Griechenland

Morgan-Stanley-Chef James Gorman nimmt einen möglichen «Grexit» gelassen. Bild: JOSHUA ROBERTS/REUTERS

Morgan-Stanley-Chef hält mögliche Folgen eines «Grexit» für «überschaubar»

21.06.15, 14:26 21.06.15, 15:34

Der Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley rechnet nicht mit einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. «Ich glaube nicht, dass Griechenland den Euro verlässt. Es wird einen Kompromiss geben. Das Risiko ist zu gross», sagte James Gorman der «Welt am Sonntag». Doch der Verhandlungsdruck ist enorm: Griechenland muss offenbar bereits Gehälter und Renten kürzen

Sollte Griechenland die Währungsunion doch verlassen, hält Gorman die wirtschaftlichen Folgen für überschaubar, die Ansteckungsgefahr für die Weltwirtschaft sei begrenzt. 

«Schliesslich hatten alle Akteure genug Zeit, sich auf dieses Szenario vorzubereiten.» Er fügte aber hinzu: «Die politischen Folgen sind jedoch unkalkulierbar. Da gibt es bisher auch keine Erfahrungen.»

Griechenland ringt seit Monaten mit seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds um weitere Finanzhilfen. Für Montag wurde ein Gipfel der Staats- und Regierungschef der Euro-Zone angesetzt, um den Streit zu lösen. 

Ohne eine baldige Einigung droht Griechenland die Pleite. Diese könnte zu einem Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone führen, dem sogenannten «Grexit». 

Sorgen um Zukunft

Einen Tag vor dem Sondergipfel der Euro-Staaten zu Griechenland macht sich die griechische Presse am Sonntag Sorgen über die Zukunft des Landes.

«Rettet Griechenland», titelt die Athener Sonntagszeitung der politischen Mitte «To Vima». Im Hintergrund ist eine griechische Fahne abgedruckt. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras trage «eine historische Verantwortung», in den nächsten 24 Stunden werde das Schicksal Griechenlands bestimmt, meint das Blatt.

«Stunden der Agonie (des Todeskampfes) und der Verantwortung für die Zukunft Griechenlands», titelt die konservative Zeitung «Kathimerini». Regierungschef Alexis Tsipras stehe vor dem Ultimatum der Gläubiger, weitere Sparmassnahmen zu akzeptieren oder sein Land werde pleite gehen. 

In einem Kommentar erinnert die Zeitung Tsipras daran, dass er vom Volk nicht das Mandat habe, Griechenland zum Austritt aus der Eurozone zu führen. «Der Bruch (mit den Gläubigern) und die (Rückkehr zur alten Währung) Drachme werden eine nationale Katastrophe sein», kommentiert «Kathimerini».

«Einigung oder Abenteuer», titelt das Boulevardblatt «Ethnos». Das Boulevardblatt «To Proto Thema» setzt auf: «Griechenland wird im Euroland bleiben». Die konservative Zeitung «Eleftheros Typos» sieht für Griechenland und Premier Tsipras «Die Stunde Null» schlagen. Die Parteizeitung der regierenden Linkspartei Syriza «I Avgi» titelt: «Das Volk steht der Regierung zur Seite». (sda/reu/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • cassio77 21.06.2015 16:49
    Highlight morgan stanley ist ja spezialist im einschätzen von risiken und wurde deshalb während der finanzkrise gerettet.
    1 0 Melden

Over and over and over again: In wenigen Stunden verhandelt die Euro-Gruppe erneut – die Skepsis ist gewachsen

Neun Stunden hat die Euro-Gruppe zusammengesessen – und am Ende konnten sich die Finanzminister noch nicht einmal auf eine gemeinsame Erklärung einigen. Am Sonntagmorgen kommen sie erneut zusammen, entscheiden müssen wohl die Chefs. 

Plötzlich war alles vorbei, um Mitternacht, fast auf die Minute genau neun Stunden nach Beginn des Euro-Gruppen-Treffens in Brüssel. Ein Ergebnis gab es zunächst nicht. Seit dem frühen Abend hatten die Finanzminister der 19 Euroländer an einer Erklärung gearbeitet. Der erste Entwurf war fertig, vor der zweiten Überarbeitung beschlossen die Teilnehmer sich zu vertagen – auf Sonntagmorgen 11 Uhr, fünf Stunden bevor die Staats- und Regierungschefs der Eurozone zum Gipfel zusammenkommen.

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