Griechenland
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Schiffsunglück in der Adria

Passagiere auf der «Norman Atlantic»: «Wir wissen nicht, wie lange wir durchhalten» 

Die Bilder aus dem Mittelmeer sind dramatisch, die Passagiere auf der brennenden Fähre in der Adria kämpfen ums Überleben. Augenzeugen klingen verzweifelt: «Helft uns, lasst uns nicht im Stich.» 

28.12.14, 15:11 28.12.14, 17:14

Fähre vor Griechenland in Brand

Ein Artikel von

Als das Feuer sich entzündete, lagen die meisten in ihren Betten, in den Schlaf geschaukelt von den Wellen des Meeres. 478 Passagiere, Kellner, Köche, Matrosen und der Kapitän sind zu diesem Zeitpunkt an Bord der Fähre «Norman Atlantic», darunter 10 Schweizer.

Ein Teil der Passagiere konnte inzwischen evakuiert werden, die anderen warteten Sonntagmittag noch auf Hilfe. 

Als das Feuer ausbrach, hatte das Schiff den griechischen Hafen Igoumenitsa bereits verlassen, nächstes Ziel: Ancona in Italien. Dann, rund 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu, tönte der Alarm, gegen 3 Uhr am Sonntagmorgen muss das gewesen sein. 

Eine Frau berichtete griechischen Medien, sie habe sich sofort die Rettungsweste angezogen, voller Panik, denn der Boden habe bereits gebrannt. Entzündet haben sich die Flammen auf dem Autodeck, rund 200 Wagen parkten dort, darunter laut Medienberichten rund 20 Lkw mit Olivenöl. Warum das Feuer ausbrach, ist bislang unklar. 

Schnell frassen sich die Flammen weiter und weiter. «Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen», sagte ein Passagier dem griechischen TV-Sender Mega. Die Frau sagt, sie hätten sich zu den Rettungsbooten flüchten wollen, vergeblich, das Feuer sei zu stark gewesen. Andere Passagiere klammerten sich an die Reling, berichten Augenzeugen. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten umliegende Schiffe den Hilferuf bereits gehört: Sieben Boote fuhren zur brennenden «Norman Atlantic», später bildeten sie einen Kreis um das Schiff, um sie vor dem Wind zu schützen. Mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde peitscht er über das Meer. Sechs Meter hoch sind die Wellen. Es regnet stark. Es hagelt. 

Auch Italien und Griechenland haben da längst Hilfe geschickt: Hubschrauber und Flugzeuge flogen zu dem Unglücksort, ein Boot fuhr los. Helfen können die Retter den Passagieren allerdings kaum: Es stürmt zu sehr, deswegen können sie nicht an Bord. Rettungsboote treiben ab, bevor Menschen einsteigen können, berichten griechische Medien, andere verbrannten offenbar. 

Einige Passagiere schwimmen im Wasser und halten sich an einem Gegenstand fest, das zeigen Bilder des italienischen Fernsehens. Zu sehen ist auch ein Mensch, der per Hubschrauber aus dem Wasser geborgen wird. Im Hintergrund: hohe Wellen und schwarzer Rauch, der vom Schiff aufsteigt. 

Augenzeugen klingen verzweifelt: 

«Niemand kann etwas machen»

Ein Mann an Bord dem griechischen Radiosender Skai

«Die Leute schreien.»

«Das Schiff brennt und sinkt, niemand kann uns retten. Helft uns, lasst uns nicht im Stich.» 

«Wir sehen fast nichts mehr vor Rauch. Wir werden verbrennen wie die Mäuse.» 

«Wir wissen nicht, wie lange wir durchhalten.» 

«Wir verbrennen lebend. Das Feuer tobt.» 

«Betet mit uns.»

Noch ist nicht klar, wie viele sich bislang gerettet haben: Rund 150 Passagieren ist es bisher gelungen, die Fähre in einem Rettungsboot zu verlassen. Nur ein Teil von ihnen schaffte es später, vom Boot in einen Tanker zu klettern. Griechische Behörden berichten, bis Sonntagmittag wurden 56 Menschen gerettet. Die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, dass Hubschrauber bisher mindestens acht Menschen, darunter drei Kinder, gerettet haben; sie flogen sie ins süditalienische Lecce. Die Passagiere litten an Unterkühlung, aber sonst gehe es ihnen den Umständen entsprechend gut. Rund 300 Menschen kämpfen derzeit noch ums Überleben. 

Am Morgen sagte der griechische Minister für Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis: «Es ist eine der schwierigsten Rettungsaktionen, die wir bisher erlebt haben.» 



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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