wissenschaftlich mit löpfschem Genius der Leserschaft den Weg aus der Finsternis des neo-liberalen Feudalismus. 😂
      29 27 Melden
  • HansDampf_CH 06.07.2015 17:00
    Highlight

    legendär
    14 3 Melden
    • dtr068 06.07.2015 22:25
      Highlight Habe das Video nicht gekannt. (Super)👍👍
      3 1 Melden
  • Alex23 06.07.2015 16:35
    Highlight Und so sicher wie das Amen in der Kirche kommt Herr Löpfe herbeigeeilt und bedient alle Knöpfe, die zu drücken sind: Die Bildzeitungskeule wird ausgepackt (Wer nicht auf der ultralinken Schiene fährt, muss ja einfach auf Bildzeitungsniveau argumentieren. Just so einfach ist das. Zwischentöne gibt es nämlich nicht.).
    Schulz, Gabriel etc. sind unsachlich und Verräter am sozialdemokratischen Gedanken, wenn sie was gegen das griechische Vorgehen zu sagen wagen. Das dürfen sie nämlich nicht! Das Monopol dafür liegt nämlich bei der griechischen Regierung! Die wird selbstredend mit keinem Wort kritisiert, wenn sie auf unterster Stufe mobilisiert. Ich muss wohl dazu keine Beispiele mehr bringen ..... . Sowas nennt man zweierlei Maß und sollte jemandem, der vorgibt etwas Relevantes zu sagen zu haben, nicht passieren. Es sei denn es geht ihm auch wiederum nur um ideologische Grabenkämpfe.
    Sozialdemokratie und Kritik am gegenwärtigen Blindflug der griechischen Regierung schließen sich nämlich nicht aus, auch wenn das Herr Löpfe für skandalös hält und dies in seinen gedanklichen Konstrukten nicht vorgesehen ist.
    30 38 Melden
    • kiawase 06.07.2015 19:19
      Highlight was griechenland macht hat mit blindflug nichts zu tun... die blinden sehe ich da schon eher in brüssel und Berlin
      38 15 Melden
  • Crecas 06.07.2015 16:03
    Highlight Ganz nüchtern. Die Griechen brauchen Geld. Die EZB, EU & IWF wollen Geld geben aber knüpfen Bedingungen daran. Diese will und kann Griechenland nicht akzeptieren. Die Bedingungen, die Griechenland akzeptieren würde, sind für die drei Geldgeber nicht akzeptabel. Also gibt’s keine Einigung. Also gibt’s keinen Deal. Punkt. Aus. Ende. Wenn ich bei meiner Hypothek bei Bank A keinen Deal bekomme, weil mir die Bedingungen zu streng sind (der Zinssatz zu hoch), dann geh ich halt zu Bank B, welche mir einen tieferen Zinssatz offeriert. Wenn mir alle Hypotheken bei allen Banken zu teuer sind, nehme keine Hypothek auf. Punkt. Aus. Ende.

    Es ist verwunderlich, dass der Autor stur meint, es sei die heilige Pflicht, dass EZB, EU und IWF Griechenland Geld geben MÜSSEN. Oder wieso Griechenland um jeden Preis das Geld der Troika nehmen muss. Dies ist einfach schlicht falsch… Griechenland kann sich das Geld auch anderswo besorgen. In China, Russland oder am Kapitalmarkt. Bei letzterem kann dann jeder, der Griechenland unterstützen will (auch der Autor), die Obligation zeichnen. Der Zinssatz wird dann in der Auktion festgelegt. Diese Bedingungen dürften den Griechen aber wohl noch schlechter gefallen.

    Es ist allerdings doch nicht so verwunderlich, dass der Autor dies denkt oder das der Autor Gabriel als „Verräter“ darstellt (??!!??). Denn bei der Frage „Soll Griechenland von der Troika weiter subventioniert werden?“ (denn es waren ja bisher nichts anderes als Subventionen) sagt der Autor ganz klar ja. Gabriel findet Nein. Ich auch.. Es wäre gut für Watson, den Autor und den Leser, wenn Herr Löpfe fortan oder zumindest in einem erklärenden Artikel nicht mehr als gegeben annimmt, sondern erstmal erklärt, wieso dies so sein sollte.
    55 55 Melden
    • keplan 06.07.2015 16:50
      Highlight Das Problem ist, das die Institutionen jede Menge Geld verlieren, wenn GR kein neues Hilfspaket kriegt (bei einem neuen HP besteht zumindest die Chance, das Geld wieder zu kriegen). Die X Milliarden verlust müssten dann die Regierungen ihrem Volk erklären (welchem Versprochrn wurde, dass sie es wieder zurückzahlen). Glauben sie diese Regierungen würde wiedergewählt. Den EU-Politikern geht es schon lange nicht mehr um GR, sondern um ihre Köpfe
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    • Alex23 06.07.2015 16:52
      Highlight Es wäre auch gut, wenn mal jemand anders zu dem Thema zu Worte käme. Vielleicht mit einer anderen Sichtweise? Das würde man dann nämlich ausgewogen nennen und hat in einem Newsportal noch nie geschadet.
      Diese eindimensionale Löpfe-Dauerbeschallung ist nämlich, milde gesagt, ermüdend.
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    • kettcar #lina4weindoch 06.07.2015 17:00
      Highlight Crecas... vielleicht sind Sie der Bank aber auch ein bisschen unwichtiger, als die Griechen der EU... Die Bank kann sehr gut ohne Crecas leben und wenn der Crecas in einer Karton-Schachtel haust, ist der Bank das ziemlich egal.... Der EU kann und darf es nicht egal sein, wie es den Griechen geht, denn sie selber hätten auch keinen Vorteil aus einem Bankrott/Grexit usw.
      10 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Petar Marjanovic (1) 06.07.2015 15:26
    Highlight Musik dazu.
    16 2 Melden
    • Matthias Studer 06.07.2015 18:02
      Highlight Einige schauen ziemlich betroffen.
      3 1 Melden
  • DerWeise 06.07.2015 15:08
    Highlight Und die SP Schweiz lädt Martin Schulz zum Parteitag ein... Sagt viel über den Zustand der Schweizer Sozialdemokratie aus...
    56 12 Melden
    • Joey Madulaina 07.07.2015 14:53
      Highlight Wobei es immer noch die linkste Sozialdemokratie Europas ist. Echt tragisch...
      1 0 Melden

30 (ja, dreissig!) griechische Gerichte, die man nicht nur in den Sommerferien essen sollte

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